Stadtschreiber gesucht – und gefunden

Was im Juni mit einem dreitägigen Schreibseminar begonnen hatte, fand gestern sein krönendes Ende. Eine Stadtschreiberin für das Mittelalterfest in Eggenburg wurde gekürt und vor Publikum ausgezeichnet. Tanja Bruske-Guth überzeugte beim Wettlesen in Eggenburg die Juroren durch eine außergewöhnliche Geschichte und einen gelungenen Auftritt am Rednerpult. Doch nochmals ganz von Anfang an …

Letzten Herbst hatte der kulturelle Verantwortliche für die Eggenburger Zeitreise ins Mittelalter, Georg Geml, Kontakt mit mir aufgenommen und mir den Vorschlag unterbreitet, im Rahmen des Festes einen Stadtschreiber küren zu lassen. Aus einem Kreis von Kandidaten, die im Frühjahr bei einem Schreibseminar geschult und auf das Wettlesen vorbereitet werden sollten. Wir legten die Eckpunkte für das Seminar fest und erarbeiteten einen Zeitplan, und damit war die Sache mal auf Schiene gebracht.

Für Georg und mich war es ein Experiment, bei dem viel schief gehen konnte. Was, wenn sich nicht genügend Teilnehmer fanden? Was, wenn sich Leute anmelden und bei der Lesung nicht auftauchen würden? Wie war das mit der Unterbringung, wie lange konnte und sollte das vorbereitende Seminar sein? Wie ließen sich die Unkosten in Grenzen halten?

Nun, das dreitägige Schreibseminar in Eggenburg war ein voller Erfolg. Klar hätte ich mir gerne zwei bis drei zusätzliche Teilnehmer gewünscht, aber ich war extrem glücklich mit den sechs Leuten, die sich im Juni 2018 im K-Haus in Eggenburg zusammenfanden. Wir hatten das Gebäude ganz für uns alleine, hatten herrliches Wetter und saßen die meiste Zeit im Freien, konnten schon mal den späteren Veranstaltungssaal austesten und bekamen all das zur Verfügung gestellt, was man für ein Schreibseminar braucht. Das Wichtigste aber war, daß die Chemie zwischen den Teilnehmern paßte. Und ich glaube, daß mich die „Schüler“ trotz meiner gnadenlosen Strenge auch ein bißl mögen haben.

Beim Seminar ging ordentlich was weiter. Schreibanfänger wie Fortgeschrittene haben meiner Meinung nach sehr viel Neues mitgenommen, um in den darauffolgenden Monaten immer wieder an ihren Texten zu arbeiten. Schließlich ging es darum, Leseproben zu erstellen, die für einen Vortrag von circa 25 Minuten reichten. Texte wurden via Mail herumgereicht, gegengelesen und via Whatsapp besprochen. Je näher das Mittelalterfest in Eggenburg kam, desto größer natürlich die Nervosität.

Selbstverständlich ging im Vorfeld bißl was schief und es mußte da und dort improvisiert werden. Aber im Nachhinein sind Ängste und Ärger rasch vergessen. Vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal, bei dem die gewonnenen Erfahrungen einfließen können und alles noch ein bißl besser gemacht wird.
Für mich war übrigens der Höhepunkt der Schmerzen erreicht, als klar wurde, daß ich die Veranstaltung am 9. September selbst moderieren mußte. Das ist etwas, das mir so richtig überhaupt nicht liegt, aber irgendwie hab ich’s ja doch geschafft, ohne daß die bereitliegenden fauligen Tomaten in meine Richtung geschleudert wurden.
Meine Bewunderung gilt uneingeschränkt den Teilnehmern, die phantastische Auftritte hingelegt haben. Texte, die auf dem Papier in einigen Passagen noch spröde wirkten, erwachten beim Vortrag plötzlich zum Leben. Ich war mit einem Mal mit dabei im Camp der Gaukler, gemeinsam mit einem Henker auf Wanderschaft, von einem Dämon besessen, in einem Kampf mit einem vierarmigen Monstrum verwickelt, auf der Suche nach dem geheimnisvollen „Neunfinger“ und mit einer Seeschlange beschäftigt, die mich unter Wasser ziehen wollte.

Ganz ehrlich – mir ist das Herz aufgegangen, als ich gesehen hab, mit welcher Begeisterung „meine“ Leute mitgemacht und wie seriös sie sich auf die Veranstaltung vorbereitet haben. Es waren tolle Geschichten, die zum Leben erweckt wurden. Und für mich war die Zusammenarbeit mit den Teilnehmern eine weitere tolle Erfahrung.

Die Siegerin des Wettbewerbs, Tanja Bruske-Guth, kann sich ein Jahr lang Eggenburger Stadtschreiberin nennen. Ihre Siegergeschichte Der Henker und die Hexe hat die dreiköpfige Jury durch sprachliche Präzision beeindruckt, war spannend und ungewöhnlich.
Tanja ist eine würdige Siegerin. Aber ich möcht auch die anderen Teilnehmer erwähnen, die ebenfalls Großartiges geleistet haben: Katharina V. Haderer, Jacqueline Mayerhofer, Anthony Cristea, Erich Weidinger und Norbert Stiasny – ihr wart toll!

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Da Jaqueline Mayerhofer verhindert war, sind kurzerhand vier ihrer Kollegen eingesprungen, um ihre Geschichte gemeinsam vorzutragen. Großartig!

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