Interview mit Madeleine Puljic, Teil 1

Madeleines BücherMadeleine ist mir in den letzten Jahren zur lieben Freundin geworden. Sie war 2014 erstmals als Teilnehmerin bei einem meiner Schreibcamps. Seitdem hat sie sich als Autorin kontinuierlich weiterentwickelt und hat längst im Literaturbetrieb Fuß gefasst.

Im März kommen gleich zwei neue Bücher von ihr auf den Markt. Grund genug, ihr einige Fragen zu stellen. Aufgrund der Länge des Interviews habe ich es gesplittet, der zweite Teil geht morgen online.

Viel Spaß beim Lesen!

F: Madeleine, die letzten Jahre waren äußerst turbulent für Dich. Laß uns zu Beginn des Gesprächs auf den Gewinn des ersten Deutschen Selfpublishing-Preis (2017) zurückkommen. Was hat er, rückwirkend betrachtet, für Deine Karriere bedeutet?

A: Ich betrachte den DSPP tatsächlich als Wendepunkt. Davor gab es für mich zwei Möglichkeiten: Ich konnte Auftragsarbeiten schreiben und in etwa davon leben, aber dann blieb mir keine Zeit, um meine eigenen Romane zu verfolgen. Oder ich konnte wieder einen Brotjob annehmen und meine Romane in der Freizeit schreiben. Das Preisgeld und vor allem die Aufmerksamkeit, die der Preis geschaffen hat, gaben mir die Möglichkeit, es mit meinen eigenen Projekten zu versuchen. Mit Verlagsvorschüssen und Heftromanen lässt es sich sehr viel einfacher kalkulieren als mit Selfpublishing-Titeln, wenn man sich noch keine massive Leserschaft aufgebaut hat.

F: Auch privat hat sich viel bei Dir getan. Du bist 2018 Mutter geworden. Du bist von Wien nach Hamburg umgezogen, auch Dein Lebensgefährte ist als hauptberuflicher Autor im gemeinsamen Haushalt tätig. Wie kann man sich den Tagesablauf in einem Autorenhaushalt denn vorstellen? Gibt es denn so etwas wie Routine, oder ist alles ein großes Durcheinander?

A: Mit einem kleinen Kind gibt es doch immer ein Durcheinander, das ist bei uns nicht anders. Im Normalfall haben wir uns den Tag soweit eingeteilt, dass jeder Zeit zum Schreiben und Zeit zum Kindbetüddeln hat. Das bedeutet aber auch, dass oft sehr viel auf der Strecke bleibt, nicht nur der Schlaf, denn im Endeffekt ist es der Versuch, zwei Vollzeitjobs in einen halben Tag zu stopfen, und da knirscht es gerne mal gewaltig. Es gibt durchaus die Phasen, wo sich die Projekte häufen, weil etwas nicht so klappt, wie man möchte; das Kind schläft schlecht, die Kreativität streicht die Segel … Dann arbeiten wir nach dem Prinzip: Der mit der dringendsten Deadline darf schreiben. Das trägt zwar nicht sehr zur allgemeinen Entspannung bei, aber zum Überbrücken klappt es.

51+KfWciTDL._SY346_F: Du hast es trotz Mehrfachbelastung geschafft, an Deinen Manuskripten zu arbeiten. Dein Siegesbuch beim Deutschen Selfpublishing-Preis, „Noras Welten – Durch den Nimbus“, wurde 2019 nochmals bei Piper verlegt. Am 2. März 2020 erscheint nun die Fortsetzung mit dem Titel „Noras Welten – Weltenbruch“.

Zur Erklärung der Grundidee Deiner Buchreihe: Die Titelheldin Nora kann sich in Bücher „hineinlesen“, nicht immer zu ihrer Freude. Wo schickst Du sie denn im zweiten Band hin?

A: Es gibt natürlich ein Wiedersehen mit Eldinor, so viel wird ja bereits im ersten Band verraten. Aber das ist nicht die einzige Buchwelt, die wir besuchen. Jetzt, da Nora gelernt hat, ihre Gabe zu beherrschen, macht sie davon auch ausgiebig Gebrauch.

In einem deiner Schreibcamps hat mir Andreas Gruber geraten, mir coole Spielorte zu überlegen und nach diesen die Abenteuer zu richten. Das klang sehr einfach, gerade weil ich die Geschichten, in die Nora springt, ja wirklich beliebig ansiedeln kann. Es ist meine Entscheidung, ob sie in eine Romanze oder einen Krimi springt, ins viktorianische London oder auf eine Mondstation.

Was ich allerdings nicht bedacht habe: Es sind eben nicht bloß Schauplätze, sondern Bücher, die sie besucht. Und jede dieser Geschichten beinhaltet nicht nur Noras Abenteuer dort, sondern auch eine eigene Story. Dazu kamen noch teilweise die Veränderungen, die Noras Anwesenheit dort verursacht, und dann noch eine Ebene mehr, von der ich noch nicht zu viel verraten möchte. Das Ergebnis war, dass ich mir für „Weltenbruch“ nicht nur eine Geschichte einfallen lassen musste, sondern noch ungefähr zehn weitere, die mehr oder weniger umfangreich ausfallen. Wer mich also während meiner Schreibphase über dieses Konzept hat fluchen hören, der weiß jetzt, warum.

F: Nora ist eine komplexe Figur, die in der ersten Geschichte sehr mit sich selbst haderte und mit ihrer Begabung noch nicht sonderlich gut zurecht kam. Hat sie sich im zweiten Buch verändert, weiter entwickelt? Werden wir sie selbstbewusster als zuvor sehen?

A: Sie ist in vieler Hinsicht selbstbewusster geworden, aber ich würde sagen, das Hadern liegt ihr einfach im Blut. Mit dem Lesen hat sie einen Aspekt ihres Lebens zurückgewonnen, der ihr lange Zeit gefehlt hat. Sie hat in Band 1 aber auch einige spontane Entscheidungen getroffen, deren volle Tragweite sie jetzt erst so richtig begreift. Ich habe ihr also genug neuen Stoff zum Hadern gegeben. Unter anderem hatte sie schließlich großspurig beschlossen, ihr gesamtes Leben einfach aufzugeben und in einer anderen Welt glücklich werden zu wollen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich das leichter entscheiden als völlig akzeptieren lässt.

51BVPWzVdzL._SY346_F: Meines Wissens handelt es sich bei „Noras Welten“ um eine Trilogie. Wann soll denn der dritte Teil erscheinen?

A: Wenn es nach mir geht im Frühjahr 2021. Mal sehen, was der Verlag dazu sagt. Aktuell gibt es noch keinen genauen Termin.

F: Wirst Du Figuren, die Du im ersten Band aufgebaut hast, bei „Weltenbruch“ weiter verwenden? Ich denke da im Speziellen an einen gewissen Kleindrachen …

A: Aber ja! Noras Bücherwelten wären ohne Rashuk definitiv um einiges langweiliger. Der kleine große Drache ist also wieder mit Feuereifer dabei und unterstützt unsere Helden, wo er kann. Nur hat er manchmal eine etwas eigene Auffassung, wie diese Hilfe auszusehen hat. Es gibt auch andere, vielleicht eher unerwartete Wiederbegegnungen, mit denen ich die Leser hoffentlich ein wenig überraschen kann.

 

Homepage Madeleine Puljic

„Noras Welten – Weltenbruch“ (Verlagsseite)

„Zweite Heimat – Die Reise der Celeste“ (Verlagsseite)

Bücher von Madeleine, die bei Greenlight Press veröffentlicht werden

Wer Madeleine bei der Arbeit an ihren eigenen Projekten unterstützen möchte:
Madeleine bei Patreon

 

 

© der Bilder liegt beim Piper Verlag bzw. bei Madeleine Puljic.

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