Interview mit … Leo Lukas

Es ist schon wieder eine Weile her, dass ich ein längeres Interview mit PERRY RHODAN-Autor, Kollegen und Freund Leo Lukas geführt habe. Dabei gibt es eine Menge Neuigkeiten zu berichten. Außerdem macht es immer mächtig viel Spaß, mit einem der profiliertesten Kabarettisten Österreichs zu plaudern, der darüber hinaus Bücher schreibt, Regie führt und vielen Nachwuchskollegen in allen möglichen Bereichen karrieretechnisch weiterhilft. 
Ich gehöre übrigens auch zu den Leuten, deren Leben ohne Leos Hilfe ganz anders verlaufen wäre.

Michael: Leo, danke, dass du dich für dieses Interview zur Verfügung stellst. Zuerst würde ich gerne von dir wissen, wie sich denn dein »Leo Lukas Lesebuch« so verkauft? Es wurde zu deinem sechzigsten Geburtstag veröffentlicht und umfasst Gstanzln, Gedichte, Liedtexte, lustige und nachdenklich machende Geschichten.

Leo Lukas: Der Ueberreuter-Verlag ist mit den Zahlen recht zufrieden. Ich treffe auch immer wieder Leute, die mich darauf ansprechen. Ich trete nach wie vor bei Lesungen auf und entscheide dann recht spontan, was ich aus dem Buch zum Besten gebe. Die Zuhörer bekommen also jedes Mal etwas anderes zu hören.

Michael: Ist denn an eine Fortsetzung gedacht, an einen zweiten Band?

Leo Lukas: Vorerst nicht. Meine Lektorin hat eine Vielzahl an Texten von mir gesichtet und die besten ausgesucht. Es gibt natürlich noch viel mehr Material, das man heranziehen könnte. Aber der Plan war eigentlich, dieses Buch als einmalige Sache zu meinem sechzigsten Geburtstag rauszubringen.

Michael: Es gibt aber noch andere Pläne zum Thema Buch, nicht wahr?

DSCN7639 KopieLeo Lukas: Richtig. Es hat sich zufällig so ergeben, dass mein Verlag eine Krimischiene aufgebaut hat. Autoren, die bei einem anderen Verlag gekündigt haben, sind übergetreten. Daraufhin hat Ueberreuter festgestellt, dass man mit diesem Genre durchaus Geld verdienen kann. Der Krimi des (Kabarett-)Kollegen Thomas Stipsits (»Kopftuchmafia. Ein Stinatz-Krimi«) zum Beispiel geht in den Verkaufszahlen gerade durch die Decke.
Ueberreuter will mit ähnlichen Werken nachlegen, also möchte ich in den nächsten Wochen ein Konzept präsentieren.

Michael: Ein Konzept zu einem Krimi oder zu einem Thriller?

Leo Lukas: Das weiß ich noch nicht. Das wird sich während der Arbeit ergeben.

Michael: Du bist ja ein Tausendsassa. Du bist Autor, führst Regie und machst Kabarett, um nur ein paar Dinge aus deinem breiten Portfolio zu nennen. Wie siehst du denn derzeit die Aufteilung zwischen diesen drei großen Bereichen? Was wirst du in nächster Zeit alles machen?

Leo Lukas: Das Schwergewicht liegt derzeit beim Schreiben. Es taugt mir grad irrsinnig nach einer kleinen Durchhängephase.
Dazu kommen heuer zwei Regiearbeiten. Kabarettprogramme, die ich mit entwickle. Das eine Paar, zwei junge österreichischen Künstlerinnen knapp über 20, die wollen’s unbedingt wissen und im März dieses Jahres beim »Kleinkunstvogel« (Anm: »Grazer Kleinkunstvogel«, der älteste Kleinkunstpreis im deutschen Sprachraum) antreten. Die zweite Regiearbeit mache ich mit Martin Buchgraber. Der bringt schon viel Erfahrung mit, er war unter anderem im »Kabarett Simpl«. Aber jetzt möchte er es einmal mit einem Soloprogramm probieren.
Ich arbeite also derzeit an zwei Programmen parallel, wobei die Texte jeweils schon fertig sind.
Weiters hab ich immer wieder Auftritte bei der ORF-Ratesendung »Was gibt es Neues?« Und bei einem neuen ORF-Format namens »Fakt oder Fake« (presented by Clemens Maria Schreiner) coache ich ein Mitglied des Expertenteams, den Peter Iwaniewicz, einen guten Freund, der zugleich mein »Guru« beim Badminton ist. Er ist hauptberuflich Biologe und nebenbei Kolumnist für die Wiener Stadtzeitung »Falter«.

Michael: Und ein unschlagbarer Badminton-Spieler, wie ich bereits leidvoll erfahren musste … Kommen wir zu PERRY RHODAN. Da steht in Kürze ein besonderer Band für dich an. Dein »Tausender«. Exakt tausend Wochen nach deinem Einstieg bei der Serie mit der Nummer 2059 darfst du die Nummer 3059 schreiben. Sind solche Zahlenspielereien für dich etwas Besonderes?

Leo Lukas: Ich selbst hatte das Jubiläum ja übersehen, aber Christian Montillon hat mich daran erinnert.
Ich finde das Thema grundsätzlich scharf. Die Expokraten haben mir sogar einen Titel mitgeliefert, in dem das Wort »tausend« vorgekommen wäre. Ich musste den Titel leider ablehnen, er hätte schlichtweg nicht gepasst.
Die Arbeit an Band 3059 fällt mir nicht immer leicht; das Thema ist unter anderem der Posizid. Ich hatte aber Hilfe durch Verena Themsen, Christian Montillon und Wim Vandemaan; es ist also sehr viel Teamarbeit mit dabei.
Eine der Ebenen beginnt mit den Folgen des Posizids; später habe ich dann mehr Freiheiten. Auf einer anderen Ebene hab ich Atlan und Gucky im Einsatz. Das macht so richtig Spaß.

Michael: Womit wir bei der Frage nach deinen Lieblingsfiguren bei PERRY RHODAN wären …

Leo Lukas: Atlan und Gucky. Ganz klar.

Michael: Und wie ist es bei eigenen Figuren, die du in die Handlung eingebracht und entwickelt hast?

Leo Lukas: Da habe ich das Duo Spectre und Filona Karonadse besonders gern. Eigentlich sind sie an Bord einer Space-Jet aus der Serie verschwunden, aber ich habe eine kleine Spur gelegt, so dass sie zurückkehren könnten.

Michael: Du hattest grad zu Beginn deiner Autorenkarriere bei PERRY RHODAN herrlich überzeichnete Figuren …

DSCN6514 Kopie (1)Leo Lukas: Das habe ich ein wenig eingeschränkt. Es gab Rückmeldungen von Lesern, die meinten, dass zu viele Wortspiele und Anspielungen auf die reale Welt sie aus dem Lesefluss rausreißen würden. Aber prinzipiell hat es bei der Serie durchaus Tradition, dass Realpersonen oder Realbegriffe verballhornt übernommen werden. Ich denke an T-Legiaw oder an unsere beiden Figuren Curi Fecen und Clun’tsn Ti’achl. (Anmerkung: Beides sind wienerische Ausdrücke für Tücher, die bei der Intimhygiene verwendet werden).

Michael: Du hast mir mal erzählt, dass du bei jedem einzelnen Roman, den du für PERRY RHODAN schreibst, einen besonderen Zugang suchst. Sei es ein bestimmter formaler Aufbau, seien es die Kapitelnamen, seien es die Namen deiner Helden. Ist das denn immer noch so?

Leo Lukas: Ja.

Michael: Was ist es denn bei Band 3059?

Leo Lukas: Ich habe den Roman so konstruiert, dass sich die Handlungsebenen aufeinander zu bewegen, und das in einem besonders großen Raumschiff, um es mal vorsichtig zu formulieren. Das wird dem aufmerksamen Leser nach etwa einem Drittel des Romans eh auffallen.
Darüber hinaus beschreibe ich den Vertreter eines besonderen Volkes aus der Ich-Perspektive, und zwar einen xxx (vom Fragesteller zensiert).

Michael: Nein, wirklich?! Das wollte ich bei meinem letzten Manuskript auch machen! Aber Klaus N. Frick war da eher dagegen.

Leo Lukas (lächelt): Nun, ich habe ihn halt nicht gefragt.

Michael: Jetzt frisst mich aber der Neid-Teufel … Aber reden wir zum Schluss des Interviews noch ein bissl über deine Arbeit im allgemeinen. Du hast während des letzten Jahres eine große Umstellung vorgenommen und schreibst jetzt wesentlich mehr untertags …

Leo Lukas: Richtig. Ich mache kaum noch etwas in der Nacht. Das Bohemienleben mit Alkohol und Nikotin hatte zwar seinen Reiz, aber es geht eben auch auf die Substanz. Also habe ich da etwas geändert.

Michael: Du bist im Jänner 61 Jahre alt geworden. Die meisten deiner Alterskollegen werden vermutlich schon in Pension/in der Rente sein. Hast du denn schon mal einen Gedanken an den Ruhestand verschwendet?

Leo Lukas: Aber geh! Ich bin seit den achtziger Jahren Kabarettist, da kam ohnedies kein vernünftiger Pensionsanspruch zusammen. Außerdem sehe ich meinen Ruhestand nicht an irgendein Datum gebunden. Ich mache schon ein bissl weniger als früher. Ich organisiere es so, dass sich finanziell alles ausgeht. Und ich werde bei PERRY RHODAN mit dabei bleiben, solange mich die Redaktion erduldet. Ich werde eine gewisse Mixtur beibehalten und auch in anderen Bereichen tätig bleiben. Wobei ich derzeit grad eine riesige Freude mit den Regiearbeiten im Kabarett-Bereich habe. Die letzten beiden, also die jeweiligen Soloprogramme von Clemens Maria Schreiner beziehungsweise Homajon Sefat, waren auch sehr schöne Erfolge.

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