Zu PERRY RHODAN 3026: Marlene von Hagen

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Achtung, dieser Text enthält Spoiler zum PERRY RHODAN-Band 3026!

Wie ich bereits in einem anderen Blog-Eintrag erzählt habe, musste ich das Manuskript PERRY RHODAN 3026 sehr kurzfristig übernehmen – und musste mir irgendwann eingestehen, dass ich in ernsthafte terminliche Kalamitäten geraten würde. Ich hatte mein Arbeitstempo zu optimistisch eingeschätzt.

Auf einer Handlungsebene konnte ich nahe an Atlan bleiben und zeigen, wie er sich an Bord eines Schiffs dem Kugelsternhaufen M 13 annähert, der Heimat der Arkoniden. Er ist mit einem bunten Trupp an Leuten unterwegs, mit denen ich richtig gut konnte.

Ein zweiter Block erzählt die Geschehnisse auf einem eher ungewöhnlichen Planeten mit ebenso ungewöhnlichen Ureinwohnern. Die Nukazani sind Angehörige eines Volkes, das andere Moralansichten hat, als wir sie pflegen. Dieser Teil des Romans bot ein ziemliches Potenzial, barg aber auch die Gefahr, den falschen Ton zu treffen.

Und da war dieses Zeitproblem … Ich hatte große Bedenken, den Abgabetermin einhalten zu können. Bei diesem Termin blieb auch für die redaktionelle Bearbeitung nur noch wenig Zeit übrig.

Ich suchte also Unterstützung – und fand sie außerhalb des üblichen Autorenteams. Und das ist durchaus ungewöhnlich.

Der Name Marlene von Hagen wird den meisten PERRY RHODAN-Lesern nicht allzuviel sagen. Marlene ist eine Wiener Autorin, die ich von meinen Schreibcamps her kenne. Sie bewegt sich hauptsächlich im Bereich der Fantasy. Sie ist zum Teil Selfpublisherin, zum Teil steht sie mit ihren Büchern beim kleinen und feinen Rabenwald Verlag unter Vertrag. (Marlene von Hagen: „Die Schicksalsknüpferin“)

Ich kannte also einige ihrer Texte und Romane – und ich traute ihr durchaus zu, den Nukazani-Teil in Band 3026 zu gestalten. Zudem hatte sie in den vergangenen Monaten begonnen, sich in die Serie einzulesen und das »PERRY-Feeling« zu inhalieren.

Marlene schrieb jenen Teil der Romanhandlung, in dem die Nukazani die Hauptrolle spielen. Und sie löste meiner Meinung nach ihre Aufgabe ausgezeichnet. Einige ihrer Lösungen verblüfften mich. Ich muss gestehen, dass ich das kulturelle und soziale System auf der Welt der Nukazani selbst nicht so gut hinbekommen hätte.

Also: Chapeau, Marlene! Und danke dafür, dass du mir den Hintern gerettet hast.

Jetzt möchte ich sie aber selbst zur Wort kommen lassen.

MMT: Ich glaube, wir verraten kein großes Geheimnis, wenn wir sagen, daß „Marlene von Hagen“ ein Künstlername ist. Möchtest Du mehr über Dich persönlich erzählen?

MarleneMvH:  Da ich noch einem anderen Beruf nachgehe, habe ich mich für einen Künstlernamen entschieden. Als Fantasyautorin durfte er ruhig etwas märchenhaft klingen, außerdem war ich zu Schulzeiten ein Nibelungenfan. In den sozialen Medien kann man gut verfolgen, dass ich eine Sammelleidenschaft für Einhörner hege. Ich besitze außerdem zwei Kaninchen, die bei mir in einem Gehege im Wohnzimmer wie Familienmitglieder leben. Gerne gehe ich sonntags spazieren, höre Musik und plotte gedanklich dabei. Früher habe ich in einem Chor gesungen, mittlerweile ist meine Stimme jedoch aus der Übung. Ich beschäftigte mich viel mit dem Thema Umweltschutz, versuche auf Plastik zu verzichten und denke zweimal nach, bevor ich etwas Neues kaufe.

MMT: Ich habe Dich bislang bloß als Fantasy-Autorin kennengelernt. Nun hattest Du es auf einmal mit Science Fiction zu tun – und auch noch mit dem sehr komplexen Perryversum. Wie war es denn für Dich, mal bei PERRY RHODAN reinzuschnüffeln?

MvH: Es war eine große Ehre für mich, bei PERRY RHODAN mitschreiben zu dürfen. Ich habe mich gut darauf vorbereitet und versucht, verschiedene Serienteile zu lesen, um dieses Universum noch besser kennen zu lernen. Außerdem nutzte ich mehrmals die Perrypedia und las dort über die verschiedensten Figuren, Roboter, Waffen nach.

MMT: Die Leser der Serie sprechen ja oftmals von einem PERRY-Feeling. Spürst Du das denn auch schon, nachdem Du noch nicht allzu lange mitliest? Gibt es eine Besonderheit, die die Serie von Vergleichbarem unterscheidet?

MvH: Es gibt eine große Community. Eine riesige Fangemeinde, die Stammtische ins Leben gerufen hat und kleine bis große Cons veranstaltet. Ich denke, das gibt es bei keiner anderen Serie in diesem Ausmaß. Vielleicht macht das das PERRY-Feeling aus.

MMT: Kommen wir zur eigentlichen Tätigkeit an PERRY RHODAN 3026. Du hattest das erste Mal mit der Arbeit nach einem Fremd-Exposé zu tun. Du musstest eine recht präzise Textlänge erreichen und auch mit ziemlichem Zeitdruck im Nacken schreiben. Wie ist es Dir dabei ergangen, gab es irgendwelche Probleme technischer Art für Dich?

RitterMvH:  Da ich mich vorwiegend mit einer fremdartigen Spezies beschäftigten durfte, empfand ich es nicht anders, als würde ich ein neues Volk in einer Fantasywelt beschreiben. Natürlich war das Exposé erst einmal eine Herausforderung. Es gab gewisse Vorgaben, an die ich mich halten musste. Die Idee mit den Sklavenkindern war dort zum Beispiel vorgegeben. Ich habe jedoch versucht, eine eigene Ideologie der Nukazani zu entwickeln. Dort sind Eltern mehr wert als Kinder, da jeder Nukazan nur eine Mutter und einen Vater hat, aber viele Nachkommen.
Ich habe mir die Zeit sehr gut und bewusst für das Schreiben eingeteilt und versucht, möglichst viel Text an einem Tag zu schreiben. Da mir die Nukazani trotz ihrer anderen Kultur rasch ans Herz gewachsen sind, war ich auch gut in die Geschichte vertieft. Das Vorankommen fiel mir trotz der wenigen Zeit, die ich zur Verfügung hatte, sehr leicht. Ich habe meinen Anteil praktisch in dreieinhalb Tagen geschrieben. So gut läuft es aber nicht immer. Jeder Autor und jede Autorin kennt das.

MMT: Reden wir gleich weiter über die Nukazani. Der Held Deines Handlungsstrangs, Trubarg, ist kein sonderlich sympathischer Zeitgenosse – und dennoch hast Du’s geschafft, dass ich den Kerl irgendwie gemocht habe. Wie bist du mit ihm zurecht gekommen? Würdest Du denn gerne eine Tasse Tee mit ihm und seinen Sklavenkindern schlürfen?

MvH: Welcher Autor möchte nicht einmal mit seinen Figuren an einem runden Tisch sitzen und etwas Zeit mit ihnen verbringen? Selbst mit einem Antagonisten könnte das sehr spannend werden! Aber Trubarg ist kein richtiger Bösewicht, er ist eine ambivalente Figur. In seiner Denkweise ist das, was er tut, das Richtige. Vermutlich würde ich ihn aber dazu bewegen, sich das mit der Kindersklaverei noch einmal zu überlegen.

MMT: Wie ist denn Deine Arbeitsweise? Schreibst Du frei drauflos oder hast Du zu den Nukazani vorab eigene Datenblätter angefertigt? Hast Du Dir ein eigenes Kapitelexposé zum Schreiben erstellt?

MvH: Die Vorgaben aus dem Exposé reichten aus, um erste Bilder in meinem Kopf zu erzeugen. Ich machte mir sofort Notizen für die erste Szene und überlegte, wie Trubargs Geschichte in den Hauptstrang einfließen könnte.
Ein richtiges Kapitelexposé habe ich nicht geschrieben. Nur Stichwörter, was ungefähr in einer Szene passieren wird. Generell habe ich oft in meinem Kopf nur ein sehr grobes Konstrukt und schreibe drauf los.

MMT: Was ich schon immer mal wissen wollte: Wie war die Zusammenarbeit mit mir? Warst Du zufrieden?

MvH: Ich habe den professionellen Austausch mit dir sehr geschätzt und war sehr froh, jemanden an der Seite zu haben, der sich im PERRY-Universum so gut auskennt. Ich würde es wieder tun.

MMT: Du hast jetzt mal bei PERRY RHODAN reinschnüffeln können. Wolltest Du denn auch einmal ein PERRY-Manuskript alleine schreiben und Dich also Autorin intensiver mit der Serie beschäftigen?

51830177_385657421991527_5889390165662629888_nMvH: Ja, das hatte ich vor. Die Möglichkeit dazu kam nun früher als erwartet. Ich persönlich hätte mich noch einige Monate mit der Materie auseinandergesetzt, bevor ich daran gedacht hätte, mit Klaus N. Frick Kontakt aufzunehmen. Es freut mich um so mehr, dass es sich jetzt schon ergeben hat. Und das gleich in der Erstauflage!

MMT: Lass uns zum Schluss über Deine aktuellen Projekte reden: Der zweite Teil der Schicksalsknüpferin erscheint noch dieses Jahr beim Rabenwald Verlag. Erzähl doch ein bissl drüber, wer und was die Schicksalsknüpferin ist. Und: Woran schreibst Du gerade?

Cover-Die-SchicksalsknüpferinMvH: Die Schicksalsknüpferin ist eine Figur, die im Hintergrund meiner Geschichte die Fäden in der Hand hat. Sie verbindet Wesen miteinander, die sich im normalen Leben nie begegnet wären und lenkt damit ihre Schicksale. Sie tut das, um ihre Feindin, Die Blinde Sehende, daran zu hindern, die Welt ins Chaos zu stürzen.
Im ersten Band hält sich die Schicksalsknüpferin noch sehr zurück. In Band zwei ist sie mehr in den Verlauf der Geschichte verstrickt, als ihr lieb ist. Als Einsiedlergeschöpf hält sie sich von anderen Menschen fern und lässt Nähe nicht zu. Aber manchmal gelingt es selbst ihr nicht, die „harte Schale“ aufrecht zu erhalten.
Dieser zweite Teil befindet sich im Lektorat. Ich schreibe indes an einer Geschichte, die in einer anderen Welt spielt. Wann und wo diese erscheinen wird, steht noch in den Sternen.

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Die Bilder sind ©Marlene von Hagen bzw. Rabenwald Verlag.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. AnonEntity sagt:

    Es war sicher sehr schwer und ein großes Opfer, mit so einer netten und attraktiven Autorin zusammenarbeiten zu müssen! Ich werde gleich nach Mitternacht reinlesen. Der letzte Bully-Roman war übrigens auch sehr gut gelungen. Sie sind so gut drauf und schreiben sehr gut in letzer Zeit, Herr Thurner, dürfen sie demnächst wieder eine beliebte Person ermorden, oder was ist da los?

    1. mmthurner sagt:

      Danke fürs Lob. Und ja, die Marlene ist richtig nett, ein schweres Opfer war es also wirklich nicht für mich.
      Was das Morden beliebter Figuren betrifft, so stehe ich in Verhandlungen mit der Redaktion. 😉

  2. AnonEntity sagt:

    Warum steigt Marlene nicht als Gastautorin „Marphissa da Haknor“ in die Serie ein? Marlene von Hagen klingt halt eher nach Fantasy/Mittelalter/Frauenroman! 🙂

    1. mmthurner sagt:

      Arkonidinnen, die bei einer terranischen Serie mitschreiben? – Nein! 😉

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