Interview mit … Sascha Vennemann

Sascha Vennemann, Baujahr 1981, ist seit einiger Zeit Stammautor bei der Heftroman-Serie MADDRAX, ist aber auch journalistisch tätig, unter anderem für die Zeitschrift GEEK. Vor einigen Wochen erschien der erste Roman der von ihm entwickelten Serie „EON – Das letzte Zeitalter“. Anlaß genug für mich, ihn mal zu interviewen. 

Vennemann

F: Sascha, wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Andreas Suchanek bzw. seinem Verlag „Greenlight Press“ gekommen?

A: Andi und ich kennen uns von unserer gemeinsamen Arbeit an STERNENFAUST und MADDRAX. Bei einer der Autorenkonferenzen haben wir uns kennengelernt. Ich weiß nicht, wie es ihm mit mir geht – aber er war mir auf Anhieb sympathisch. 🙂 Als er dann nach dem Ende von STERNENFAUST im November 2012 seinen eigenen Verlag gründete und seine Serie HELIOSPHERE 2265 startete, war ich natürlich mit dabei und hab sie gelesen. Daraus entwickelte sich mein Engagement bei Greenlight Press, ich habe ab und zu das Lektorat der Serie mit übernommen usw. Ich kam ins Grübeln, ob ich es nicht auch wagen sollte, eine eigene Serie zu starten, mit der Infrastruktur im Rücken, die Greenlight Press mir bieten konnte. Andreas fand die Idee gut, und sobald ich mich hinsetzte, um das Konzept zu EON zu schreiben, floss es nur so aus mir heraus. Das war schon grandios, so was passiert einem Autor selten, das kennst du sicher auch.

F: Nun sind in der letzten Zeit einige andere SF-Serien an den Start gegangen. Dein Verlagskollege Suchanek hat mit HELIOSPHERE 2265 im November 2012 losgelegt, vor kurzem Claudia Kern mit „Homo Sapiens 404“, deren Romane nach einem ähnlichen Zeitmuster veröffentlicht werden (ein Roman alle zwei Wochen, nach sechs Bänden ist mal Pause). Wie möchtest Du Dich mit Deinen Romanen positionieren? Sprich: Wie möchtest Du die Leser davon überzeugen, EON zu kaufen?

 A: EON ist nur zum Teil SF – ein größerer Fokus liegt meiner Meinung nach auf dem Abenteuer- und Fantasy-Anteil. Die Welt von EON habe ich bewusst extrem variabel gestaltet, damit viele verschiedene Arten von Geschichten möglich sind. Die Idee des Genre-Mix habe ich mir natürlich bei MADDRAX abgeschaut. Während HELIOSPHERE reine SF ist und HOMO SAPIENS 404 auch Horrorelemente enthält, möchte ich mir gern alle Möglichkeiten offen halten. Schließlich fände ich es auch mal reizvoll, Abstecher in andere Genres zu machen. Mal sehen, was sich da ergibt, wobei es in der ersten Staffel doch eher Abenteuer-Geschichten sind, die ich erzählen möchte. Da glaube ich, dass sich alle drei Serien in Ausrichtung und Stil doch erheblich unterscheiden – und das ist toll, ganz besonders für den Leser und Fan phantastischer Geschichten!

F: Die Titelbildgestaltung obliegt Arndt Drechsler. Wie konntest Du ihn überzeugen, für Deine Serie zu arbeiten?

EON1

 A: Andi und ich kennen Arndt über STERNENFAUST und wir sind immer wieder fasziniert von seinen Arbeiten. Er ist ohne Zweifel einer der besten Illustratoren, die ich kenne. Und ich glaube, er mag uns auch gerne, denn er gestaltet schließlich nicht nur die Cover für EON, sondern auch für HELIOSPHERE. Für einen so kleinen Verlag wie Greenlight Press ist das eine besondere Ehre und keine Selbstverständlichkeit. Der kreative Prozess bei der Gestaltung ist geprägt von gegenseitigem Vertrauen. Arndt weiß, was ich mag, und ich kann mich darauf verlassen, dass er aus meinen Vorgaben das Maximum herausholt. Überhaupt bin ich auf die „Backstage“-Crew von EON ganz besonders stolz, von den Lektoren bis zur Künstlerin der Charakterportraits – Wenn ihr das hier lest: Ich schätze mich sehr glücklich mit euch! 🙂

F: Kommen wir zum Inhaltlichen. An Bord der EON, einem sogenannten „Digger“, leben vier Menschen auf engstem Raum miteinander. Reb Eon, sein Vater Bar Eon, die Xeno-Anthropologin Misa Constant und der Ingenieur Cul Varian. Siehst Du persönlich eine Hauptperson, eine Identifikationsfigur für den Leser, oder sind für Dich alle vier gleichberechtigt?

 A: Eine klassische Hauptfigur in dem Sinne gibt es tatsächlich im ersten Band noch nicht. Jede der Figuren an Bord hat einen eigenen Erzählstrang, der sich immer wieder mit dem der anderen kreuzen wird. Im Laufe der Serie werden wir diese vier Hauptfiguren immer im Blick behalten, wobei mal die eine und mal die andere im Mittelpunkt stehen wird. Ich mag Serien, die aus Ensembles bestehen, die zusammenarbeiten. Wenn ich allerdings eine Figur benennen müsste, die am Ehesten als Hauptcharakter durchgeht, wird das doch Reb Eon sein. Als Descender obliegt es ihm, die Abenteuer in anderen Dimensionen und Welten zu erleben, also sind wir an ihm besonders dicht dran. Auch und vor allem in der ersten Staffel.

 F: Im Laufe des ersten Romans baust Du das Konfliktpotential aus. Fast alle Mitglieder der kleinen Gruppe haben so ihre kleinen und mehr oder weniger schmutzigen Geheimnisse, nur Reb Eon ist noch „unbeleckt“. Hat auch er Probleme oder eine dunkle Seite?

A: Das wird sich noch zeigen! 🙂 Ich will nicht zu viel verraten, aber ja, auch mit ihm wird etwas geschehen, das ihn nachhaltig verändert. Spätestens ab Band 3 wird das deutlich werden.

 F: Die Bösewichte stehen auf Seiten der CMC, eines Riesenkonzerns, der die Gründe der kleinen und unabhängigen „Digger“ wie die Angehörigen der EON abgraben möchte. Schwingt da auch ein bißl Gegenwartskritik mit? Spielen die CMC-Leute durchgehend die Rolle der Antagonisten, oder gibt es da noch eine übergeordnete Instanz, einen „Ober-Bösewicht“?

 A: Ein bisschen Gesellschaftskritik schwingt da sicher mit. Monopole sind immer eine gefährliche Sache, und wenn sich eine Firma alles einverleibt, was sie bekommen kann, dann geht das meist zu Ungunsten der Variabilität von Waren und Dienstleistungen. Beispiele gibt es genug: Buchhandelsketten gegen unabhängige Läden und Antiquariate. Billigbäcker gegen Traditions- und Familienbetriebe. Fastfood-Ketten mit gleichbleibenden Angeboten in jeder Stadt auf dem Globus. Dabei schmeckt der Burger im lokalen Imbiss meist besser und ist günstiger. Natürlich macht es sowas leichter, überall gleiche Standards zu haben. Das ist auch der Vorteil der CMC – perfekte Infrastruktur gegen höhere Prozentsätze an Angaben. Grade für Neueinsteiger ist das eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln und in dem Gewerbe Fuß zu fassen. Die CMC ist nicht per se böse – sie ist nur auf Ertragsmaximierung aus und lässt das Menschliche außen vor. Auf der EON ist das anders. Natürlich haben auch dort einige Crew-Mitglieder gegeneinander Vorbehalte, aber es menschelt halt mehr. Arbeit sollte mehr sein als bloßes, stumpfes Geldverdienen. Das würde ich persönlich auf die Dauer wohl nicht durchhalten. Aber auch in der CMC gibt es Strömungen und Subjekte, die eine bestimmte, noch nicht näher ausgeführte Agenda verfolgen. Das wird ebenfalls eine zentrale Rolle in EON spielen.

F: Du läßt Rob Eon durch Tore in bizarre und exotische Welten vordringen. Rob sammelt dort Gegenstände ein, die in seiner Heimat an Artefakte-Sammler verkauft werden. (Ein bißl seh ich bei den Toren übrigens eine Ähnlichkeit zu denen der Fernsehserie „Stargate“). Wirst Du das Geheimnis der Tore auflösen oder läßt Du die Leser da im Ungewissen?

A: Zu den Toren gibt es kein „richtiges“ Geheimnis. Es hat sie immer schon gegeben, auf dem namenlosen Planeten bzw. in der Dimension oder Welt, die die Stammwelt der Eons ist. Sie sind natürliche Phänomene und entstehen und vergehen, auch wenn Teile von ihnen wie gebaut wirken. Dazu gibt es auch noch ein bisschen Background, der im Laufe der Serie offenbart werden wird. Spätestens zum Staffelende ist da etwas Licht ins Dunkel gekommen. Übrigens: Ich habe wirklich nie „Stargate“ in einer seiner Ausprägungen gesehen (Außer dem Film von Emmerich). Inspiriert haben mich eher Serien wie „Primeval“, „Earth 2“ oder „Terra Nova“ – und, auch das gebe ich zu, ein Teil des „Streiter“-Zyklus bei MADDRAX, bei dem die Helden durch Zeittore in Parallelwelten und andere Zeiten springen mussten.

F: Die Serie ist vorerst auf sechs Folgen ausgelegt, danach gibt es eine Pause. Wie weit hast Du persönlich vorausgeplant, wie weit reichen Deine Ideen?

 A: Die erste Staffel steht natürlich schon in ihrem Aufbau und ich habe reichlich Ideen für eine zweite, ebenfalls sechs Folgen umfassende Staffel. Eine Pause wird es da nicht zwangsläufig geben, aber es hängt natürlich davon ab, wie sich EON verkauft, ob ich es mir leisten kann, die Serie weiterzuführen.

 F: Wie sieht das mit der Zielsetzung bei den Absätzen ab? Hast Du da bestimmte Vorstellungen/Wünsche?

A: Erst einmal lasse ich mich überraschen. Die erste Staffel werde ich – unabhängig von den Verkaufszahlen – auf jeden Fall komplett schreiben. Letztendlich muss sich die investierte Arbeit in das Projekt am Ende zumindest ausreichend lohnen – schließlich ist Schreiben derzeit noch mein Hauptberuf. Rein zum Spaß kann ich EON leider nicht schreiben – dafür steckt zu viel Arbeit in der Serie.

 F: Du hast dem Roman ein längeres Nachwort angefügt und einige Zeichnungen von Deinen Hauptfiguren. Wird es für die kommenden Romane ähnliche „Gimmicks“ geben?

 A: Es gibt in den späteren Romanen weitere Figuren, die Anja Dreher im Portrait gestalten wird. Ein Nachwort möchte ich jedem Roman anfügen und auch mit den Zeichnungen wird es weitergehen. Diesen Bonus gibt es ja auch bei HELIOSPHERE 2265. Wie gesagt, ich habe da eine tolle Crew im Hintergrund. Sie sorgt dafür, dass EON aus meinem Kopf über meine Finger, toll gesetzt und illustriert, zu den Lesern auf die Reader und ins Taschenbuch kommt. Wenn die Story jetzt auch noch die Leser fesselt und sich entsprechend verkauft, gibt es keinen glücklicheren Autoren als mich. 🙂

Sascha, danke fürs Gespräch!

Die Serie „EON – das letzte Zeitalter“ ist als E-Book bei den üblichen Download-Portalen zu haben. Die Taschenbücher (mit jeweils dem Inhalt zweier E-Books) gibt es ausschließlich bei amazon.

Sascha freut sich übrigens über Besucher seiner Facebook-Seite: https://www.facebook.com/SaschaVennemann

Das Portrait-Photo ist Copyright Michael Schönenbröcher, das Cover zu EON 1 ist Copyright Arndt Drechsler bzw. Greenlight Press,

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2 thoughts on “Interview mit … Sascha Vennemann

  1. Hat dies auf Cpt. Starbucks rebloggt und kommentierte:
    Ich wurde interviewt! Wer ein wenig mehr über mein neues Machwerk „Eon – Das letzte Zeitalter“ erfahren möchte, hat jetzt die Chance dazu. Michael Marcus Thurner führt auf seinem Blog ein Gespräch mit mir zum Start der neuen Serie.

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