Politisches

Öko-Links-Faschist. Gehirngewaschener Marihuana-Partygast. Linkslinker Gutmensch, linkslinke Bazille oder linkslinke Zecke, Linksfaschist, Teil des Systems. Privilegierter Staatskünstler (naja, dazu bin ich nicht bekannt genug, da bin ich nochmal davongekommen). Lügenpresse-Vertrauer. Regimetreuer Schreiberling. Stinkender rotgrüner Rotzling, Asylantinnen-Fickificki.

Das ist so ungefähr die Begriffswelt, mit der man konfrontiert wird, wenn man durch Zeitungs- und Meinungsforen blättert und politische Ansichten wie ich hat.
Na schön, mag sein. So ist er halt, der Mensch … Nein, ist er nicht.

Heute werden Dinge in aller Facebook-Öffentlichkeit weiterverbreitet, die einander früher zwischen Neger- und Judenwitzen am Stammtisch zugeflüstert wurden. Das ist übel. Es bereitet den Boden für mehr und mehr und mehr sprachliche Rücksichtslosigkeit, und irgendwann wird’s nimmer bei der Sprache bleiben. So ist er nämlich, der Mensch.

In ein paar Tagen ist also Wahl. Die Österreicher entscheiden zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen. Ich brauch da nicht lange überlegen, wo ich mein Kreuzerl hinsetz; ich wähle seit geraumer Zeit (und mit einigen Ausnahmen) Grün.
Es sind nicht immer nur die politischen Angebote, die mir bei den Grünen am besten gefallen. Es sind auch so Gründe wie die persönliche Integrität. Mir sind nicht sonderlich viele Grün-Politiker bekannt, die ganze Bundesländer ruiniert haben, die sich persönlich bereichert haben, die mit Anzeigen und Anklagen wegen Wiederbetätigung zu kämpfen haben, die gegen alles und jeden sind.

Das zipft mich so derart an: das „gegen etwas sein“.
Als gelernter Wiener ist man ja mal schnell gegen was: gegen Ausländer allgemein, gegen die Katzelmacher (Italiener), gegen die Piefke und Preußen, gegen die Tschuschen (also alles, was östlich von Österreich lebt), gegen Kanaken.
Aber wir wollen’s noch ein bißl enger fassen. Als Wiener lächelt man über die Burgenländer, weil die sind bekannterweise depperte Landeier. Die Steirer, die bellen beim Reden, so daß kein Mensch sie versteht. Die Kärntner können außer Eishockeyspielen gar nix. Die Tiroler sind Schluchtenscheißer, die Salzburger Stierwascher, die Vorarlberger gehören gar nimmer richtig zu Österreich dazu, diese Gsilandler. (Der Vollständigkeit halber: Der Wiener wird selbstverständlich in den anderen Bundesländern auch gerne und ausgiebig nicht gemocht.)
Und selbst in Wien ist man sich nicht so richtig einig, wer eigentlich Wiener sein darf. Etwa die Leut von jenseits der Donau, aus Transdanubien? Die gehören doch gar nicht richtig dazu, sie sind die Vorarlberger Wiens. Hietzinger, Bewohner der Innenstadt und Döblinger, das sind die Gstopften/Reichen, mit denen wollen wir nix zu tun haben. Die Bewohner der Innenbezirke – alles unerträgliche Bobos. In Ottakring, da sind natürlich viel zu viele Tschuschen zu Haus, wie auch in Rudolfsheim-Fünfhaus, wo überhaupt schon die Ausländer das Kommando übernommen haben … Meine Güte, diese Liste könnte ich fortsetzen, bis ich alle 23 Bezirke durchdekliniert habe. Ich glaub, der richtige und wahre Wiener ist nur in einer einzigen Wohnung zu Hause, und zwar in meiner.

So schaut’s aus, und das mag ich einfach nicht. Ich will jemanden als Staatsoberhaupt, der verbindet und nicht trennt. Der das Schöne und das Gute hervorhebt. Der eine positive Atmosphäre schafft. Nicht jemanden – und ich wiederhole das, damit es wirklich klar wird -, dessen Partei fast ausschließlich vom Opportunismus zehrt. Denn das Gegen-alles-sein, es macht uns häßlich.

 

 

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15 thoughts on “Politisches

  1. … Und überhaupt, die Österreicher 😉 Ich drück‘ euch jedenfalls die Daumen für die Wahl, sonst sind wir hier bald von den Hofers, Le Pens usw. umzingelt.

  2. Kann mich nur anschließen. Vielleicht wäre ins Deutschland auch mal Zeit für einen grünen Bundespräsidenten.
    Ansonsten sieht es hier aber in der politischen Landschaft ähnlich aus. Ich kann nur hoffen, dass die AfD bis zur Bundestagswahl noch deutlich Federn lässt. Im Moment rupfen sie sich ja ganz herrlich selbst, was mir gut gefällt.

  3. Gut gebrüllt, MMT.
    Mit Blick auf das Wahlgeheimnis sag ich nicht, wen ich am Sonntag wähl.
    Aber ich bin heute beim Wahlkampfschlusspunkt vom VdB. Und am Sonntagabend in den Sofiensälen bei der Wahlparty VdBs.
    Grund zum Saufen gibt’s dann so oder so.
    Es sei denn, es wir wieder so ein Cliffhanger wie letztes Mal.

  4. Bei den Italienern ist ja aber gefühlt eh alle sechs Monate ein neuer Präsident dran. Ein bisschen Stabilität hätte denen aber wohl auch gut getan.
    Schauen wir mal, was jetzt kommt. Um das zu schätzen weiß ich aber auch zu wenig über die Zustände der italienischen Politik.

    • Wobei ich gestehen muss, der Renzi hat das gefühlt schon ewig gemacht. Aber das Referendum war wohl zu „dick“ (46 Verfassungsänderungen auf einmal, glaub ich). Das hatte keine Chance.

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