Der Unfall

am

Heute, auf der Höhe Herford/Bielefeld auf der deutschen A2: Ich fahre zu einer Raststätte raus, um mich auf dem Handy schlau zu machen, welchen Weg ich nehmen muß, um mein Ziel in Bielefeld zu erreichen. Eine Sache von vielleicht zwei Minuten, die ich auf dem Motorrad sitzend und bei laufendem Motor verbringe. Dann geht‘s weiter, ich setze mich in Bewegung. Ich sehe, daß sich auf der dreispurigen Strecke ein Stau gebildet hat. und fahre mit mäßigem Tempo.. Dennoch verreißt es mir das Motorrad einigermaßen, als mir ein Hund von der Autobahn kommend entgegenläuft, hin zur Raststation. Ich verstehe nicht gleich, was das bedeuten kann, und fahre langsam weiter. Etwa 30 bis 40 Autos kriechen vor mir dahin.
Dann sehe ich es: abgestellte Fahrzeuge auf dem Parkstreifen, ein Pferdeanhänger auf der ganz linken Spur. Die Deichsel hat sich in die Mittelleitplanke gebohrt.
PKWs sind stehengeblieben, Leute in gelben Signaljacken ausgestiegen. Viele Menschen wollen helfen, einige laufen mehr oder weniger orientierungslos umher. Verletzte entdecke ich keine, auch kein Pferd.

Eine Frau redet auf einen jüngeren Mann ein, der neben seinem PKW auf der Parkspur sitzt und ganz offensichtlich unters Schock steht. Dieselbe Szene nochmals, ein Stück weiter vorne auf der Strecke. Es stehen geschätzte 15 Autos umher. Einige sind beschädigt, andere gehören Helfern.
Auf allen Fahrstreifen liegen Trümmer. Plastikteile, ein abgerissener Seitenspiegel, ein nicht zuordenbarer Metallträger. Ich überlege, was ich tun kann. Ob ich was tun kann. Und ich entscheide: nein. Es wirkt so, als wären bereits mehr Leute vor Ort als gut ist. Jeder Hinzukommende könnte das Durcheinander weiter vergrößern. Eine Einschätzung, mit der ich leben muß und die womöglich völlig falsch ist. Vielleicht habe ich mich auch schuldig gemacht, weil ich nicht zu helfen versucht habe – ich weiß es nicht.
Wie andere Autofahrer umrunde ich die Trümmer und fahre weiter. Nach wenigen hundert Metern werde ich von Fahrzeugen überholt, die an mir mit meinen 100 km/h nur so vorbeizischen.

Es ist nicht das erste Mal, daß ich Unfälle oder kritische Situationen miterlebt habe. Ich weiß, daß es mir hilft, nicht lange darüber nachzudenken und weiterzumachen, weiterzufahren. Das tue ich auch. Bis ich mein Ziel erreiche, das Motorrad abstelle und in einem Hotel einchecke. Dann kommen die Erinnerungen an das Geschehene zurück, ich lasse alles Revue passieren.

Ich denke mir: Was wäre gewesen, wenn ich nicht für zwei Minuten auf die Raststätte rausgefahren wäre? Ich mit dem Motorrad, quasi nur durch die Lederkluft geschützt?

Hier ist ein kurzer Online-Unfallbericht. Ich bin übrigens NICHT einer der beiden Motorradfahrer, die im Text erwähnt werden, weil sie die Rettungsstraße zum Vorfahren genutzt haben.

https://www.nw.de/lokal/kreis_herford/herford/22852159_Tier-verletzt-Stau-nach-Unfall-mit-Pferdeanhaenger-auf-A2-bei-Herford.html

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bei der Überschrift bin ich erst erschrocken und dachte, es hätte dich zerlegt. Puh.

  2. AnonEntity sagt:

    Zum Glück ist das Pferd relativ glimpflich davongekommen. Sowas beschäftigt einen schon. Weiterfahren war richtig, auch wenn man sich dagegen sträubt. Es ist wohl besser als mit dem Handy zu filmen oder so einen Gaffer das Handy zu zerdeppern und auch noch einen Streit vom Zaun zu brechen. Ich sag es einfach mal an dieser Stelle, in der Pandemie mit dem Motorrad rumgurken wäre nicht mein Ding. Viel Glück weiterhin und sichere Fahrt!

  3. Christoph sagt:

    Ich kenne solche Situationen nur zu gut und auch die Frage, die du dir gestellt hast. Als Berufspendler zwischen Freiburg und Weil am Rhein, über die Autobahn, bin ich schon an so mancher Unfallstelle vorbei gekommen. Und bei vielen habe ich mich -wie auch du heute- gefragt, was wenn ich nicht Pause gemacht oder pünktlich Feierabend gemacht hätte.

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