Experimentierfreude (Teil 3)

Seit einigen Tagen sitze ich an einer Kurzgeschichte, die ich ohne irgendwelche Vorgaben oder Expo-Daten schreiben wollte, rein aus momentanen Gemütslagen heraus. Es waren bloß einige Rahmenbedingungen vorgegeben: Die Story sollte im Horror-Genre angesiedelt sein, ich mußte eine bestimmte Figur verwenden, und die Länge sollte ca. 50.000 Anschläge ausmachen. Und ich selbst hatte mir auferlegt, daß die Geschichte in einem bestimmten Haus spielen sollte.

Heute habe ich die Geschichte beendet, durchkorrigiert und an den Verlag geschickt, die Angelegenheit ist vorerst für mich erledigt. Ich warte auf eine Beurteilung – und es kann durchaus passieren, daß sie nicht akzeptiert wird. Schließlich weiß der Redakteur nicht, was ihn erwartet. Ich hatte ihm im Vorfeld nicht verraten, worüber ich schreiben wollte. Wie auch; ich wußte es ja selbst nicht.

Doch zurück zu den gestrigen und heutigen Arbeiten: Zur Mitte der Story geriet ich in Gefahr, zu sehr in Absurditäten abzugleiten. Ich mußte mich gehörig einbremsen und einen relativ radikalen Szenenwechsel vollziehen. Aber ich denke, daß die Geschichte diesen Cut erlaubt. Die Szene, die abschließende Konfrontation zwischen meinen Hauptfiguren, hat gut funktioniert.

Was meinen eigentlichen Plan betrifft, so bin ich eigentlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Zu keinem Zeitpunkt wußte ich so richtig, wie sich der Kreis der Geschichte schließen lassen würde, wie ich sie auflösen würde. Natürlich entwickelte sich während der Schreibarbeit der eine oder andere Gedanke, der sich als nützlich und zielführend erwies. Aber die eigentliche Schlußpointe ergab sich für mich erst, als ich die letzte, große Konfrontation beschrieb. Der Bösewicht, wenn man ihn denn so nennen möchte, zeigte mir mein wahres Gesicht erst im letzten möglichen Moment. Es kam ziemlich überraschend für mich – und ich hoffe, daß die Leser die Auflösung der Story an derselben Stelle erfahren wie ich.

Um die Geschichte abzurunden, mußte ich im Text nachträglich einige Hinweise einstreuen, und das möglichst subtil. Doch das waren angesichts der Unsicherheiten, die ich während des Schreibens hatte, nur noch Kleinigkeiten, die ich im Zuge der Korrekturarbeiten erledigen konnte.
Und so kann ich sagen: Experiment gelungen. Es ist immer wieder schön mitzuerleben, wie die Figuren zu sprechen beginnen und wie sie durch Taten oder Worte ihre Charaktere offenbaren. Ich möchte diese „extreme“ Herangehensweise an einen Text nicht jedes mal einsetzen – aber im Rahmen dieses kleinen Experiments hat sie sich sehr gut bewährt.

 

 

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