Interview mit … Dietmar Schmidt

Dietmar war vor nunmehr drei Jahren bei einem meiner Schreibcamps zu Gast. Dietmar muß man einfach mögen. Er ist ein ungemein sympathischer Kerl, der so richtig auflebt, wenn es um seinen Beruf als Übersetzer und um seine große Liebe geht, das Schreiben. Dann kann er schon mal stundenlang begeistert über die Möglichkeiten eines HÜ-Schirms bei PERRY RHODAN reden.
Für die Mini-Serie TERMINUS wurde er von Uwe Anton ins Autorenteam berufen. Über die Arbeit an seinem ersten Roman, der diese Woche mit der Nummer 5 erscheint, gab er mir bereitwillig Auskunft.

Michael Marcus Thurner: Dietmar, erst einmal meine allerherzlichsten Glückwünsche zur Berufung ins Autorenteam der Miniserie PERRY RHODAN-Terminus!
Wir haben schon einmal ausführlich geplaudert, vor bald drei Jahren. Damals ging es grundsätzlich um deine Arbeit als Übersetzer für den Bastei-Lübbe-Verlag und dein Verhältnis als Fan zur PERRY RHODAN-Serie. Verrate doch mal, wie es zur Berufung zum Autor gekommen ist. Ich vermute, dass alles mit einer STELLARIS-Geschichte begonnen hat, die vor einigen Jahren erschienen ist?

Dietmar Schmidt: Dass es dazu gekommen ist, habe ich auch dir zu verdanken. Aus dem Schreibcamp bei dir und Marc A. Herren konnte ich sehr viel mitnehmen. Ich habe immer noch nicht alles so umgesetzt, wie ich es mir vorstelle.

Meine erste STELLARIS-Geschichte schrieb ich, nachdem Uwe Anton es mir bei einem Kurzgeschichtenseminar in Wolfenbüttel vorgeschlagen hatte. Ich hatte mich selbst noch gar nicht so weit gesehen, aber ich habe beim Verfassen und x-maligem Überarbeiten und vor allem Kürzen sehr viel gelernt. Ich bekam ein bisschen – meist positive – Resonanz, und nach eurem Schreibcamp verfasste ich die zweite Geschichte. Marc ließ mich für die Miniserie PERRY RHODAN-Arkon recherchieren, und ich arbeitete ein paar altbekannte Planeten etwas ausführlicher aus.

Letztes Jahr kam die Frage von Uwe Anton, ob ich bei einer Miniserie mitschreiben möchte. Der damalige Arbeitstitel lautete »Laurin«. Ich sagte sofort zu, obwohl ich noch nicht wusste, wie ich das mit meinem Hauptberuf als Übersetzer würde vereinbaren können, aber ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Irgendwie würde es schon gehen. Dieses Irgendwie hieß letzten Endes sehr lange Arbeitstage ohne Wochenende – aber ich würde es jederzeit wieder tun.

 Michael Marcus Thurner: Als Übersetzer (unter anderem von Werken Ken Folletts, Dan Browns und Neil Gaimans) beschäftigst du dich sehr intensiv mit Texten und den Strukturen eines Romans. Helfen dir diese Erfahrungen denn auch beim Schreiben oder haben diese beiden Berufe gar nichts miteinander zu tun?

Dietmar Schmidt: Die Textarbeit hilft sehr, weil man als Übersetzer ein gewisses Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln und verschiedene Sprachebenen beherrschen muss – damit der Charakter einer Figur in ihren Aussagen rüberkommt. Als Autor braucht man ein solches Rüstzeug natürlich noch viel mehr.

Viel lernen kann man von guten Autoren auch aus der Erzählstruktur eines Romans, etwa, wenn man sich genauer ansieht, wo jemand seinen Helden erst einmal eine Schlappe erleiden lässt und wie das emotional auf den Leser wirkt.

PR_Terminus05-418b483cMichael Marcus Thurner: Kommen wir zu deinem Roman, zu PERRY RHODAN-Terminus 5, der den Titel »Im Sonnenpalast« trägt. Wie ist die Arbeit an deinem ersten Manuskript gelaufen, das du nach einem Fremd-Exposé geschrieben hast? Gab es Schwierigkeiten, wie waren so die Erfahrungen mit den Kollegen und mit dem Expokraten Uwe Anton?

Dietmar Schmidt: Den Herrn Expokraten habe ich als Übersetzer bei Lübbe schon vor vielen Jahren kennengelernt, und ich glaube, wir liegen auf einer Wellenlänge. Ich muss sagen, die Zusammenarbeit läuft ganz hervorragend. Wir, also Uwe, einige Autoren, ein Technikexperte und jemand, der nicht genannt werden möchte, stehen seit dem vergangenen Jahr in Kontakt und haben uns immer wieder über PERRY RHODAN-Terminus ausgetauscht.

Hauptsächlich lief das über E-Mail, aber es gab auch ein sehr produktives persönliches Treffen bei Uwe in Wuppertal. Ich habe also das Werden der Miniserie mitverfolgt und auch Hintergrundmaterial zusammengestellt. Aus diesen Recherchen entstehen die Beiträge im »TERMINUS-Magazin«.
Bei den Romanen gibt Uwe das Exposé vor, aber er ist offen für Änderungen und Ideen, wenn sie dem großen Plan nicht widersprechen. Deshalb stecken im »Sonnenpalast« auch viele Ideen von mir.

Ich habe festgestellt, dass ich nach solch einem Exposé ganz gut schreiben kann, denn es bildet eben kein Korsett, das einen einengt. Anfangs dachte ich, ich schaffe das nie, in der knappen Zeit bekomme ich niemals so viele Anschläge zusammen, geschweige denn einen lesbaren Roman. Aber irgendwann kann man doch »ENDE« tippen – und dann geht die Überarbeitung los.
Im Moment schreibe ich an TERMINUS Band 10 und denke auch wieder, »ich schaffe das nie«.

Michael Marcus Thurner: Du hattest eine ganz, ganz tolle Figur für deinen Roman zur Verfügung. Ich rede von Alaska Saedelaere. Und zwar nur wenige Jahre nach seinem Transmitter-Unfall, der ihn dazu zwang, eine Maske aufzusetzen. Ehrlich gesagt beneide ich dich um die Möglichkeit, diesen noch blutjungen Saedelaere charakterisieren zu dürfen.

Wie bist du mit ihm zurechtgekommen, wie sehr konntest du dich mit ihm anfreunden? Wie beurteilst du diese Figur, eine der beliebtesten im PERRY RHODAN-Kosmos?

Dietmar Schmidt: Alaska ist für meinen Geschmack eine der großartigsten Figuren der ganzen Serie. Er personifiziert den vielbeschworenen »Sense of Wonder«, den man in epischer SF findet und genießt. Ich könnte jetzt von Zeitbrunnen und Anzügen der Vernichtung schwärmen, aber mit dem kosmischen Menschen Alaska Saedelaere haben wir bei PERRY RHODAN-Terminus gar nichts zu tun. Na ja, eine Anspielung habe ich untergebracht.

Wie du schon sagst, Saedelaere ist jung, gerade 30, und seine großen Erlebnisse stehen ihm noch bevor. Er hat zwei Jahre zuvor einen furchtbaren Unfall erlitten und ist durch die Maske, die er tragen muss, von der ganzen restlichen Menschheit getrennt. Ein Außenseiter beißt sich durch – das hat mich als Teenager sehr angesprochen, und jetzt darauf zurückgreifen zu dürfen, war für mich eine sehr emotionale Erfahrung. Das hat mich überrascht.

Michael Marcus Thurner: PERRY RHODAN-Terminus setzt vor Beginn des Cappins-Zyklus (Band 400 bis 499) an. Man siezt sich, es gibt zackige militärische Umgangsformen, Strukturen und Hierarchien sind viel straffer … Täuscht mich der Eindruck, oder hattet ihr Autoren so richtig großen Spaß damit, die »guten, alten Zeiten« mal wieder aufleben zu lassen?

Dietmar Schmidt: Die Miniserie spielt zwischen Band 400 und 401. Als ich PERRY RHODAN zu lesen begann, erschienen diese Hefte gerade in der 3. Auflage. Für mich ist dieser Anfang als Autor also eine Rückkehr zu meinen Anfängen als Leser, und der Retro-Aspekt hat mir großen Spaß gemacht. Waring-Konverter, das ATG-Feld, die Temporalschleuse … als ich Jugendlicher war, hat all das auf mich einen großen Reiz ausgeübt, und jetzt darf ich selbst darüber schreiben. Was will man mehr? So ein Erstlingsroman ist vielleicht auch immer Hommage. Unter den klassischen Autoren sind William Voltz und K. H. Scheer meine Lieblinge, und ich habe mich gefreut, dass ich Aspekte von beiden im »Sonnenpalast« unterbringen konnte.

Was das Militärische angeht, habe ich mich damit schon für etliche Übersetzungen befassen müssen, und in meinem Roman habe ich es durchaus in den Vordergrund gestellt. Für mich ist auch das eine fremde Welt, die ich wegen meiner starken Kurzsichtigkeit selbst nie erlebt habe. Als Ungedienter kann ich mit dem Militär vielleicht unbefangener umgehen als jemand, der seine achtzehn Monate Wehrpflicht ableisten musste. Ich war übrigens ganz überrascht, dass in den alten Heften sogar Alaska Saedelaere einen militärischen Dienstgrad hatte.

Michael Marcus Thurner: Musstest du bei der Arbeit viel recherchieren und Romane nachlesen, oder hattest du Band 400ff noch gut genug im Kopf?

Dietmar Schmidt: Leider nein. Ich wusste natürlich noch, wer Dabrifa war oder was unter einem ATG-Feld zu verstehen ist, aber die Einzelheiten waren doch vergessen. In Herbst und Winter habe ich deshalb ziemlich viel aus dem Cappins- und dem Schwarm-Zyklus gelesen, dazu noch Taschenbücher; Robert Feldhoff hat zwei Romane geschrieben, die im Imperium Dabrifa spielten. Zum Glück gibt es die »Zeitraffer«, und auch die Perrypedia hat sich als unschätzbar wertvoll erwiesen.

Ich habe versucht, im Roman möglichst viel von den »historischen« Dingen unterzubringen. Bei PERRY RHODAN ist mir persönlich immer auch die Kontinuität wichtig, aber gleichzeitig ist die Materialfülle so gewaltig, dass man irgendwo immer etwas übersieht.

Michael Marcus Thurner: Ich kenne dich als sehr gewissenhaften Autor, der schon mal mehrere Stunden lang über technischen Details grübeln und nach der passenden Auflösung einer Situation suchen kann. Das ist eine immense Stärke, die aber auch rasch dazu führt, dass man sich selbst im Weg steht und zu Tode recherchiert. Wie bist du mit diesem Problem bei PERRY RHODAN-Terminus 5 umgegangen?

Dietmar Schmidt: Ja, ich weiß genau, was du meinst … Die Recherche hatte ich, wie gesagt, zum Glück schon vorher erledigt, und für technische Fragen haben wir mit Peter Dachgruber einen Experten, der unglaubliche Lösungen aus dem Ärmel schüttelt. Man muss es hier auch einmal deutlich sagen: Uwe Anton hat ein großartiges Team zusammengezogen, man hilft und unterstützt sich, das ist einfach große Klasse.

Als ich den Roman schrieb, habe ich wieder festgestellt, wie wichtig es ist, seine Figuren zu kennen – so vieles ergibt sich dann ganz natürlich und ohne dass großes Nachschlagen erforderlich wäre.

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Dietmar mit Neil Gaiman (Photo: Susanne Ertl)


Michael Marcus Thurner:
Zum Abschluss muss ich dich natürlich fragen: Wie soll es weitergehen mit deiner Karriere als Schriftsteller? Ist das ein Berufsziel, oder siehst du deine Autorentätigkeit bloß als Abwechslung/Alternative zur Übersetzertätigkeit? Gab es da nicht mal Pläne zu einer eigenen SF-Serie, die du schreiben wolltest …?

Dietmar Schmidt: Die Übersetzertätigkeit werde ich wohl nicht aufgeben, aber ich will auf jeden Fall weiter schreiben. Für »Im Sonnenpalast« habe ich eine Raumschiffbesatzung entwickelt, die auch in Band 10 eine Rolle spielt, und ich hatte zwischendurch eine Erzählung um die gleichen Figuren angefangen, für den Roman aber erst einmal unterbrochen. Mal sehen, was daraus wird.

Meine eigene SF-Serie besteht mittlerweile aus drei Romanen in unterschiedlichen Stadien des Unvollendetseins und aus einer Handvoll Kurzgeschichten, die noch einen letzten Schliff verlangen. Das ist zugunsten von PERRY RHODAN in den vergangenen acht Monaten arg ins Hintertreffen geraten. Wenn ich mir dein Blog so ansehe, geht es mir wohl ähnlich wie dir, Michael: Am besten arbeite ich, wenn der Abgabetermin droht.

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