Interview mit … Guido Latz

Guido Latz ist Inhaber des Atlantis Verlags, eines äußerst rührigen Kleinverlags, der sich seine Meriten im Bereich der Phantastik erworben hat. Ich hab mich mal mit Guido über seine Arbeit, über Mühen und Plagen eines Verlegers unterhalten.

blog-logoF: Du bist Inhaber und Geschäftsführer des Atlantis-Verlags, den ich mal als einen der größten unter den Kleinverlagen in der deutschsprachigen Szene bezeichne. Die Verlagsgründung erfolgte bereits 1999, seit damals wächst die Backlist stetig an. Im Programm finden sich hauptsächlich Science Fiction-Titel, aber auch Horror-Romane, Alternativwelt-Romane etc. Wo siehst Du selbst die Schwerpunkte des Verlags, welche sind die Zugpferde des Verlagsprogramms?

A: Im Moment liegt der Schwerpunkt im Bereich der Science-Fiction-Romane, und da bei deutschsprachigen Autoren. Nennen wir die Reihen beim Namen: „Kaiserkrieger“ von Dirk van den Boom und „Der Ruul-Konflikt“ von Stefan Burban. Das eine ist eine Alternativwelt-Reihe, das andere eine Military-SF-Reihe.

F: Wie kam es eigentlich zur Verlagsgründung?

A: Da waren die Übergänge fließend. Es begann in der Achtzigern im Horror-Fandom mit einem Club, der dann auch Serien herausgab. Aus dem Club wurde ein Fan-Verlag, daraus dann der Kleinverlag Arkham Press, und am 7.1.2002 erfolgte dann die Anmeldung eines Gewerbes unter der Bezeichnung Atlantis Verlag. Die Verlagsgründung wurde notwendig, weil sich das „Geschäftsfeld“ im Laufe der Jahre weg vom Club über den Fan-Verlag zu einem Verlag mit Serien, Reihen und Sammlungen/Anthologien verlagert beziehungsweise ergeben hat.

F: Gibt es eine Art Leitlinie, oder, anders gefragt, würdest Du bestimmte Genres von der Veröffentlichung im Atlantis-Verlag ausschließen?

A: Ausschließen sollte man nie etwas, da Flexibilität wichtig ist. Ich versuche aber, mich auf das zu konzentrieren, was nachgefragt wird. Wenn man neben derzeit SF und Fantasy auch meinetwegen Krimi ins Programm nehmen wollte, bräuchte man gleich für am besten mehrere Jahre einen Stapel Manuskripte zum Veröffentlichen, damit die Leser sehen, dass der Verlag es ernst meint. Und das müsste man dann auch durchziehen. Ich bekomme aber jetzt schon in den Bereichen Science Fiction und Fantasy im Jahr wenn überhaupt ein oder zwei Manuskripte von Autoren, die dann auch veröffentlicht werden. Die Bandbreite bei Science Fiction und Fantasy ist schon groß genug, da kann man schon mehr als genug Neues innerhalb dieser „Grenzen“ ausprobieren.

F: Auch eines der besten und größten Phantastik-Magazine im deutschsprachigen Raum, die „phantastisch!“, erscheint seit einiger Zeit im Atlantis-Verlag. „phantastisch!“ ist großartig gemacht, aber ist der Markt für ein Sekundär-Magazin im Bereich der Phantastik denn groß genug?

A: Wenn wir ehrlich sind, ist die Phantastische Literatur irgendwo auch eine Nischen-Literatur, das betrifft natürlich dann auch ein Magazin, das sich diesem Thema widmet. Der Markt ist genau so, wie Du schreibst: groß genug. Im Moment. Anmerken kann ich da vielleicht, dass die „phantastisch!“ vorwiegend gedruckt gekauft wird, für die digitale Ausgabe ist schon noch Luft nach oben, wenn man die Situation im Bereich der Romane vergleicht. Das ist ein nettes Beispiel. Ich dachte zu Beginn: Vielleicht kaufen die Leute ja die digitale Ausgabe und weniger bestellen die gedruckte Version. Es kam dann andersrum.

F: Du hast ausgezeichnete deutschsprachige Autoren an der Hand, wie zum Beispiel Uwe Post, Frank W. Haubold oder Christian Endres (um nur ein paar zu nennen). Dirk van dem Boom sticht schon alleine aufgrund der Vielzahl der Veröffentlichungen hervor. Was steckt hinter dieser sehr intensiven Zusammenarbeit mit Dirk?

A: Dirk van den Boom schreibt jeden Tag eine halbe Stunde. Wie viel Stefan Burban jeden Tag schreibt, weiß ich nicht. Um etwas zu veröffentlichen, muss man schreiben und abliefern. Das hört sich jetzt lapidar an, aber es gibt Autoren (habe ich mehrfach gehört) die posten bei Facebook, dass sie schreiben und demnächst was veröffentlichen. Die Manuskripte sieht dann weder jemals ein Verlag noch der Leser das Buch; aber man hat sich bei Facebook wenigstens gefreut und auf die Schultern geklopft…

Dirk und Stefan liefern Manuskripte ab (Stefan hat das auch schon ohne Vorankündigung gebracht, mir ein fertiges Manuskript zu schicken, von dem ich bis dahin nichts wusste). Das ist gut, denn die Leser wollen bei Reihen weiter lesen. Und neue Leser werden meist auch erst auf eine Reihe aufmerksam, wenn ein neuer Roman erscheint.

F: Du veröffentlichst nicht nur deutschsprachige Autoren. Beim Durchblättern des Programms sind mir große Namen wie Kevin J. Anderson, Ursula K. LeGuin, E.C. Tubb und Philip José Farmer untergekommen. Wie gestaltet sich denn der „Kampf“ um die Veröffentlichungsrechte derart prominenter Autoren aus dem englischsprachigen Raum?

A: Bei den übersetzten Romanen gab es keine Kämpfe auszutragen. Ein Programm sollte schon relativ breit aufgebaut sein, und neben deutschsprachigen Autoren auch Übersetzungen ins Programm nehmen, rundet es eben ab. Außer den Neuauflagen der LIADEN-Reihe von Sharon Lee & Steve Miller und einer eventuellen Fortführung der Fantasy-Saga „Die Königreiche Gottes“ von Paul Kearney und dem Werk von E. C. Tubb ist da aktuell aber nichts geplant; bei den anderen von Dir genannten Autorinnen und Autoren handelte es sich um Einzelromane.

F: Wie erarbeitet man sich den Erfolg als Kleinverleger, und was sind für Dich die größten Herausforderungen/Hindernisse?

A: Im Laufe der Jahre habe ich viele Kleinverleger kommen und wieder gehen sehen. Diese haben angefangen zu verlegen, öffentlich verkündet wie super die Verkäufe sind – und dann den Verlag geschlossen; meist heimlich, still und leise und nur selten mit einem öffentlichen Wort, weil die Verkäufe halt nicht super waren.

Natürlich kann man hingehen und denken: ich verlege jetzt mal drei, sechs oder neun Bücher – und die werden alle gut gekauft, und mit den Einnahmen bezahle ich die Druckkosten der drei, sechs oder neun Bücher UND die Kosten für die kommenden Bücher UND für mich ein Haus. Praktisch weiß man vorher nicht, ob sich ein Buch verkauft. Auch ich nicht.

Jedes Buch ist also ein Test, gewissermaßen. Es kann sein, dass es eine Nachfrage gibt, das Buch gekauft wird. Es kann aber auch sein, dass das Buch „floppt“. Das ist immer doof, für alle Seiten. Für den Autor, unter Umständen für den Übersetzer, für den Titelbildzeichner und für den Verlag. Das ist aber etwas, das man nicht ändern kann. Man sollte dies bei der Entscheidung, ob man noch mal ein Buch dieses Autors oder aus diesem Genre bringt, aber im Hinterkopf haben. Allerdings habe ich da auch schon so ziemlich jede Konstellation erlebt. Ein Debüt floppt, und die Nachfolgeromane werden gekauft. Oder umgekehrt. Oder nichts wird von einem Autor jemals gekauft. Oder alles zusammen …

Als Verleger kann man immer nur eins tun: weiter verlegen, und immer wieder an der einen oder anderen Schraube drehen. Und dann muss man sehen, ob das was gebracht hat. Das ständige Weitermachen (-müssen) ist also die größte Herausforderung für einen Verleger – und gleichzeitig das größte Hindernis. Ohne Pause muss man nach Neuem suchen, die eingetroffenen Manuskripte bis zum Drucken und Ausliefern bringen. Und wenn man sich die meisten Verlagsprogramme der kleineren Verlage anschaut, dann passiert dies doch meist nicht, weil halt das Programm bis dahin nicht beim Leser akzeptiert wurde. Man ist aber fest davon überzeugt, dass die Autoren und Bücher nicht schuld sind, und man selbst auch nicht. Die Leser sind schuld, die wissen das Programm nicht zu schätzen. Also macht man entweder nicht weiter oder so wie bisher … Falsch. Natürlich muss man als Verleger hinter seinem Programm stehen, hinter Autoren und Titeln. Aber wenn die Zahlen sagen, dass bestimmte Bücher nicht gekauft werden, dann muss man Entscheidungen treffen. Das macht keinen Spaß, aber anders geht es nicht. Keine Option ist, genau so weiter machen wie bisher.

F: Wie siehst Du die Zukunft Deines Verlages? Gibt es bestimmte Pläne oder Visionen?

A: Ich habe eigentlich aktuell nur den Plan, mich auf die Bereiche Science Fiction und Fantasy zu konzentrieren, auf Einzelromane und Reihen und Serien. Und das in den Formen Hardcover für die Direktkunden, Paperback für den Buchhandelskunden und Ebooks. Das bedeutet schon mehr als genug Arbeit. Was sich dann vielleicht mal ergibt, muss man mal sehen. Mit der „phantastisch!“ und „Phase X“ gibt es darüber hinaus ja noch zwei Magazine, die weiterhin erscheinen. Das eine viermal im Jahr, das andere sporadisch.

F: Wie groß ist der Anteil an Ebooks an den beim Atlantis Verlag herausgegebenen Büchern? Gibt es bestimmte Titel, die sich besonders gut als Ebooks verkaufen?

A: Läuft ein Paperback gut, laufen auch die Ebooks gut. Und umgekehrt. Es werden dann mehr Ebooks als gedruckte Exemplare verkauft, weil ich keine Energie darauf verschwende, die gedruckten Bücher in Buchhandlungen stehen zu sehen. Wenn ein Händler übers Barsortiment oder direkt einkauft und die Bücher bei sich auslegt, dann finde ich das nicht schlecht. Anders als in den Achtzigern und Neunzigern bin ich aber sicher, dass die meisten Leser sich 2015 nicht mehr über Verlagsvorschauen oder Fanzines informieren und dann in einer Buchhandlung mit Hilfe einer ISBN ein Buch bestellen. Läuft ein gedrucktes Buch nicht, geht auch das Ebook nicht. Ebook only geht bei mir gar nicht.

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