Überarbeitung von Texten

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Bei anderer Gelegenheit hab ich schon mal geschrieben, daß ich bei einem Manuskript mit einem Tempo von etwa 12.000 Anschlägen pro Tag zufrieden bin. Das ist das richtige Maß, um einen PERRY RHODAN-Heftroman in knapp drei Wochen inclusive Nach- und Vorbereitung fertig zu bekommen. Aber wie ist das mit der Überarbeitung? Wie viel Zeit nehme ich mir, um Fehler auszubessern und das Manuskript zu glätten?

Nun, im Laufe der Jahre habe ich eine Art Routine entwickelt, die auf mehreren Säulen basiert.

  • Bevor ich mit der eigentlichen Manuskriptarbeit beginne, gehe ich nochmals durch, was ich am vorherigen Tag geschrieben habe. Dabei fallen die groben Hacker raus. Die Schreib- und Schlampigkeitsfehler, Wortwiederholungen, verschluckte Buchstaben etc. Damit ist schon mal viel geglättet – und ich rutsche durch diese eher ruhige, kontemplative Arbeit meist gut ins Schreiben rein.
  • Ein weiterer Kontrollvorgang geschieht, wenn ich ein längeres Kapitel abgeschlossen habe und/oder auf eine andere Handlungsebene wechsle. Ich muß mir ja die Geschehnisse dieser anderen Handlungsebene in Erinnerung rufen. An dieser hab ich möglicherweise vor drei oder vier Tagen geschrieben, und mit meinem schlechten Gedächtnis kann ich nicht einfach so weitertippen. Ich muß den Anschluß an diese Handlungsebene also glätten und passend machen. Also lese und korrigiere ich das vorletzte, manchmal auch das drittvorletzte Kapitel durch. Dabei geht’s oft um Feinarbeiten, manchmal aber auch um mögliche „Richtungsänderungen“. Was vor drei, vier Tagen gegolten hat, kann durch das Kapitel dazwischen eine andere oder gar neue Richtung genommen haben. Also passe ich möglicherweise rückwirkend an.
  • Irgendwann kommt dieser wundervolle Augenblick, da ich das Wort ENDE (ja, immer in Versalien, das ist mir wichtig) unter ein Manuskript schreiben daf. Ich atme kräftig durch und freue mich – und setze mich an die komplette Durcharbeitung des Textes.
    Wenn ausreichend Zeit bleibt, drucke ich den Text aus und mache die Korrekturen per Hand. Das Gefühl der Haptik, also, mit einem Stift über Papier zu kritzeln, ist mir persönlich sehr wichtig. Ich bin überzeugt davon, daß ich eine bessere Übersicht und ein besseres Gefühl für das Manuskript habe, wenn ich diese Überarbeitung fern vom Bildschirm mache.
    Oftmals hab ich mir während des Tippens bereits Notizen gemacht. Ich weiß ungefähr, wo sich Ungereimtheiten finden, worauf ich achten muß, welche Themen heikel sind, welche Situationen ich vielleicht noch mit dem Expo abgleichen muß.
  • Irgendwann einmal bin ich mit diesem großen Korrekturvorgang durch. Nun heißt es, all meine händischen Kritzeleien in die Textdatei zu übertragen. Viele meiner Kollegen machen diese Arbeit ja direkt am Bildschirm und überspringen damit einen dieser Korrekturschritte – aber da bin ich altmodisch. Außerdem fallen mir bei diesem Übertragungsschritt weitere Fehler auf. Seufz.
  • Das Ding ist so gut wie fertig, nicht wahr? – Naja, nicht ganz. Es gibt da eine Liste von Lieblingsfüllwörtern, die ich gezielt überprüfe und gegebenenfalls rausschmeiße. Dazu gehören bei mir zum Beispiel „noch“, „auch“, „doch“, „können“ und „lassen“.
    Weiters gibt es Phrasen, die sich eingeprägt haben und die nicht zum Text passen. Zum Glück machen mich meine Lektoren auf diese Dinge aufmerksam. Und so verschwinden in diesem Korrekturdurchgang so blöde Dinge wie „Maßnahmen ergreifen“ aus dem Manuskript.

Damit ist das gute Ding fertig und ich maile es an den Verlag, um erschöpft darnieder zu sinken und für zwei Tage nichts mehr von der Welt wissen zu wollen. Doch wenn ich das Manuskript am Rechner zumachen möchte, fällt mein Blick garantiert auf irgendeine besonders spannende Stelle im Text – und ich bemerke auf Anhieb sechs Fehler, die ich übersehen habe. Da kommen dann doch einige Selbstzweifel auf und ich frage mich, ob ich wirklich so ein Idiot bin …

Noch ein Wort an diejenigen, die komplexere Schreibprogramme wie papyrus verwenden und sich gerade über meine altmodischen Methoden wundern: Ihr habt recht, ich könnte mir Einiges an Arbeit ersparen. Papyrus erkennt zum Beispiel Wortwiederholungen. Aber ich komme mit derartigen Schreibhilfen nicht und nicht zurecht.
Wenn ich arbeite, will ich bloß einen leeren Bildschirm vor mir haben und keine Felder mit Anmerkungen, virtuelle Post-its oder Kommentarzeilen. Ich mag auch keinen Thesaurus oder rotgrün unterstrichelte Satzteile. So was bringt mich völlig raus und schadet meinem Schreibfluß.

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