Die Schnittstelle

am

Es gibt da so einen Spruch, daß die Arbeit als Autor auf zwanzig Prozent Inspiration und achtzig Prozent Transpiraton beruhte. Nun, man kann an den Zahlen herummäkeln, aber im Kern stimmt die Aussage. Kreativität ist längst noch nicht alles im Schreibberuf.

Ideen und Phantasien hat ja jeder im Leben, nicht wahr? Ob sie nun sinnvoll sind oder für alle Zeiten Luftschlösser bleiben, das tut in diesem Fall nix zur Sache. Wir denken uns Dinge aus, spintisieren vor uns hin, entwerfen Was-wäre-wenn-Szenarien.
Bei kreativen Berufen geht es hauptsächlich darum, diese Ideen in geeignete Formen zu gießen.

Ich habe also eine Idee. Sie ist wild und unbeherrscht. Sie läßt mein Herz schneller schlagen, weil sie so unglaublich gut ist. Aber ich muß ihr Grenzen setzen. Schließlich  möchte ich etwas aus ihr machen, sie für meine Zwecke brauchbar machen. Also muß ich alle möglichen Gefahrenpunkte abklopfen. Sie in Regeln zwängen.
Bei PERRY RHODAN werde ich nun mal keine pornographischen Szenen beschreiben, die  ein biologisches Raumschiff in Action mit einem transsexuellen Maulwurf zeigt, und in einer Fantasy-Story werde ich nur in den seltensten Fällen ein revolutionäres politisches Manifest, das mir grad eingefallen ist, von der atemberaubend schönen Heldin referieren lassen.

Das ist ein klein wenig überzeichnet, klar. Aber ich muß meine Idee nun mal kontrollieren und ihr den geeigneten Platz zuordnen. Nicht zu viel davon, nicht zu wenig, nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu grell, nicht zu ruhig. Ich schwanke stets zwischen maßloser Begeisterung und realistischer Einschätzung, hier, an der Schnittstelle zwischen Kreativität und handwerklicher Arbeit.

Es ist diese Schnittstelle, die mich beim Schreiben am meisten Kraft kostet. Wenn’s drum geht, Ideen passend zu machen, geht unglaublich viel Energie drauf. Es sind dies die schönsten Momente im Beruf eines Autors, wenn man eine gute Idee hat – und auch die schrecklichsten.

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Michael sagt:

    Nun, das politische Manifest in der Fantasy-Story (alá Miéville) oder der transsexuelle Maulwurf könnten ja auch der Schritt zur Genialität sein …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s