Der Flakturm

Beim Surfen im Web bin ich unlängst wieder auf ein Photo gestoßen, das Leo Lukas und mich zeigt und das einige Erinnerungen hochbrachte. An die Dreharbeiten zu „Perry Rhodan – Unser Mann im All“ von der Florianfilm GmbH. Sie fanden im Frühjahr 2010 statt, in Wien, und zwar auf dem Dach jenes Flakturms/Feuerleitturms, in dem heute das Haus des Meeres untergebracht ist.

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Ich kenne das Haus des Meeres seit meiner frühesten Kindheit. Es war damals auf zwei oder drei Stockwerken im Inneren des 47 Meter hohen Turms untergebracht; heutzutage wird beinahe das gesamte Turm-Innere genutzt. Es gibt ein riesiges Haibecken, ein außen angepfropftes Tropenhaus, Amphibienbereiche … Das Haus des Meeres ist sicherlich eine ganz besondere Attraktion für Wien-Besucher. Zumal es sich nun mal um einen von sechs Flaktürmen handelt, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Wien bestehen.

Fertiggestellt wurde der Turm 1944. Er war der Feuerleitturm. (Der dazugehörige Geschützturm befindet sich im Innenhof der Stiftskaserne, wenige hundert Meter entfernt, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.)
Im Inneren und in den Kelleranlagen fanden gegen Ende des Krieges bei Luftwaffenangriffen die Bewohner der umliegenden Bezirke Schutz. So auch meine Großmutter, mit meiner Mutter und meinem Onkel an der Hand. Sie drängten sich eng an eng in feuchte, niedrige Räume, umgeben von mehrere Meter dickem Stahlbeton.
Wenn ich meine Oma nach ihren Erfahrungen im Inneren des Bunkers fragte, wußte sie nicht viel zu sagen. Es wäre immer viel Angst mit dabei gewesen und viel Hektik, sobald der Kuckucksruf im Radio ertönt sei. Sie hätte dann die beiden kleinen Kinder und ein paar vorbereitete Sachen in einem Koffer geschnappt und wär gelaufen, gemeinsam mit vielen anderen Leuten, alle in dieselbe Richtung. Immer in der Hoffnung, es ja noch rechtzeitig vor Beginn der Bombardierung aus der Luft zu schaffen. Dann wäre sie einige Stunden bei Notlicht im Inneren gesessen. Das Gefühl mit all dem Gewicht des Bunkers auf ihren Schultern wäre erdrückend gewesen, und sie wäre eh viel lieber im Keller ihres Mietshauses zurückgeblieben, wenn die Zeit nicht reichte …

An all das mußte ich denken, als ich für die Aufnahmen der Florianfilm gemeinsam mit Leo Lukas auf dem Dach des Bunkers meine Runden drehte. In einem von Betonmauern umgebenen Rund, in dem 65 Jahre zuvor eine drehbare Flak montiert gewesen war. Unweit davon war ein Schacht im Turm eingelassen, in dem ein Radargerät des Typs „Würzburger Riese“ montiert gewesen war. Niemand zeigte sich mehr auf den Straßen, alles war abgedunkelt, die Bomben fielen …

Es war irrwitzig, auf dem Dach des Flakturms zu stehen und über PERRY RHODAN zu plaudern. Doch irgendwann blies ich durch. Ich atmete frische Frühlingsluft, die Sonne würde bald untergehen. Genoß den Ausblick über weite Teile Wiens bei prächtigem Wetter und schob die trüben Gedanken beiseite.

 

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2 thoughts on “Der Flakturm

  1. Meine Oma sagte mir mal, dass sie nie in den Keller oder einen Bunker gegangen ist. Sie wollte dort nicht verschüttet werden oder vielleicht sogar ertrinken, falls ein Rohr bricht.
    Diese Geschichten muss man weitererzählen, sonst sie sie bald vergessen.

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