BAD EARTH

Das Jahr 2002: BAD EARTH stand so ziemlich am Anfang meiner Karriere als Schriftsteller. Ich hatte eben mal ein Manuskript abgegeben, einen ATLAN-Roman, und ging damit hausieren. Ich fragte bei Michael Schönenbröcher beim Buch-Con in Dreieich wegen einer Mitarbeit bei MADDRAX an, wurde von ihm jedoch ebenso vertröstet wie von einem Redakteur desselben Verlags (Bastei), dem ich ein JERRY COTTON-Exposé und eine Leseprobe per Mail auf den virtuellen Tisch legte.  Dies waren zwei Rückschläge, die mich damals ziemlich trafen; ich war in höheren Sphären geschwebt und glaubte, daß mich zum Kuckuck nochmal jedermann mit Kußhand nehmen müsse. War aber nicht so.

Nun – dies ist eine Erfahrung, die jeder angehender Autor mit- und durchmachen muß.  Nicht nur einmal, nebstbei gesagt.

Einige Zeit später erhielt ich ein Mail von einem gewissen Manfred Weinland. Er kenne mich nicht, habe aber von einem anderen österreichischen Autor nur das Beste über mich gehört. Er habe meine Leseproben durchgeblättert, die im Bastei-Verlag herumkugelten, und er halte mich für gut. Ob ich nicht Lust hätte, an einer Science Fiction-Heftserie mitzuwirken, die er eben entwickle?

Pardauz. Die nächsten Sekunden ging’s nun darum, den Herzschlag zu beruhigen und nicht gleich meinen Jubelschrei in die Welt hinauszubrüllen. Nachdem ich mich beruhigt hatte, schrieb ich an Manfred zurück, möglichst cool, daß ich eigentlich schon Interesse hätte. Und daß ich ihm für dieses Angebot gerne die Füße küssen würde, möglichst cool.

Tja, und so begann meine Mitarbeit bei BAD EARTH. Der österreichische Autor, der mich empfohlen hatte, war übrigens Andreas Findig, der wenig später durch seine – leider nur sehr wenigen – Beiträge zur PERRY RHODAN-Serie begeisterte. Solltest Du hier jemals reinschauen, Andreas: Dankedankedanke!

Ich war bei meinem ersten Beitrag zu BAD EARTH reichlich nervös, doch Manfred Weinland unterstützte mich wirklich vorbildhaft, machte mich mit den redaktionellen Abläufen bei Bastei bekannt, gab mir Tips, half mir bei der Überarbeitung. Ich hätte keinen besseren „Mentor“ finden können, ehrlich.

Völlig überraschend erhielt ich von Manfred den Auftrag, gleich den Nachfolgeroman, Band Nummer 4, zu schreiben. So weit ich mich erinnere, war ein anderer Autor ausgefallen und ich sollte kurzerhand einspringen. In all meiner Unerfahrenheit mußte ich nun auf Druck arbeiten, der Abgabetermin war recht knapp, und es wundert mich heute noch, daß ich dies trotz meiner Unsicherheiten und Nervosität gebacken bekam.

Ich war nun mehr oder weniger Stammautor bei BAD EARTH, eigentlich der Einzige vorerst. Die Autoren außer Manfred und mir kamen und gingen.  Science Fiction ist nicht leicht zu schreiben, und schon gar nicht, wenn sie in ein Serienkonzept gezwungen ist. Gestandene Autoren fanden sich in der Materie nicht zurecht. Dies änderte sich erst, als Uschi Zietsch vulgo Susan Schwartz zur Serie stieß, und nochmals einige Wochen später Alfred Bekker.

Die Bände 11, 14 und 19 schrieb ich mit großer Begeisterung, und wahrscheinlich waren sie meine besten Beiträge zur Serie. Manfred gab mir sehr, sehr viel Freiraum, um eigene Geschichten und Figuren zu entwickeln.  

23 und 24 spielten auf der Erde bzw. im Erd-Orbit, und ich kam auf die wahnwitzige Idee,  Walter Ernsting (Clark Darlton) in einem der Bände zu würdigen. Ich machte ihn zu einem meiner Hauptdarsteller, zeichnete seine Figur mit großer Liebe und war richtig begeistert von meiner eigenen Idee. Bald nach dem Erscheinen des Romans schickte ich ihn ihm mit einer Widmung (wir hatten damals losen Kontakt, ich himmelte den Altmeister der deutschsprachigen Science Fiction richtiggehend an).  Ich erhielt bald darauf einen Anruf von ihm, und seine Meinung zur Hommage war, in zwei Worten gefaßt, ein wenig begeistertes „Na ja …“ Pfau, war ich deprimiert!

Meine letzten beiden BAD EARTH-Romane schrieb ich mit weniger Enthusiasmus. Ich bemühte mich selbstverständlich und ich glaube, daß die Nummern  33 und 34 nicht schlecht geworden sind; aber ich arbeitete zu dieser Zeit bereits bei anderen Serien mit und war nicht mehr so richtig in der Materie „drin.“

Ein knappes halbes Jahr später cancelte Bastei die Serie mit Nummer 45. Viel zu früh, meiner Meinung nach. Denn von ihrem Ideenreichtum her war sie richtig gut. Um so glücklicher war ich, daß der Zaubermond-Verlag BAD EARTH übernahm und die Serie praktisch übergangslos in Buchform fortführte.

Manchmal, wenn ich wieder mal von einem neuen BAD EARTH-Buch lese oder höre, juckt’s mich in den Fingern und ich überlege, ob ich Manfred nicht anmailen und ihn bitten sollte, nochmals einen Band schreiben zu dürfen. Die Wege eines Autors sind sehr verschlungen, sie sind kaum vorhersehbar. Vielleicht führen sie mich ja tatsächlich einmal an den Anfang meiner schriftstellerischen Karriere zurück, wer weiß …

Alle Photos sind Copyright Verlag Bastei-Lübbe.

2 thoughts on “BAD EARTH

  1. Deine Bände zu Bad Earth habe ich gerne gelesen. Über Uschi Zietsch bekam ich damals Manfreds E-Mail-Adresse, da ich gerne für Bad Earth Innenillustrationen beigesteuert hätte. Aufgrund von Krankheit gelangte nur eine – schreckliche! – Entwurfsskizze in seine Hände. Auch da hatte er richtig entschieden, und sich nie wieder gemeldet 😉 Schön, dass bei dir besser gelaufen ist!

  2. Den Bericht finde ich ja erst jetzt. Bad Earth hat zu meinen absoluten Favoriten gehört. Die Serie hatte, wie auch MX, einfach den Vorteil, dass ich ab Band 1 mitlesen konnte. Das ist für einen Fan ja etwas tolles.
    Schön zu lesen, wie du zu der Serie gekommen bist. So einen Glückstreffer möchte wohl jeder mal landen. 🙂

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