Uschi Zietsch und die Elfenzeit

Am 10. Juli erscheint im Fabylon Verlag der erste Roman der zehnteiligen „Elfenzeit“-Gesamtausgabe. Elfenzeit ist eine Fantasy-Serie, die von der PERRY RHODAN-Autorin Susan Schwartz (Uschi Zietsch) konzeptioniert und entwickelt wurde. Anlass genug für mich, mit Uschi ein ausführliches Interview zu führen …

F: Uschi, am 10. Juli erscheint bei dir im Fabylon Verlag der erste Band der Serie „Elfenzeit“. ich werde dich gleich mal in deinem Job als Verlegerin testen: Sei doch so lieb und fasse die Ausgangslage für die Helden der Geschichte in Buch 1 („Herbstfall“) in drei Sätzen zusammen. Liefer mir also bitte einen „Pitch“, wie man in der Buchbranche so sagt …

Uschi: Die Anderswelt der Unsterblichen und die Menschenwelt sind normalerweise voneinander getrennt. Doch dann bricht die Zeit über die Anderswelt herein und mit ihr die Sterblichkeit, die Grenzen zwischen den Welten fangen an, sich aufzulösen. Um dies aufzuhalten, werden Gesandte in die Menschenwelt geschickt – doch es gibt Gegner und Feinde, die mehr als nur die Unsterblichkeit wollen: die Gesamtherrschaft über alle Welten …

F: Ich habe auf deiner Homepage nachgelesen, daß die Grundidee zu „Elfenzeit“ im Zusammenspiel mit PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick entstand. Binnen dreier Wochen hattest du im Frühjahr 2007 anhand gemeinsam erarbeiteter Stichpunkte das Serienexposé, Charakterblätter, Schauplätze, Leseprobe etc. entwickelt. Für mich ist das angesichts der Größe des Projekts kaum fassbar.
Hast du noch Erinnerungen daran, wie du das geschafft hast? Hattest du Unterstützung, hat Dein Mann Gerald Inspirationen geliefert?

Uschi: Ja, das war wirklich unglaublich damals. Aber irgendwie war der unerwartete Anruf von Klaus Frick eine Initialzündung, der eine Kettenreaktion auslöste. Er nannte mir den Serientitel und die Grundvoraussetzung – und in dem Moment sprudelten schon die Ideen in meinem Kopf über. Ich sah sofort alles vor mir und konnte gar nicht so schnell schreiben, wie die Ideen rauswollten. Tatsächlich hatte in mir schon lange der Wunsch geschlummert, eine tolle Urban-Fantasy-Serie zu machen, mit einer Weltreise zu bekannten historischen Stätten, mit der Einbindung von bekannten Sagenfiguren, Helden, Mythen … Da ich schon seit meiner Kindheit die Sagen und Legenden der Welt sammelte und reichhaltige Fachliteratur in den Bücherregalen stehen hatte, fand rasch eines zum anderen. Da kamen 16-Stunden-Tage zusammen, um aus der Vielfalt der Ideen ein Konstrukt zu machen, das den roten Faden und den Seriencharakter mit den Einzelabenteuern beinhaltete. Für das erste Konzept zur Vorstellung brauchte es den groben Handlungsrahmen – schließlich hatte ich nicht weniger als 20 Bände vor, was sowohl Klaus Frick als auch Bertelsmann erst mal zum Schlucken brachte -, den Inhalt des ersten Bandes, das Konzept für die drei folgenden Bände, und die Protagonisten und Antagonisten. Und dazu noch die Leseprobe – ich war wie im Rausch und konnte gar nicht mehr aufhören. Das war vermutlich eine der intensivsten kreativen Phasen meines Lebens, weil auch die Zeit so sehr drängte. Es war eine einmalige Chance, alles hing davon ab, denn wenn der Testlauf mit den ersten vier Romanen positiv verlief, so war ich überzeugt, die gesamte Geschichte bis Band 20 erzählen zu können. Diesen Raum brauchte sie nun einmal. Und was soll ich sagen: Der Testlauf war der beste, den Bertelsmann je bei so einem Projekt hatte …

F: Du verwendest ein sehr spannendes und interessantes Figurenensemble in der „Elfenzeit“. Auf Seiten der Menschen sticht sicherlich Nadja Oreso hervor, auf der „dunklen“ Seite ist es für mich Bandorchu. Aber auch viele Nebencharaktere sind liebevoll und, vor allem, passend zur Geschichte konzipiert.
Hattest du von Anfang an Lieblingsfiguren? Gab es solche, die sich beim Schreiben in den Vordergrund geschoben und andere Anta- bzw. Protagonisten verdrängt haben?

Uschi: Nadja ist insofern eine Lieblingsfigur, als ich all die Abenteuer durch ihre Augen erleben kann. Sie ist selbstbewusst, optimistisch, kämpferisch, feinfühlig, ein wenig chaotisch und geht leichtfüßig durch die Welt – warum, klärt sich dann noch. Wir haben ein großes Figurenensemble, aber Nadja ist immer die lichte Zentralfigur – und der Getreue, ihr unheimlicher Gegenspieler, die dunkle Zentralfigur. Mit den beiden steht und fällt alles.
Bandorchu ist absolut faszinierend, jemand, den man nie erreichen kann, majestätisch und vernichtend zugleich, eine überragende Gestalt, die im Anklang an Galadriel, hätte sie den Einen Ring genommen, „schön und entsetzlich“ ist, „alle lieben sie und verzweifeln“.

Den ewigen Zweifler Robert mag ich auch sehr, der wiederum einen Kontrapart in Anne Lanschie hat. Die vier Elfen muss man auftrund ihrer Unschuld lieben.
Und dann gibt es da noch Tom, den Journalisten, der für einen einzigen Auftritt in Roman 4 geplant war und nicht mal in der „Serienbibel“ aufkreuzte, geschweige denn im Exposé. Ich brauchte mal eben jemanden, der Nadja in einer einzigen Szene unterstützen musste, und schwupps war er da, und schwupps ging er einfach nicht mehr weg. Er klingelte an Nadjas Tür, und egal was ich versucht habe, ihn loszuwerden, er kehrte immer wieder. Also hatte er im Verlauf der Geschichte noch eine bestimmte Funktion zu erfüllen, und das war sehr spannend, bis es dazu kam. Er ist so eine stille, eigentlich unbedeutende Nebenfigur, die jedoch Frohsinn in die dunkelsten Stunden bringt, deswegen hatte er sich auch in mein Herz geschlichen.

Ein ganz anderer, den ich nicht mehr losgeworden bin, war Darby O’Gill/Alebin, der ebenfalls nur einen Auftritt in Roman 2 haben sollte, der aber seine Finger nicht mehr von Nadja lassen wollte. Es hat lang gedauert, bis wir ihn endlich zur Strecke bringen konnten; er ist nicht nur die mörderischste, sondern zugleich auch schillerndste Figur, wie ich finde.

F: Die Bücher sind im Print ursprünglich beim Bertelsmann-Buchclub erschienen und waren ohne Clubmitgliedschaft gar nicht so leicht zu bekommen. Durch deine Neuausgabe korrigierst du nun diesen „Fehler“. Mich würde  interessieren, inwieweit du bei der Neuausgabe in die Texte eingegriffen hast und wie nahe du an der ursprünglichen Ausgabe drangeblieben bist.

Uschi: Ich habe ein wenig modernisiert, damals gab es ja gerade erst sehr frisch Smartphones und beispielsweise noch gar kein WhatsApp, all diese Dinge eben. Die Serie war und ist zwar zu keiner festen Zeit angesiedelt – also in jedem Fall Prä-Corona -, aber soll doch nicht zu veraltet daherkommen. Das erforderte aber nur wenige Eingriffe. Ansonsten habe ich auf damalige Lesermeinungen reagiert und behutsam ein paar zu finstere Szenen entschärft, vor allem aber einige wenige Ungereimtheiten geglättet, die uns trotz der genauen Durchsicht von nicht weniger als 5 Personen nach Abgabe des jeweiligen Autors entgangen waren. Nur Kleinigkeiten, die kaum jemandem oder gar nicht auffielen, aber dadurch wird es stimmiger. Mit Fortgang der Serie ab Band 5 werden die Eingriffe ohnehin immer weniger, weil das Autorenteam eingespielt war und sich eingefühlt hatte, in welche Richtung wir eigentlich wollten.

Neu sind allerdings die Ergänzungen. Wir haben auch für diese Ausgabe freundlicherweise die Karte zur Verfügung gestellt bekommen, dazu gibt es in Band 1 einen Überblick, ab Band 2 „Was bisher geschah“ und ebenso fortlaufend ab Band 1 die „Dramatis personae“, außerdem finden sich Anhänge, die mehr über die Elfen, die Anderswelten und weitere Hintergründe erzählen. Und natürlich gibt es einen Ausblick auf den jeweils folgenden Band.

F: Ein Band der Serie wird zur Gänze neu geschrieben. Jana Paradigi wird jenes Buch, das ursprünglich „Merlins Erwachen“ hieß, neu verfassen. Wie groß werden in diesem Teilband die inhaltlichen Veränderungen im Vergleich zum Ersttext sein?

Uschi: Es handelt sich dabei um den 11. Roman. Im Vergleich zum Ersttext gibt es keine Übereinstimmung. Die Haupthandlung in der Vergangenheit ist komplett neu. Es ist lediglich die Bedingung der Sonnenfinsternis geblieben und der Schauplatz Brocéliande, aber die Geschichte ist in einem späteren Jahrhundert angesiedelt und erzählt eine neue Handlung mit neuen Figuren. Und wie nun Merlin in die Handlung kommt, ist zwar wie ursprünglich im Exposé grob umrissen, aber auch neu angelegt worden.

F: Wo verortest du selbst die „Elfenzeit“-Serie? Sie ist manchmal Urban Fantasy, manchmal Romantasy, manchmal Dark Fantasy. Ich selbst mag diese Kategorisierungen gar nicht so sehr, aber für den Fachbuchhandel sind sie halt wichtig.

Uschi: Das ist für mich ganz klar Urban Fantasy, zwar manchmal durch ein gelegentliches Setting in der Anderswelt mit anderen Elementen verknüpft, aber immer unter dem Aspekt der Hauptkategorie.

F: So umfangreich die „Elfenzeit“-Serie auch sein mag, ich hatte das Gefühl, dass noch längst nicht alles auserzählt sei. Grad bei den Nebenfiguren meine ich, dass sie durchaus noch den einen oder anderen zusätzlichen Band verdient hätten. Was meinst du dazu?

Uschi: Dem stimme ich vollkommen zu. Es ist einiges nur angerissen oder umrissen worden. Da sind wir wieder bei Tom, aber auch bei den vielen anderen Nebenfiguren, seien es nun Elfen oder Menschen oder auch Götter. Es wäre noch viel Raum für eigene, sehr spannende Geschichten rund um die Welt. Aber dafür bräuchten wir einen entsprechenden Erfolg der Hauptserie.

F: Derzeit planst du, die insgesamt zehn Bücher im Monatsrhythmus zu veröffentlichen, als E-Book und als Printausgabe. Wird es auch eine Hörbuchausgabe geben?

Uschi: Ja, die ersten vier Romane wurden ja damals bereits vertont und werden ebenso als Sammelausgabe wie die Print und eBooks am 10.7. und am 10.8. als Ausgabe 1 und 2 erscheinen. Die weiteren Bücher möchten wir natürlich auch gern vertonen, aber das kann leider nicht passend zu den anderen Erscheinungsterminen erfolgen. Da hätten wir vor über einem Jahr anfangen müssen, und da war noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. Immerhin hat sich die Sprecherin der ersten vier Bände, Katharina Brenner,  bereit erklärt, auch die weiteren Ausgaben zu lesen. Was natürlich toll ist, wenn wir durchgehend eine Sprecherin haben. Doch wir müssen die Termine erst noch abstimmen und natürlich die finanzielle Seite. Vielleicht können wir Anfang 2021 weitermachen! Ich hoffe es.

F: Die „Elfenzeit“ hatte einen Serien-Nachfolger, und zwar den „Schattenlord“. Ist auch da eine Neuauflage angedacht?

Uschi: Ja, „Schattenlord“ wird nahtlos an die Elfenzeit anschließen, einen Monat später, ebenfalls im monatlichen Rhythmus, mit insgesamt 8 Bänden. Der letzte Band beinhaltet dann nur noch einen Roman, da es 15 Teile sind.

F: Du bist seit mittlerweile 33 Jahren Verlegerin. Wie sieht’s denn abseits von „Elfenzeit“ mit Deinen Plänen aus? Was darf man sich von den Autorinnen Uschi Zietsch und Susan Schwartz in den nächsten Monaten und Jahren erwarten?

Uschi: Als Susan Schwartz bin ich ja weiterhin eifrig bei PERRY RHODAN mit dabei, und als Uschi Zietsch werde ich in 2021, wenn ich mit den beiden großen Serien durch bin, auch wieder eigene Projekte schreiben und veröffentlichen. Der dritte Albalon-Band steht aus, außerdem soll es mit dem Träumenden Universum weitergehen – nach dem Abschluss der Chroniken von Waldsee werde ich mit der „Hauptgeschichte“ beginnen. Außerdem möchte ich bis 2022 einen bayerischen Krimi beenden, der schon lange darauf wartet, und einen eher humorvollen Münchner Krimi, in dem auch ein Mops eine Rolle spielt. Eine weitere Idee für einen humorigen Münchner Krimi habe ich auch schon. ich werde also weiterhin gut beschäftigt sein! Und als Verlegerin werde ich Ende 2020/Anfang 2021 einen historischen Roman zu dem Thema Werwolf (oder nicht?) von Erik Hauser bringen und in 2021 die große Vampirsaga „Cold Blood“ von Tanya Carpenter. Genug Arbeit!

F: Uschi, zum Abschluss eine persönliche Frage: Hat dich eigentlich jemals jemand „Ursula“ genannt? Ich kann mir das gar nicht so recht vorstellen …

Uschi: Das kann sich niemand vorstellen, denn ich wurde mit einer Ausnahme nie so genannt. Ich sollte, so wollte es mein Vater, Uschi heißen, aber damals waren die Standesämter noch sehr zickig, und der Standesbeamte weigerte sich rundheraus, „Uschi“ einzutragen, weil das sei doch kein Name. So wurde also Ursula Susanne aus mir (jaaaaaa daher rührt das „Susan“ bei der Schwartz). Es gab einen einzigen Menschen auf der Welt, der mich jemals so nennen durfte, von meiner Kindheit an bis zu ihrem Tod (nicht aus der Familie). Ach ja, dann war da noch einer, ein ungarischer Zöllner 1979 an der damals noch eisernen Grenze zurück in den Westen. Hach, diese wohlklingende Stimme mit dem weich ausgesprochenen Namen habe ich jetzt noch im Ohr … („Nix da“, sagte Gerald, „wir fahren nicht mehr zurück!“)

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