Fan-Interview mit Dirk und Peter

Der Anlass für dieses Interview, das ich per Mail führte, war ein Eintrag im Galaktischen Forum – dem Internet-Diskussionsforum der PERRY RHODAN-Serie –, in dem sich Dirk in Peters Namen meldete und sich für die vielen Stunden der Unterhaltung bedankte.

Peter ist nach einem Schlaganfall vor sieben Jahren vom Hals abwärts gelähmt, auch sprechen kann er nicht mehr. Die Kommunikation mit seinen Betreuern erfolgt ausschließlich über Augenkontakt, über Blicke. Peter ist PERRY RHODAN-Fan. Er verfolgt die Serie über die Hörbücher, besonders den Silberbänden gilt sein Interesse. Dirk ist einer seiner Betreuer. Auch er ist seit mehreren Jahrzehnten PERRY RHODAN-Fan.

F: Erst einmal danke, dass ihr euch beide für ein Interview zur Verfügung stellt. Euer Dankeschön im Forum, das spürt man, kam ja wirklich von Herzen. Gab es denn einen speziellen Grund dafür, dass ihr euch jetzt gemeldet habt, oder hat sich das spontan so ergeben?

anhang2A: Es gab keinen bestimmten Anlass dafür. Es war ein spontaner Einfall von mir (Dirk). Ich bin halt auch PERRY RHODAN-Fan und schon recht lange »passiv« im Forum unterwegs. Ich habe Peter dann gefragt und er hat sehr spontan »Ja« gesagt. Wir hatten das Gefühl, es könnte für die an der Serie Beteiligten schön sein, mal zu hören, was ihre Arbeit bewirken kann.

F: Im Forumseintrag ist die Rede davon, dass du, Peter, jeden Tag zehn bis vierzehn Stunden lang die Hörbücher hörst. Sind es denn immer wieder die Silberbände, oder hörst du auch die Erstauflage?

A: Peter hört hauptsächlich die Silberbände. Seit Band 2900 bringe ich ihm aber auch die Erstauflage mit, wenn ich mir ein Heft als Hörbuch gekauft habe. Im Augenblick steht er da zirka bei Heft 2930. Auf neu erscheinende Silberbände freut er sich allerdings besonders.

F: Welcher ist denn euer Lieblingszyklus, habt ihr einen Lieblingsautor? Wie lange lest ihr die Serie schon?

A: Peter hat keinen Lieblingsautor und auch keinen Lieblingszyklus. Er liest PERRY RHODAN seit den 70er-Jahren. Er war schon immer Science-Fiction-Fan und ist per Zufall am Kiosk auf die Serie aufmerksam geworden. Ich kenne PERRY RHODAN seit den frühen 80er-Jahren durch die Hörspielkassetten. Mein Lieblingszyklus ist, glaub ich, immer noch der MdI-Zyklus. Aber auch das Reich Tradom fand ich gut.

F: Peter, du warst schon PERRY-Fan lange vor deinem Schlaganfall. Inwiefern hat sich denn das »Lesen« seit deinem Unfall verändert? Ist es intensiver geworden? Bei Menschen mit Sinneseinschränkungen, Blinden etwa, verstärken sich die anderen Wahrnehmungen wie Gehör und Geruch. Ist es bei dir ähnlich? Ist die Vorstellungskraft, ist das Reich der Fantasie deiner Meinung nach größer geworden? Hast du in diesem Bereich etwas gewonnen?
Ich selbst hab sehr ausgeprägte innere Räume. Ich denke gerne: »Was wäre, wenn …« und kann stundenlang in einer neuen, selbst erfundenen Welt spazieren gehen. Spinnst du denn auch die PERRY RHODAN-Geschichten in Gedanken weiter? Schaffst du dir eigene Welten in deinem Kopf?

anhang1A: Die Frage war schwer für Peter. Er hat mehrfach angefangen zu weinen, wollte aber auf keinen Fall aufhören oder eine Pause machen.
Peter hat nicht das Gefühl, dass sich durch den Schlaganfall etwas an seiner Wahrnehmung verändert hat. Er hat auch früher schon mit sehr viel Vorstellungskraft gelesen und sich seine eigenen Räume und Welten ersonnen. Genauso macht er das heute auch noch. Und ja, er spinnt ganz oft Geschichten in andere Richtungen weiter und erschafft sich so seine »Räume«. Wahrscheinlich ist es auch schwer, sowas selbst zu beurteilen. Menschen, die Peter von früher kennen, sagen zum Beispiel, dass Peter sehr viel geduldiger geworden ist seit dem Schlaganfall.

F: Peter, im Forum steht auch, dass Perry Rhodan deine liebste Identifikationsfigur ist. Für mich als Autor ist Perry nicht immer leicht zu beschreiben. Mit einem kantigen Typen wie Atlan tu ich mir leichter. Sag mir bitte mal, was du an Perry besonders schätzt. Sind es seine Visionen, seine Menschlichkeit? Die Art, wie er die Menschheit fordert und fördert? Ist es schlichtweg seine eigene Persönlichkeit?

A: An Perry Rhodan schätzt Peter vor allem seine Visionen und seine Menschlichkeit, die er stets zu bewahren versucht. Auch, dass er in den meistens Situationen sehr selbstbestimmt und machtvoll handeln kann, gefällt ihm sehr. Wahrscheinlich auch als Kontrast zu Peters eigener Abhängigkeit.

F: Gibt es denn Figuren, mit denen du nicht so gut zurechtkommst, Peter?

A: Laut Peter gibt es die nicht. Irgendwas Positives oder Negatives gibt es immer, das Peter interessiert. Zumindest gibt es keine Figur, bei der wir das Hörbuch sofort »vorspulen« müssen. 😉

F: Was interessiert dich an den Geschichten denn besonders, Peter? Ist es die Eroberung des Weltalls, die Begegnung mit anderen Kulturen, der kosmische Überbau? Das Abenteuer, die unterschiedlichen Charaktere? Gefällt dir eher die Science oder doch die Fiction?

A: Ganz klar, es ist die Fiction. Fremde Universen, fremde Zivilisationen und fantastische Abenteuer auf und in fremden Welten. Je bunter und fremder die Welt, desto besser kann Peter mit seinen Gedanken darin »spazieren gehen«.

F: Hast du denn einen Wunsch an die Serienmacher, Peter? Gibt es etwas, das du vermisst oder das verstärkt gebracht werden sollte?

A: Peter wünscht sich noch möglichst viele fantasievolle fremde Welten mit spannenden und außergewöhnlichen Abenteuern.

 

 

Die Bilder wurden von Peter und Dirk zur Verfügung gestellt.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hauer sagt:

    Danke an alle Beteiligten für den Einblick.
    Und weiterhin „Gute Unterhaltung“ bzw. „Frohes Schaffen“.

  2. Udo Classen sagt:

    Hallo!
    Hay Michel!
    Toll, ich finde es sehr gut das Du so etwas machst.
    So werden auch Menschen die es weniger gut haben im Leben
    mitgenommen und eingebunden.
    Weiterhin alles Gute an alle Beteiligten mit galaktischen Grüßen
    Udo

  3. Melanie sagt:

    Ui, tolles Interview. Aber nur mit Blickkontakt erstellt? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.

    1. mmthurner sagt:

      Sein Betreuer Dirk, der Peter gut kennt, hat sich mit ihm unterhalten und ihm meine Fragen vorgelesen. Er kann die Augen-Blicke deuten. Ich hab die Fragen in den meisten Fällen auch so gestellt, daß „Ja“/“Nein“ als Antworten möglich waren. Und Dirk kennt Peter halt auch sehr gut.

  4. Melanie sagt:

    Dann kann Peter froh sein, dass er Dirk hat und Dirk ist für mich nach dieser Beschreibung ein ganz phantastischer Mensch!

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