Die Sache mit der Länge

Nein, das ist trotz dieses Titels kein pornographischer Text, mit diesem Thema kenne ich mich nicht aus. Es geht um … Textlänge.

Kürzlich habe ich ein Heftroman-Manuskript beendet und mal wieder meine liebe Not damit gehabt. Es ging nicht um Probleme mit der Handlung, das Exposé war sehr schön und rund. Es ging vielmehr um die Länge des Manuskripts.

Ich werde immer wieder darauf angesprochen, wie man  einen Heftroman auf die richtige Zeichenanzahl hintrimmen kann. Das erscheint einem Außenstehenden als genrespezifisches Problem. Ist es aber gar nicht. Es geht ja bloß darum, den Handlungsverlauf im voraus richtig einzuteilen. Die Vorgeschichte darf nicht länger als xxx Anschläge haben, dann bauen wir einen ersten Höhepunkt ein, der nach etwa xxx Anschlägen kommen sollte. Anschließend erfolgt eine ruhigere Phase, der eigentliche Handlungsbogen wird aufgebaut, dafür habe ich xxx Anschläge zur Verfügung. Und so geht es weiter, bis der Bösewicht besiegt ist und die Helden zufrieden in den Sonnenuntergang reiten.

Und jetzt kommt das große ABER.
Viele Autoren gliedern von vornherein eine Geschichte wie oben beschrieben. Sie schätzen ab, wie viel Platz sie für welche Szene verwenden möchten und zerteilen das Manuskript. Mir gelingt das nur in den seltensten Fällen. Mir fehlt die Disziplin, mich an meine eigenen Vorgaben zu halten.
Der übliche Ablauf bei meinen Texten ist stattdessen folgender: Ich arbeite das Exposé durch, überlege mir, was mir persönlich wichtig ist und wo ich Schwerpunkte setzen möchte (meist geht es dabei um Figurencharakterisierung) –  und fange mal mit der Schreibarbeit an. Für die erste Seite des Expos geht schon mal ein Drittel des verfügbaren Platzes drauf. Nachdem ich das zweite Drittel gefüllt habe und immer noch zehn Seiten Expo übrig sind, gerate ich in leichte Panik und renne mit dem Kopf voran gegen die nächstgelegene Mauer, um wieder klar zu werden. Das hilft nichts, also verlege ich mich aufs Jammern und verfluche mich selbst. Letztlich bleibt nur die Resignation über. Ich schreibe das Manuskript fertig. Es ist trotz aller Bemühungen, mich knapp zu halten, um zehn bis 15 Prozent zu lange.

Und damit komme ich zu einem ganz wichtigen Punkt, den mich das Heftromanschreiben gelehrt hat: Das Kürzen eines Textes ist das Um und Auf der Nacharbeit. Da kann man noch so verliebt in eine fein ziselierte Formulierung sein, in einen wundervoll inszenierten Handlungsablauf, in einen kunstvoll gedrechselten Absatz voll unglaublich schönen Beschreibungen, die mein Herz vor Freude schneller schlagen lassen: Wenn es der Handlung nicht dient, fliegt es raus. Da bin ich unbarmherzig mit mir selbst.
Mag sein, dass ein Teil von mir verzweifelt ist, weil ich einen Teil des Romans in den Lokus spülen muss. Aber hier geht es nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern darum, einen Text zurechtzudengeln und passend zu machen. Und ich behaupte, dass diese Kürzungen meinen Texten immer wieder gut tun. Der Blick wird aufs Wesentliche gelenkt, unnützes Beiwerk abgeschmirgelt.
Ich habe dieses Wissen, diese Erfahrungen oftmals bei längeren (Buch)Manuskripten anwenden können.  Natürlich wird man auch bei der Arbeit an Kurzgeschichten zur Längen-Disziplin gezwungen. Aber es sind vor allem Heftroman-Texte, die mich das Handwerk gelehrt haben.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wäre es nicht möglich, so einen „Directors Cut“ zusätzlich als Ebook herauszubringen? Der Kostenfaktor wäre minimal (wenn man auf ein zusätzliches Lektorat verzichtet) und ich kann mir vorstellen, das es durchaus interessierte Leser gäbe. Baen gibt zum Beispiel ARC’s (Advanced Readers Copies) für Leser heraus, die das fertige Buch gar nicht erwarten können.

    1. mmthurner sagt:

      Ich habe mir vorgenommen, in diesem speziellen Fall die wichtigsten Kürzungen nach Veröffentlichung des Romans hier online zu stellen. Also die Kürzungen alleine, damit die Leser sehen können, welcher Art sie sind.

  2. Interessanter Gedanke, es wäre vielleicht eine Idee das in der PR (oder ähnlicher) Gruppe auf FB zu posten, da hier nur Personen mit einem eigenen WordPress Account kommentieren können.

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