Die Entstehung eines PERRY-Romans (15)

Während der kommenden Wochen erzähle ich über die Arbeit an meinem nächsten PERRY RHODAN-Roman. Diese kleine Blog-Serie soll über die einzelnen Arbeitsschritte, über Leid und Freud beim Schreiben informieren, über Hemmnisse und Hindernisse und Erfolgserlebnisse.  

So. Das Manuskript ist fertiggetippt. Ich hab die Zahl der gewünschten Anschläge ziemlich genau erreicht. Eigentlich bin ich sogar ein bißl drüber, aber das ist schon in Ordnung. Es schadet nie, ein wenig „Fleisch“ zu haben, das man beim Korrekturdurchlauf wegschnipseln kann.

Meine derzeitige Befindlichkeit ist ähnlich wie bei jedem anderen Roman, den ich bislang fertiggeschrieben hab: Ich fühle mich unsicher und bin überhaupt nicht zufrieden mit dem, was ich zusammengebracht habe.
Über das Thema der Unzufriedenheit hab ich schon in einem früheren Blogeintrag geschrieben, ich will diese Qualen nicht nochmals thematisieren. (siehe Blog-Eintrag 13) Aber es ist schon recht unangenehm, wenn sich am Ende der Schreibarbeit (fast) immer ein Gefühl der Frustration einstellt.

Heute und morgen geht’s also um den großen Korrekturdurchlauf. Ich hatte mir während der laufenden Arbeit bereits ein paar Notizen gemacht. Da geht es um Inhalte, die das Expo vorgibt und die ich bis jetzt nicht untergebracht hab. Um Anschlüsse, die einfach nicht passen. Um Situationen innerhalb des Textes, die aufeinander abgestimmt werden müssen.
So habe ich zum Beispiel in Kapitel 8 etwas geschehen lassen, das nicht mit dem übereinstimmt, was ich in Kapitel 4 behaupte. Leider reicht es in diesem Fall nicht, ein paar Worte zu streichen oder zu ergänzen. In diesem speziellen Fall muß ich recht tief in die Substanz reingreifen und dem Text eine neue/andere Wendung geben.

Ich erlaube mir an dieser Stelle einen riesengroßen Seufzer, denn ich hab einen Bock geschossen, den ich mal die Sache mit dem Untertitel nenne. Schuld daran ist mein schrecklich schlechtes Gedächtnis.
Ich hatte Titel und Untertitel vor circa zwei Wochen mit meinem Redakteur durchbesprochen und war recht zufrieden mit dem Ergebnis. Die Sache war abgehakt, ich konzentrierte mich auf die Schreibarbeit – und vergaß völlig, was im Untertitel vorgegeben ist.
Im Text baute ich locker-flockig ein Geheimnis auf, das ich etwa im letzten Viertel des Manuskripts aufklären wollte. Ohne daran zu denken, daß dieses Geheimnis gar keines sein kann, weil seine Auflösung bereits im Untertitel angekündigt wird.
Ich muß also eine Menge Text neu schreiben – und dabei immer die eigentliche Romanstruktur im Auge behalten. Was das an Arbeit bedeutet, kann wohl nur jemand einschätzen, der selbst professionell schreibt …
Naja. Ich bin derartigen Kummer mit mir selbst gewöhnt.

Ein weiteres Thema bei Korrekturarbeiten ist, daß ich gegen Ende der Arbeit schon lange nicht mehr weiß, was ich zu Beginn der Arbeit alles geschrieben und behauptet habe. (Ich sag’s nochmals: Ich hab ein Gedächtnis wie ein Sieb.)
Figuren verändern sich oftmals im Laufe der Schreibarbeit. Schließlich ist es knapp drei Wochen her, daß ich mich erstmals mit einigen von ihnen auseinandergesetzt habe. Dazwischen ist viel geschehen. Karlo (siehe Blog-Eintrag 9), Minnie (siehe Blog-Eintrag 11) und wie meine Helden alle heißen, sind von bloßen Gedankenkonstrukten zu – hoffentlich – bunten und starken Persönlichkeiten geworden. Wenn ich nun an den Beginn meines Textes zurückgehe, erscheinen sie mir oft blass und fadenscheinig. Also muß ich in früheren Szenen oft nacharbeiten und dafür sorgen, daß ihre Charaktere homogen wirken.

Ich mache die Korrekturarbeiten übrigens anhand eines Papierausdrucks. Ich kritzle sechzig, siebzig Manuskriptseiten händisch voll und übertrage diese Änderungen anschließend ins Netbook.
Kollegen von mir machen ihren Korrekturdurchlauf direkt am Bildschirm. Ich hab das eine Zeitlang selbst versucht und mußte feststellen, daß mir dabei viel zu viele Fehler durchrutschten. Ich muß das Papier fühlen, ich muß bewußt mit einem Stift arbeiten.  Ihr könnt mich gerne auslachen – aber mit einer Füllfeder erziele ich dabei die besten Resultate. Das Schreiben mit der Feder hat für mich eine besondere Qualität und geschieht viel aktiver.

Hier geht’s zu Blog-Eintrag 14

 

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2 thoughts on “Die Entstehung eines PERRY-Romans (15)

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