Warum Facebook für mich Scheiße ist

In aller Kürze:

Ich habe mich vor nunmehr zwei Wochen von Facebook verabschiedet. Sprich: Das Konto ist desaktiviert. Vermutlich werde ich nochmals für ein, zwei Wochen zurückkehren und ein paar „Aufräumarbeiten“ erledigen. Aber der eigentliche Abschied ist besiegelt.

Es gibt schwerwiegende private Gründe, die mich zu diesem Schritt bewogen haben. Aber auch solche, über die ich ein paar Worte sagen möchte:

  • Für mich ist FB (neben Google) die Mutter aller Datenkraken.
  • FB erzeugt bei mir ein Suchtverhalten. Darauf basiert ja das ganze System: Du fühlst Dich besser, wenn Du besonders viele Likes bekommst.
  • FB erzeugt Illusionen. FB gibt Dir das Gefühl, x Freunde zu haben. Das Wort „Freunde“ ist dabei natürlich geschickt gewählt. In Wirklichkeit handelt sich’s (in meinem Fall) großteils um Bekannte, Fans, Leser. Leute, die ich für meinen Geschmack zu tief in mein Leben reingelassen habe.
  • FB verführt. Die Plattform bringt einen dazu, weit mehr an privaten Dingen zu verraten, als man in einem Gespräch mit Bekannten, Fans, Lesern von sich geben würde.
  • FB macht, daß wir lügen, daß wir uns aufplustern, daß wir laut um Aufmerksamkeit schreien. Möglichst schrill soll alles sein, damit wir mehr „Freunde“ bekommen.
  • FB manipuliert. Algorithmen sorgen dafür, daß wir uns in unserer Echoblase wohl fühlen und möglichst lange auf der Seite bleiben.
  • FB stülpt uns US-amerikanische Vorstellungen von Moral über. Brustnippel sind strengstens untersagt, extreme politische Meinungen geduldet. Die Prüfmechanismen sind großteils ein Hohn.

Ich mag keine Aufmerksamkeit um meine Person, habe mich aber auf FB eingelassen. Und bin prompt in die Falle gegangen, siehe Aufzählung oben. Ich habe geglaubt, mitmachen zu müssen. Außerdem sind viele „Freunde“ auf FB zugleich viele Leute, die ich über meine Heftromane, Bücher, Schreibcamps und andere Projekte informieren kann.
FB war für mich eine schöne Plattform, um Werbung zu betreiben. Je mehr „Freunde“ ich bekommen hab, desto schwerer ist es mir gefallen, mich trotz meiner Vorbehalte und meines Widerwillens davon zu trennen. So lange, bis es für mich nicht mehr auszuhalten war.
Diese Werbewirkung wird mir in Zukunft fehlen, und vermutlich wird das auch finanzielle Konsequenzen für mich haben. Aber das nehme ich in Kauf. Die Anwesenheit auf FB hat mich ausgelaugt, krank gemacht. Und das kann’s nun wirklich nicht sein …

Meinen Blog werde ich auch in Zukunft betreiben, aber die Auswahl der Artikel wird ein wenig anders gestaltet sein. Auch auf Twitter werd ich mich weiterhin herumtreiben. Die Einstellungen und Mechanismen dort kommen mir einigermaßen entgegen.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. AnonEntity sagt:

    Nicht nur viele Autoren, auch viele Privatpersonen verabschiede(te)n sich von Facebook, das geht schon eine Weile so, aus vielerlei Gründen. Als privates Netzwerk für Freunde ist es zum Direktnachricht-Austausch verkommen, was man auch per WhatsApp (gehört auch zu FB, auch das noch) erledigen kann.

    Mein größtes Oh-No-Erlebnis liegt ein paar Jahre zurück, da wurde ich belauert, wann ich meinen Beziehungsstatus ändere. Die Verwandtschaft und der Bürgermeister wollten folgen, ich wollte das nicht. Inkl. Stress warum mir einige Personen NICHT als „Freund“ willkommen waren… dann hätte ich mich in der Tat nur noch belanglos und harmlos äußer können, oder mich produzieren und aufplustern, wie toll doch mein Leben, mein Haus usw. ist. Naja, man plustert sich jetzt halt auf LinkedIn und Xing a bisserl auf, aber die Business Persona kann man dann doch vom Privaten trennen.

    Google+ gefiel mir sehr gut mit den verschiedenen Kreisen, schade, dass es sich nicht durchgesetzt hat. Sein Ende hat mir den Verlust einiger jahrelanger internationaler Kontakte beschert, die Alternativ-Plattformen wie MeWe, Twitter etc. sind nicht ganz so gut. Bei Twitter war ich von Anfang an dabei und hatte sehr viele Follower, das machte mich irgendwann paranoid, habe dann einen neuen Acc gemacht und Twitter nur noch als Newsfeed genutzt und bin nur noch wenigen Twitter Accs gefolgt. Man kann bei Twitter rausbrüllen, aber miteinander reden, da war Google+ besser.

    Reddit ist auch nicht so meines, es „belohnt“ Konformismus, wie gesagt, die in kleinem Kreis mögliche Offenheit, die Google+ ermöglicht hat, wird mir fehlen. Mit Menschen aus aller Herren Länder über diverse gemeinsame Interessen reden, oder ihnen versuchen zu erklären, was im eigenen Land warum vorgeht… das war toll.

    In Zeiten von Twitch und Youtube-Livestreams sowie anderer sozialer Medien mag ein Blog nicht mehr so hip sein, aber bei WordPress oder Blogger ist man noch vergleichsweise Herr im Haus.

    1. Melanie sagt:

      Dass Google+ nur noch für Firmen ist, nicht mehr für Privatleute, finde ich echt beschissen. Ich mochte es auch.

  2. Melanie sagt:

    Ja, wenn es krank macht, wird es Zeit zu gehen. Das kann ich verstehen. Trotzdem schade.

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