Die Schreibcamps 2020: Frühjahr

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Aus gegebenem Anlass möchte ich in den nächsten Tagen ein wenig über meine Schreibcamps plaudern. Es sind ingesamt drei, die ich 2020 anbiete.
Ich beginne mit dem Frühjahrs-Schreibcamp, das vom 5. – 10 Mai läuft und bei dem ich Uschi Zietsch vulgo Susan Schwartz als Gastdozentin mit dabei habe.

Das Frühjahrs-Schreibcamp ist wohl am nächsten mit der ursprünglichen Idee verhaftet, die Frank Borsch und ich im Jahr 2010 hatten: Wir wollten in einer intensiven Arbeitswoche die Teilnehmer so nahe wie möglich an professionelle Arbeitsbedingungen als Autoren heranführen. Nachdem Frank wenige Jahre später einen anderen Lebensweg einschlug, beschloß ich, die Schreibcamps in Österreich alleine weiter zu führen, mit Unterstützung immer wieder wechselnder Kollegen. So konnte ich bislang die PERRY RHODAN-Autoren Leo Lukas und Marc A. Herren für meine Seminare gewinnen. Weiters den Fantasy- und SF-Autor Robert Corvus sowie den Thriller-Bestseller-Autor Andreas Gruber (der übrigens im Frühjahr 2021 zum vierten Mal bei mir zu Gast sein wird). Und im Frühjahr 2020 werde ich, wie gesagt, Uschi Zietsch nach Österreich bringen.

Das Camp mit Uschi steht unter dem Motto Figuren- und Weltenbau. Die Teilnehmer sind aufgerufen, eine dazu passende Leseprobe einzureichen, die ich in einem dicken Reader zusammenfasse. Gemeinsam sitzen wir zwei bis drei Tage an diesen Texten und arbeiten sie intensiv durch. Dabei wird viel Allgemeines besprochen. Dinge, die jedem Autor gewisse Probleme bereiten, sei er/sie nun ein erfahrener Fuchs oder ein Kollege/in, der/die noch nicht so erfahren ist.
Weiters sprechen wir über individuelle Probleme. Wir wollen ja, dass Autoren ihren eigenen Stil entwickeln bzw. beibehalten. Aber so etwas gehört sorgfältig gehegt und gepflegt und auch an die Lesegewohnheiten angepasst.

Nachdem die eingereichten Texte durchgearbeitet worden sind, also sozusagen die „Pflicht“ erledigt ist, kommen wir zur „Kür“. Da geht es oftmals um aktivierende Übungen. Um die Stärkung des Fantasiemuskels. Ich lasse mir gerne schwierige Textvorgaben einfallen, um meine Teilnehmer in die Ecke zu drängen und sie dazu zu bringen, sich so gut wie möglich wieder zu befreien. Dabei kommen immer wieder unglaublich gute Lösungen heraus. Solche, bei denen mir der Mund offen bleibt, weil ich sie in meinem Lebtag nicht gefunden hätte. Die Teilnehmer werden also gezwungen, sich wie einst McGyver mit einem schartigen Taschenmesser, einem Kaugummi und einer Reißzwecke gegen fliegende Haie mit laut brummenden Motorsägen in ihren unzähligen Tentakelarmen zu wehren – und es gelingt ihnen.

Dazu gibt’s bei den Frühjahrs-Seminaren immer ein bissl Theorie. Zwischendurch wiederhole ich gerne einige Regeln, deren Anwendung halt wichtig ist. Da geht’s um Wortwiederholungen, um Dialogisierung, um zu viele Adjektive, aber auch darum, bei Namen zum Beispiel solche mit einem „s“ oder einem „z“ am Ende zu vermeiden. (Aus einem völlig banalen Grund: Die Bildung des zweiten Falls ist dadurch erschwert, manchmal stört’s den Lesefluss. „Wolfgang Schwarz‘ Frau oder „Andreas‘ Hausaufgaben“ lassen den Leser ganz, ganz kurz stocken. Er muss nachdenken und wird aus dem Lesefluss gerissen. „Wolfgang Mickels Frau“ oder „Susannes Hausaufgaben“ nimmt mal als Leser deutlich leichter auf.)
Solche Dinge werden zwischendurch besprochen. Aber ich achte darauf, dass diese theoretischen Einschübe nicht allzu viel Zeit wegnehmen.

Als besonderes Phänomen erlebe ich immer wieder, dass die Zusammenarbeit mit meinen Gastdozenten widersprüchlich ist. Gerade bei den Themen „Vorbereitung, Planung, Exposé“ unterscheiden sich die Herangehensweisen enorm. Ich hatte aber auch schon intensive Diskussionen über die Verwendung der Vorvergangenheit, über die Dialogführung, über Actionszenen. Auch über banale Dinge wie den Strichpunkt oder den Gedankenstrich wird mitunter heftig „gestritten“.
Was ich sagen möchte, ist, dass die Schreibcamp-Teilnehmer bei manchen Themen oftmals unterschiedliche Meinungen zu hören bekommen. Da geht es nicht um grammatikalische „Richtigkeit“, sondern darum, wie erfahrene Autoren ihre eigenen Texte bestmöglich gestalten und mitunter auf irgendwelches Regelwerk pfeifen.
Sprache ist nichts Starres. Sprache ist bearbeitbares Material, das man individuell härten oder verbiegen kann.
Aber das geht nur innerhalb eines gewissen Rahmens oder gewisser Regeln. Ich kann aus einem Stück erhitzem Stahl eine Axt formen oder eine Pflugschar. Aber das Grundmaterial ist immer noch Stahl und nicht Wasser oder Luft. Also werde ich das Eisen mit einem Hammer bearbeiten und nicht mit einem Wattebausch oder einer Beschwörung. (Außer im Fantasy-Genre natürlich. Dort geht so gut wie alles, auch mit Wattebäuschen.)

Um beim Bild des Schmieds zu bleiben: Wir wollen den Teilnehmern bei den Schreibcamps das richtige Werkzeug für sein Werksstück geben und ihm zeigen, wie der Stahl bestmöglich bearbeitet wird. Und so wird es heuer auch beim übergeordneten Thema „Figuren- und Weltenbau“ sein.

Noch ein paar Worte zu Uschi Zietsch: Ich kenne sie seit Jahren als stets gut gelaunte Kollegin mit großem Herz, viel Erfahrung und noch mehr Kompetenz. Sie hat in Bayern und Österreich bereits erfolgreiche Schreibseminare veranstaltet, mein allererstes Seminar als Dozent habe ich an ihrer Seite erlebt. Die Teilnehmer können sich auf eine spannende Woche mit hohem Unterhaltungswert freuen – und sie werden mit viel neuem Wissen nach Hause gehen.

Beim Frühjahrs-Schreibcamp 2020 sind noch Plätze frei. Mehr Infos samt Anmeldeunterlagen finden sich hier: Anschreiben Schreibcamp Frühjahr 2020 Darüber hinaus stehe ich unter scrapid@gmx.at für weitere Fragen zur Verfügung.

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