Von Erschöpfung und Glücksgefühlen

Manchmal gelingt einem alles. Da läuft man dann mit einem Grinsen durch die Welt und freut sich. Man könnte jeden einzelnen Menschen auf der Straße abbusseln und Blumen verteilen. So ist es mir gestern gegangen.

Um das näher zu erklären, muß ich etwa zehn Wochen zurückgehen.
Ich hatte eine sehr anstrengende, sehr arbeitsintensive Zeit hinter und noch vor mir. Ich steckte in einem Arbeitsstrudel, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gab. Es ging mir auf mehreren Ebenen schlecht, also sagte ich mir: Wenn ich die nächsten beiden Manuskripte fertiggeschrieben hab, geh ich’s für eine Weile lockerer an.  Auch auf die Gefahr hin, dass es mit dem Geld nicht reichen würde (der Fluch des Freiberuflers).
Also schrieb ich diese beiden Manuskripte fertig – und wurde kurz vor Abgabe des zweiten Romans gebeten, einen weiteren Heftroman zu übernehmen, weil ein Kollege ausgefallen war. Ich sagte schweren Herzens zu, auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass mir das ein wenig mehr finanzielle Sicherheit für die Wochen danach geben würde.

Ich stellte mit viel Kampf und Krampf dieses zusätzliche Manuskript fertig – und war danach völlig kaputt. Ausgelaugt. Einfach nur noch müde.
Das ununterbrochene Schreiben auf Druck und Termin schlug auf mein körperliches Befinden durch. Nachdem ich dieses letzte Manuskript abgegeben hatte, schlief ich sechzehn Stunden durch und brauchte drei Tage, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen und mich der „heißgeliebten“ Buchhaltung widmen zu können. Sogar das machte mehr Spaß als das monatelange Dauerschreiben – und das heißt was bei mir.

Jedenfalls hatte ich ausreichend Zeit zum Nachdenken. Ich hinterfragte einige Dinge in meinem Leben. Eine unmittelbare Folge dieser Überlegungen ist mein Entschluss, die Facebook-Aktivitäten drastisch und dauerhaft zu reduzieren. Das Zeugs schadet mir tatsächlich, über das Warum möchte ich mich hier nicht auslassen.

Eine weitere Konsequenz der letzten Woche war, dass ich mich um liegengebliebene Schreibprojekte kümmern konnte. Um Ideen und Schreibfragmente, die mir persönlich ein Anliegen waren, deren Bearbeitung ich aber immer vor mir hergeschoben hatte.
Ich sitze also grad an einer kleinen Geschichte, die mir sehr wichtig ist und die ich im Self-Publishing veröffentlichen werde. Ich werde weiters aus Spaß an der Freud eine Story schreiben, die ich jemandem versprochen hab. Und dann treibe ich noch zwei ganz besondere Projekte voran, die mir am Herzen liegen.

Gestern war dann, wie gesagt, der große Tag:
Eine Autorenkollegin mailte mir, dass sie mit meinen Vorschlägen zu einem Expo (überwiegend) zufrieden sei – und der Leiter eines mittelgroßen Verlags signalisierte mir, dass er mein Projekt mit dem Arbeitstitel Maria veröffentlichen möchte.

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Wohlgemerkt: Dabei handelt sich’s um Arbeiten, mit denen ich mein Leben nicht finanzieren kann. Aber ich habe da etwas, das ich zwischendurch machen möchte und das meine ganz persönliche Handschrift tragen wird.
Ich liebe Heftromanserien wie PERRY RHODAN oder MADDRAX. Ich bin mächtig stolz drauf, Mitglied der beiden Autorenteams zu sein. Aber darüber hinaus trage ich in mir eine gewisse Eitelkeit und den Drang zur Selbstverwirklichung als Schriftsteller. Das Maria-Projekt ist eine Herzensangelegenheit – und nun bekomme ich die Gelegenheit, es so richtig anzugehen, nach mehreren Jahren des Zögerns, des Zweifelns, des Keine-Zeit-Habens.

Ich werde mich tausendmal dafür verfluchen, daß ich mir diese beiden Arbeiten umgehängt hab. Sie sind sehr aufwendig und werden mir viel abverlangen. Aber momentan freu ich mich einfach nur.
Und damit bin ich wieder beim Anfang dieses Textes: Entscheidend war dieser eine Beschluss, es für eine Weile ruhiger anzugehen. Ich konnte aus dem Hamsterrad ausbrechen, die Dinge aus größerer Distanz betrachten und mich mit meinen schriftstellerischen Zielen auseinandersetzen.

Wenn man im Hamsterrad mal mit dem Laufen loslegt, gibt es scheinbar nix anderes mehr.  So etwas darf mir nicht noch einmal passieren.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Das kann ich absolut nachvollziehen. Sowohl das mit dem Schreiben – auch wenn ich mich da noch als ziemlichen Neuling betrachte – als auch das mit Facebook. Und darum kommentiere ich auch hier und nicht dort. Bei mir ist es in ähnlicher Weise auch noch das Smartphone. Ich schaue viel zu oft darauf. Und genau wie du FB reduzierst, will ich mir da meine Freiheit zurückholen.

    1. mmthurner sagt:

      Mach’s dann auch. Es bringt wirklich viel.

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