MADDRAX-Band 500: Ein Interview mit Sascha Vennemann

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Am 19. März 2019 erscheint der fünfhundertste MADDRAX-Heftroman. Ich habe zu diesem Anlass einige Interviews geführt. Beginnen möchte ich heute mit Sascha Vennemann. Er ist Autor von Band 500, der den Titel „Zeitbeben“ trägt.

MMT: Sascha, du hast die Ehre, den Jubiläumsband MADDRAX 500 zu schreiben. Ich gratuliere dazu recht herzlich!

74d4f4fd0ad0cc12Sascha: Vielen Dank! Wenn mir das jemand gesagt hätte, als ich vor nunmehr 19 Jahren meinen ersten MADDRAX-Roman las, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber das Schicksal hatte andere Pläne – und da stehen wir nun. 🙂

MMT: Zunächst einmal zu dir als Person: Du bist vom Fan zum Autor geworden, laut dem Maddraxikon hat alles mit deiner Mitgliedschaft beim „1. Maddrax-Internet-Fanclub“ begonnen. Lass mich mal nach der dahinter steckenden Motivation fragen. Hattest du das Gefühl: „Was die MX-Autoren können, das kann ich auch“? War es Enthusiasmus? Die Liebe am Schreiben? Der Wunsch, mit dem Schreiben von Heftromanen stinkreich zu werden? 🙂

Sascha: Der 1. MX-IFC war ja erst der zweite Schritt. Mein erster Kontakt mit der Welt der Fans und Macher war damals das alte Bastei-Forum, in dem ich mich als Andronenreiter anmeldete, um mit anderen Lesern über MX zu plaudern, meine Rezensionen zu schreiben usw. – Als 19-jähriger Neuling beim Lesen von Romanheften wurde ich da freundlich von den Aktiven aufgenommen und fand mich schnell ein. Nebenbei hatte ich mich seit einigen Jahren mit Kurzgeschichten versucht, die ich aber nur für mich und enge Freunde geschrieben hatte. Das hat mir immer Spaß gemacht.
Als bei MADDRAX dann die Fan-Story-Zentrale aufkam, nutzte ich die Ideen, die ich zur Serie hatte, für mehrere kleine Storys, die dann auch den Weg ins Heft fanden. Da dachte ich: „Wow! Vielleicht schreibst du ja tatsächlich eines Tages mal einen eigenen Roman.“ Einige Jahre später war es dann so weit. Dass ich damit nicht reich werden würde, wusste ich. Aber ich hoffte, irgendwann vom Schreiben leben zu können. Ein bisschen Enthusiasmus war auch dabei, die Liebe zum Schreiben, sicher. Und, das hat man mir immer wieder gesagt, der Mut, das auch durchzuziehen. Zu versuchen, seinen Traum wahr zu machen. Auch wenn das jahrelanges Darauf-Hinarbeiten bedeutete.

MMT: Du hattest vor deinen Anfängen als Autor eine Zeitlang als Lektor und Redakteur bei Bastei-Lübbe gearbeitet. Du kennst den schriftstellerischen Betrieb also von zwei Seiten. Bevorzugst du eine von beiden, ist dir das Leben als Autor lieber? Hast du viel Nutzen aus dieser Zeit als Redakteur ziehen können? 

Sascha: Das war einer der Schritte zur Veröffentlichung meines ersten Romans Der Hohe Rat, Band 81 in der mittlerweile leider eingestellten Bastei-Science-Fiction-Serie STERNENFAUST. Ich hatte 2004 ein Praktikum in der Romanheft-Redaktion bei Bastei gemacht. Michael Schönenbröcher, der Redakteur von MADDRAX, hatte mir das ermöglicht. Wir kannten uns inzwischen von Fantreffen und Conventions. Sechs Wochen ging ich also Holger Kappel bei STERNENFAUST und „Mad Mike“ bei MADDRAX zur Hand und lernte viel von ihnen, was das Schreiben von Exposés, das Planen von Serien, und das ganze organisatorische Drumherum anging. Das hat mir gut gefallen und für meine ersten Gehversuche als Autor geholfen, da ich schon ein bisschen wusste, auf was ich achten musste. Wie baue ich eine Geschichte auf? Welche Perspektive wähle ich für welche Handlung? Wo gibt es sprachliche Fallstricke? Was ist ein No-Go bei einem Roman? Irgendwie habe ich mich wohl auch nicht allzu dumm angestellt, denn als Holger Kappel bald darauf den Bastei-Verlag verließ, bot man mir an, STERNENFAUST eine Zeitlang zu betreuen, bis ein Nachfolger gefunden werden kann, der auch im Verlag präsent sein konnte.
Ich steckte damals noch mitten im Studium und wollte es nicht abbrechen, um dann als ungelernter Lektor zu arbeiten, also war ich Redakteur als freier Mitarbeiter neben dem Studium. Als Susanne Picard nach etwa einem halben Jahr übernahm und ein Autor für STERNENFAUST ausfiel, bat sie mich, einzuspringen. Und das war es dann – mein erster Romanauftrag!
Inzwischen ziehe ich das Schreiben der redaktionellen Arbeit vor. Es ist die kreativere von beiden Seiten, auch wenn ein Text durch Kürzungen und Änderungen enorm gewinnen kann. Noch etwas, das ich in dem Praktikum lernte: Sei uneitel mit deinen Manuskripten! Du magst deine Lieblingssätze haben, aber vielleicht sind sie nicht wichtig, und der Lektor will dir nichts Böses – er will das Beste für den Text.

52588102_2475984982475735_1064785103495888896_nMMT: Kommen wir zum Jubiläumsband: Ich hatte das Privileg, den Roman schon mal vorab lesen zu dürfen. Die Arbeit daran war sicherlich nicht leicht. Er musste so geschrieben werden, dass die Wünsche der Stammleser genauso wie die von Wiedereinsteigern oder Neulesern erfüllt werden und dass jedermann so gut wie möglich unterhalten wird. Wie bist du mit diesem Problem umgegangen?

Sascha: Einen Jubiläumsband zu schreiben ist erst einmal ganz schön furchteinflößend! MADDRAX ist ja nicht irgendeine Serie, sondern läuft nun schon 19 Jahre. Band 500 ist ein Meilenstein und eröffnet einen neuen Zyklus, was immer eine spannende Angelegenheit ist – sowohl für die Leser, als auch für die Autorenriege und insbesondere denjenigen, der ihn schreiben soll.
Es ist, wie du sagst, ein Spagat: Die alten Leser wollen wissen, welche Auswirkungen aus dem letzten Zyklus mitgenommen werden, die neuen Leser dürfen nicht überfordert werden und müssen sich in der MX-Welt gut einfinden können. Ich habe versucht, mich zurückzuerinnern, wie es war, als ich zum ersten Mal einen MADDRAX-Roman gelesen hatte. Was konnte ich mir aus dem Zusammenhang erschließen? Was hätte ich gerne erklärt gehabt? Mit diesen Gedanken im Hinterkopf habe ich mich ans Schreiben gemacht und die Handlung entworfen, die durch die Einführung eines neuen Spielorts und neuer Figuren sowohl für Alt- als auch Neuleser komplett frisch ist. Dabei ist nicht nur der „Sense of Wonder“ wichtig, um einen interessanten Roman hinzubekommen, sondern auch der Abenteuer-Aspekt, den ich bei MX neben all den tollen Mutanten, Aliens und anderen Sphären immer am wichtigsten fand. Band 500 ist also eher als Abenteuer- denn als Fantasy-Roman zu lesen.

MMT: Natürlich stehen Matthew Drax/Maddrax und seine Begleiterin Aruula im Zentrum des Romans. Wie kommst du persönlich mit den beiden Hauptfiguren zurecht?
Ich frage unter anderem deshalb, weil ich selbst gewisse Probleme habe, Aruula noch als „Barbarin“ zu beschreiben und ihr diesen Touch an urtümlicher Wildheit mitzugeben. Dazu ist sie für mich schon zu lange mit Maddrax unterwegs. Andererseits habe ich diese Unberechenbarkeit in ihrer Persönlichkeit immer sehr gemocht …

Sascha: Aruula ist eine Figur, die sich innerhalb der Serie enorm entwickelt hat, mehr als Matthew Drax. Während Matt in seiner Rolle als Held relativ festgelegt ist, konnte Aruula von der Wilden mit dem Schwert, die alles als Schicksal ihrer Götter empfindet, zu einer emanzipierten Frau werden, die viel mehr Dinge auch rational durchschaut, aber ihre Wurzeln nie vergessen hat. Sie ist ihrem Gefährten vor allem emotional überlegen, da sie einen aufgeklärten, aber gleichzeitig auch gläubigen Geist in sich vereint. Welcher Aspekt von ihr dabei in welcher Situation die Oberhand gewinnt, ist dann natürlich dem Autor überlassen, wenn er es schlüssig darstellen kann. Ich versuche immer, viel vom Innenleben der Protagonisten zu schildern, um sie lebendig erscheinen zu lassen. Dabei kann man ihnen außerdem immer wieder kleine neue Facetten verpassen oder Erlebnisse aus ihrer Serien-Vergangenheit einflechten, um zu zeigen: „Jetzt tun sie das, weil sie damals diese Erfahrung gemacht haben.“ Das gehört für mich zu der Erzählweise einer modernen Serie dazu.

MMT: In einer zweiten Handlungsebene geht es um einen gewissen Julian Springs. Ich habe so das Gefühl, dass du mit ihm so richtig deinen Spaß hattest. Erzähl mal bitte ein bisschen über ihn, seine Rolle und die Welt, durch die er sich bewegt. Ist Julian bloß ein „Aufhänger“ für den neuen Zyklus, oder wird er den Lesern länger erhalten bleiben?

Sascha: Die Figur des Julian Springs und seine Welt zu entwerfen, hat mir unheimlich viel Freude bereitet. Denn er erfüllt eine ganz tolle Funktion für den Jubiläumsband: Wie damals mit Matthew Drax in Band 1 erlebt der Leser durch ihn diese neue Welt, die er betritt, und zwar aus seinem eigenen Blickwinkel, gefiltert durch diese Figur. Ich weiß nicht, wie viel ich zu ihm schon verraten darf, also versuche ich, das etwas vage zu halten. Julian ist Anfang zwanzig, denkt für seine Zeit und sein Umfeld, die beide etwas konservativ ausgerichtet sind, recht progressiv – und er ist abenteuerlustig. Neben Matt und Aruula kann er ebenbürtig agieren, da er ihnen seine Welt genauso zeigen muss und kann, wie die beiden ihm ihre. Die Umgebung, aus der er stammt, vereint dabei Vergangenes und Zukünftiges auf eine Weise, wie es sie in der Realität nie gegeben hat. Und auch wenn sein Auftritt mit Band 501 erst einmal wieder vorbei ist, hoffe ich, dass er der Serie langfristig erhalten bleibt. Er wäre eine schöne neue Nebenfigur, aber die Entscheidung darüber liegt nicht bei mir… 😉

MMT: Kommen wir nochmals zu den Neulesern: Wie würdest du Interessenten und Neugierigen denn einen Neueinstieg in die Serie MADDRAX verkaufen? Was macht MADDRAX so besonders? 

2f49d03b5bac68d8Sascha: MADDRAX ist eine absolute Wundertüte der phantastischen Literatur! Mal hat man einen Band, der sehr Science-Fiction-lastig ist, mal einen, der eher in die Horrornische passen würde. Fantasy-Elemente sind dabei, es gibt immer noch viele postapokalyptische Spielorte, ferne Sonnensysteme, Intrigen, Dramen, Tragödien und Grenzerfahrungen. Hinter jeder Ecke lauert eine neue Idee, mal verrückt, mal faszinierend, aber immer spannend. Vor allem ist MX aber immer eine klassische Abenteuerserie gewesen. Die Konfrontation mit dem Unbekannten, große und kleine Geheimnisse, deren Auflösungen nach und nach enthüllt werden – das macht MADDRAX für mich aus. Und ich glaube, dass die Serie trotz des reichhaltigen Universums, wie wir es in den letzten beinahe 20 Jahren entworfen haben, immer noch sehr einsteigerfreundlich ist. Dafür eignet sich gerade Band 500 – mit dem ersten Teil eines ausführlichen Rückblicks auf die gesamte Serie – ganz besonders.

MMT: Was erwartet die Leser im neuen Zyklus, der mit Band 500 eingeleitet wird? Was kannst und darfst du verraten? Die Handlung wird ja großteils auf die Erde zurückverlegt. 

Sascha: Genau, es geht nach einem langen Abstecher in ein fernes Planetensystem zurück auf die Erde. Dorthin, wo MX begann und „Die dunkle Zukunft der Erde“, so der Untertitel seit Beginn an, fortgeführt wird. Die Zukunft ist nach den letzten Ereignissen ja noch etwas düsterer geworden. Die postapokalyptische Erde ist von weiteren Katastrophen heimgesucht worden und hat sich verändert. Das gilt auch für einige etablierte Spielorte. Matt und Aruula werden mit einem neuen Phänomen konfrontiert, das offenbar eine direkte Auswirkung der Ereignisse in Band 499 und Band 500 ist, das sie sich aber nicht erklären können. Vermutlich werden sie jetzt versuchen wollen, herauszufinden, was genau passiert ist… 😉

MMT: Wie wird es denn mit dir als Autor weitergehen? Abseits von MADDRAX hattest du ja bereits die SF-Kurzserie „Eon“ beim Verlag „Greenlight Press“ am Start. Gibt es weitere Pläne zu „Eon“? Gibt es neue, eigenständige Projekte, an denen du arbeitest?

Sascha: Eon ist mit dem erst kürzlich erschienenen Band 6 Die Segregation zu einem Ende gekommen. Pläne für eine Wiederaufnahme oder Fortführung gibt es derzeit nicht, auch wenn ich das nicht für alle Zeiten ausschließen will. Im Moment muss ich das Schreiben etwas zurückfahren, da ich wegen eines neuen Hauptjobs in einer Lokalredaktion sehr viel weniger Zeit als zuvor habe, mich noch nach Feierabend wieder an die Tastatur zu setzen – zumal ich ja auch noch regelmäßig für das GEEK!-Magazin und das VIRUS-Magazine schreibe. Derzeit arbeite ich zusammen mit meinem MX-Kollegen Ben Calvin Hary an der Fortführung eines spannenden Projekts für den Bildner-Verlag: den BIOMIA-Romanserien, die Jugendbücher zu Video-Games wie „Minecraft“ und „Fortnite“ umfassen. Dazu werden wir sicher in Kürze mehr verraten können.

 

 

Alle Bilder sind ©Bastei-Lübbe AG.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. cptstarbucks sagt:

    Hat dies auf "Cpt. Starbucks" – Der persönliche Blog von Autor, Journalist und Podcaster Sascha Vennemann rebloggt und kommentierte:
    In zwei Wochen erscheint Band 500 der Heftromanserie „Maddrax – Die dunkle Zukunft der Erde“ – und ich durfte den Jubiläumsband schreiben! Wer schon etwas mehr zum Roman und meiner Arbeit daran erfahren möchte, kann dies nun in einem ausführlichen Interview tun, das der geschätzte Kollege Michael Marcus Thurner mit mir geführt hat. Viel Spaß damit!

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