Humor ist …

… eine verdammt schwierige Angelegenheit. Vor allem beim Schreiben.

Wie bringt man jemanden zum Lachen, wie schreibt man amüsante Texte? Worauf stützt man sich dabei? Ist es der Slapstick-Humor à la Stan Laurel und Oliver Hardy, versucht man es grobschlächtig und politisch unkorrekt? Ist es die feine Klinge der Ironie, bitterböser Zynismus, der jüdische Witz, die sorgfältig aufgebaute Geschichte mit tragikomischer Wendung, der Wortwitz im Dialog, der Blondinen-Humor oder eher der mit der Bananenschale, auf der jemand ausrutscht und sich den Hals bricht? Soll ich mich an Terry Pratchetts Humor messen? Will ich jemand zum lauten Bruhahaha-Lachen verleiten oder möchte ich, daß er in sich hineinlächelt?

Nun, die Antwort ist vielschichtig. Alle Wege sind richtig – und auch wieder falsch. Was dem einen Leser gefällt, irritiert den anderen.
Terry Pratchett, über dessen absurde und zugleich hochgeistigen Geschichten Millionen Leser lachen können, ödet auch viele Leute an. Bei Rezensionen zu Pratchetts Werken fand ich zum Beispiel: „Ich fand das Buch schrecklich langweilig.“ – „Der Inhalt ist banal und alle Beschreibungen höchst kompliziert und wenig nachvollziehbar.“ – „Ein verbrämter Dan Brown – bloß ohne Spannung.“ – „Bei diesem Buch konnte ich noch nicht einmal schmunzeln.“

Man sieht an solchen Beispielen, daß der Humor einer Geschichte ein Kriterium ist, an dem sich die Geister scheiden. Jedermann, der so eine Kritik schreibt, wird niemals mehr wieder ein Buch von Pratchett angreifen.
Ich könnte als Autor nun sagen: „Na und? Manche Leute sind halt humorbefreit oder verstehen die Absichten des Autors nicht. Damit muß man leben. Andere Menschen können nichts mit Military-SF, Vampir-Pornos oder Liebesschmonzetten in alpinen Arztpraxen anfangen. Es gibt nun mal Kriterien, die den potentiellen Käuferkreis einschränken. Und ich will meinen Lesern ja auch nicht dauernd nach dem Mund schreiben, sondern wahrhaftig sein.“

Richtig. Aber der Humor birgt nun mal enorme Gefahren in der Genre-Literatur (wie übrigens auch die Politik und die Religion, zwei sehr sensible Bereiche). Science Fiction und Humor, das ist eine rare Kombination. Ebenso verhält es sich in der Fantasy, dem Thriller und dem Horror. Es mag gerade mal den Berufszyniker als Hauptfigur geben, der dem Leser ein bitteres Lächeln abringt. Aber den Bananenschalenausrutscher eher nicht.

Bei meinen Schreibcamps rate ich unerfahrenen Autoren dringend ab, es mit dem Humor zu übertreiben. Sie können gerne ihre Fähigkeiten austesten, aber dabei die Latte niedrig halten. Sie sollen stattdessen auf die Geschichte achten, die sie erzählen wollen, und einen runden Handlungsbogen erschaffen. Unter keinen Umständen dürfen sie Szenen/Handlungen derart zurechtbiegen, daß sie den Leser zum Lachen bringen. Das ist unter Garantie der falsche Ansatz.

Ich bin selbst nicht gefeit vor der Humor-Falle, weil ich gerne ein bißl schräg denke und absurde Figuren mag. Bei so gut wie jedem Manuskript habe ich diesbezügliche Diskussionen mit meinen Redakteuren. Die ganz gewiß nicht humorbefreit sind, aber sie sehen die Gefahren viel nüchterner als ich.

Wie gesagt: Humor ist eine verdammt schwierige Angelegenheit. Vor allem beim Schreiben.

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