Interview mit … Michael Schönenbröcher

Am 19. Mai erscheint er also, der vierhundertste Band der beliebten Romanserie MADDRAX, von Fans und Liebhabern sehnsüchtig erwartet.

Matthew Drax, so der eigentliche Name des US-amerikanischen Piloten, den es durch sonderbare Umstände fünfhundert Jahre in die Zukunft und auf eine postapokalyptische Erde verschlägt. Seit bereits 399 Ausgaben abenteuert er mit seiner Gefährtin Aruula, mit dem lautmalerischen Namen Maddrax versehen, durch eine ihn unbekannte Welt. Er erforscht die tiefsten Meeresböden, gelangt zum Mond und auf den Mars, bekommt es dabei mit den seltsamsten Geschöpfen zu tun …

Geschickt werden von einem Autorenteam Fantasy-Motive mit Science Fiction- und Horror-Versatzstücken kombiniert. Das Resultat ist eine Geschichte, deren Vielfalt wohl einzigartig für eine Romanserie im deutschen Sprachraum ist. Ich habe mit dem für MADDRAX zuständigen Redakteur Michael “Mike” Schönenbröcher ein längeres Interview geführt.

MikeMike, der Grund für dieses Gespräch ist rasch gefunden: Es geht um den Jubiläumsband 400 der Serie MADDRAX. Ganz spontan – welche Gedanken kommen Dir zuallererst in den Sinn? Ist es Freude, Stolz, Genugtuung?

Klar freue ich mich, dass sich MADDRAX auch nach 15 Jahren noch auf dem Markt behauptet, allen Unkenrufen zum Trotz. Stolz bin ich auf das Universum, das wir damit geschaffen haben, und dass es uns gelingt, immer wieder Handlungsstränge mit früheren Begebenheiten zu verknüpfen, die eigentlich gar nicht geplant waren, sich aber perfekt einfügen. Was ich gar nicht empfinde, ist Genugtuung. Worauf auch? Ich habe noch andere schöne Serienideen, und wenn MADDRAX eines Tages endet, stürze ich mich mit dem gleichen Elan in das nächste Projekt.

Band 1 der Serie, „Der Gott aus dem Eis“, hat Jo Zybell vor mehr als 15 Jahren geschrieben. Meines Wissens konnte sich keine Romanserie in neuerer Zeit so lange so erfolgreich am Markt halten. Warum hat es ausgerechnet MADDRAX geschafft? Was ist deiner Meinung nach das Erfolgsrezept?

Schwer zu sagen. Irgendwie scheint die Serie mit ihrem Genre-Mix – Science Fiction, Grusel, eine Prise Fantasy und viel Abenteuer – doch einen Nerv getroffen zu haben. Doch ohne gute Geschichten von begabten Autoren kann sich keine Serie lange halten. Und dass wir gute Autoren hervorgebracht haben, sieht man allein schon daran, dass einige – leider, leider – MADDRAX verlassen haben, um Hardcover oder für PERRY RHODAN zu schreiben. Das schaffen nur die Besten. Glücklichweise “wachsen” ja neue Autoren nach. Aber ein bisschen wurmt es mich schon.

Du bist neben Jo Zybell einer der konzeptionellen Väter der Serie, Du betreust sie seit Anbeginn als Redakteur. Hand aufs Herz: Siehst Du MADDRAX als „Dein“ Lieblingskind?

Jede meiner selbst- oder mitkonzipierten Serien war zu ihrer Zeit mein Lieblingskind. DER HEXER (mit Wolfgang Hohlbein), TRUCKER-KING, DÄMONEN-LAND, DIE ABENTEURER (mit Hubert Haensel), DINO-LAND, DIE UFO-AKTEN oder VAMPIRA (mit Manfred Weinland) – sie alle lagen mir am Herzen. Aber MADDRAX nimmt in dieser Liste schon eine Sonderstellung ein; schon deswegen, weil es meine bisher langlebigste Serie ist.

Was begeistert Dich selbst am meisten an der Serie? Ist es der Abwechslungsreichtum, die Figuren, das Setting, eine Mischung aus alledem?

Es ist wohl die unübertroffene Bandbreite. Bei MADDRAX kann alles vorkommen, von Zombies und Guuls über raumfahrende Marsianer und Parallelwelten, die Erforschung antiker Stätten oder des Jenseits bis hin zu abgedrehten Weihnachtsgeschichten mit diebischen Zwergen oder den grimmschen Märchenfiguren. Nenn mir eine andere Serie, in der das möglich ist. Aber auch das Helden-Duo – dessen weiblicher Part auch mal für einige Zeit gewechselt hat – ist meines Erachtens am Erfolg beteiligt. Gerade weil Matthew Drax ein Mensch mit Schwächen ist, der beim Heldenspielen auch mal böse auf die Nase fällt, ist er vielen sympathisch. Und die Kritik mancher Leser, er wäre nicht definiert genug, hilft andererseits, seine eigenen Vorstellungen in ihn hinein zu projizieren.

Lass uns nun zu Band 400 kommen. Autor ist Oliver Fröhlich. Wie bist Du mit seiner Arbeit zufrieden?

Einer meiner besten Autoren. Ich konnte mir keinen besseren für die Aufgabe vorstellen, den Neustart der Serie einzuläuten, und der fertige Roman hat das bestätigt. Leider trägt er sich mit dem Gedanken, in Zukunft aus beruflichen Gründen kürzer zu treten und dann fast ausschließlich für eine andere SF-Serie – ich hatte sie oben schon erwähnt – zu schreiben. Das wäre ein wirklich schwerer Verlust, und ich hoffe ihn noch überreden zu können, MADDRAX treu zu bleiben.

Oliver schlägt mit dem Jubiläumsband wieder mal ein völlig neues Kapitel in der Geschichte des ehemaligen Risikopiloten Matthew Drax und seiner Freunde auf. Was erwartet den Leser an Neuigkeiten? Ist der Band denn auch einsteigerfreundlich?

Es ist der bislang wohl einsteigerfreundlichste MADDRAX überhaupt. Weil es absolut kein Vorwissen braucht, um die Helden in dieses neue Abenteuer zu begleiten. Trotzdem fügen wir dem auf 80 Seiten erweiterten Jubiläumsband die Kurzfassung der bisherigen 399 Romane bei. Ist halt ein nettes Gimmick und macht deutlich, wie abwechslungsreich MADDRAX ist.

MX400_LogoDaran anschließend gleich die Frage: Was kann ein Neuleser denn im kommenden Zyklus erwarten? Liegt die Betonung mehr auf Fantasy oder Horror, auf Science Fiction – oder erwartet ihn wieder der MADDRAX-übliche Genremix?

Fakten aus dem Zyklus kann ich verständlicherweise noch nicht verraten. Nun ja, so viel zumindest: Das Grundkonzept des Genre-Mix wird in anderer Form beibehalten und der diesmalige Schwerpunkt liegt nur vordergründig auf der Science Fiction. Das wird dem Leser schon nach wenigen Bänden klar werden, und ich hoffe, dass er sich dann – nach dem doch radikalen Schnitt – ebenso in den Romanen zuhause fühlt wie bisher. Zumal Matt und Aruula nicht die einzigen Figuren bleiben werden, die es aus dem letzten Zyklus in den neuen schaffen.

Wie lange soll denn der mit Band 400 beginnende Handlungszyklus laufen?

Wir haben uns ganze hundert Bände vorgenommen, also bis 499. Weil wir davon überzeugt sind, dass es genügend Ideen und Wendungen gibt, die man darin unterbringen kann. Zur Zyklenmitte erwartet die Leser dann eine Überraschung, die wir bereits in Band 398 angedeutet haben. Du siehst, die Planung hat schon recht konkrete Züge.

Werden denn alle Protagonisten und Antagonisten in den neuen Zyklus hinübergerettet oder gibt es Verluste, vielleicht sogar schmerzliche?

“Verluste” in der Form, dass jetzt ein Massensterben einsetzt, gibt es nicht. Aber es werden nur wenige Charaktere sein, die den beiden Helden folgen können, bzw. schon vor Ort sind. Darüber hinaus habe ich für eine bestimmte Spezies in den Bänden ab 411 eine Idee, die ich noch ausarbeiten muss. Da werden wieder Verknüpfungen fällig, mit denen keiner von uns gerechnet hatte.

Jubiläumsbände sind für den Verlag immer eine Gelegenheit, dem Leser etwas Besonderes zu bieten. Was für Extras darf man denn erwarten? Stehen diese Extras auch dem Ebook-Leser zur Verfügung?

Zusätzlich zu den oben schon erwähnten 80 Seiten und einer Kurzfassung der kompletten Serie wird es eine Liste sämtlicher MADDRAX-Publikationen, eine neue Madduckx-Comicseite von Matthias Kringe, ein umlaufendes Cover mit Mini-Poster auf der Innenseite und ein Preisausschreiben geben. Außerdem wird die Zeitleiste, die mit Band 355 pausieren musste, fortgesetzt. Bis auf das Poster werden alle Gimmicks auch im eBook abrufbar sein. Ob allerdings auch das ganze umlaufende Cover zu sehen sein wird, weiß ich nicht.

Das MADDRAX-Team ist stetigem Wandel unterworfen. Gerade in den letzten drei, vier Jahren ist eine neue Generation an Autoren herangewachsen. Siehst Du für die nächste Zeit mehr Stabilität, oder ist Dir das vielleicht gar nicht so unrecht, wenn viele verschiedene Kollegen bei MADDRAX ihre Spuren hinterlassen?

Es wird wohl auch weiterhin Fluktuation geben, das lässt sich heutzutage gar nicht vermeiden. Einige der Autoren und -innen sind “nebenher” sehr rege, leiten eigene Kleinverlage oder schreiben eBook-Serien und Bücher. Der Kampf um jede Einplanung raubt mir manchmal den letzten Nerv, wenn zwar auf dem Papier zehn, elf Autoren zur Verfügung stehen, aber nur zwei oder drei Zeit haben. Das führt manchmal dazu, dass ich mit einem der Autoren zusammen einen Roman schreibe – so geschehen beim MX 399 mit Sascha Vennemann – oder das komplette Kapitelexposé entwerfe, sodass der Autor damit keine Zeit verliert.

Es ist heutzutage nicht leicht, Leser für Romanserien zu begeistern. Gib mir mal ein paar Gründe, warum jemand zu MADDRAX greifen sollte.

Weil nix Vernünftiges im Fernsehen läuft? (lacht) Nein, ehrlich, die Crux bei den Romanheften ist, dass tatsächlich immer weniger gelesen wird und die Leute lieber Filme schauen oder videospielen. Wir sind auf jene angewiesen, die den Vorteil des Kopfkinos erkannt haben und die phantastischen Welten nicht als Fast Food konsumieren, sondern dabei ihren Grips benutzen wollen. Wer sich für die Phantastik in all ihren Ausprägungen interessiert, der sollte MADDRAX eine Chance geben. Wie gesagt, der neue Zyklus ab Band 400, der am 19. Mai in den Handel kommt, bietet die optimale Möglichkeit zum Einstieg.

Wagen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft. Der Weg führt eindeutig Richtung Band 500. Gibt es bereits Ideen, die auf diesen „großen“ Jubiläumsband hinführen – oder gar darüber hinaus? Siehst Du denn irgendwann ein konzeptionelles Ende für MADDRAX, also ein Ende aller Ideen?

Eben weil ich da kein Ende sehe – wenn ich keine Ideen mehr habe, sollte man mir den Puls fühlen –, kann ich auch noch nicht sagen, wohin die Reise ab Band 500 gehen wird. Ich weiß, wie der neue Zyklus endet, aber das nächste Abenteuer liegt noch hinter dem Horizont. Stürzen wir uns erst mal in das, was jetzt vor uns liegt, und helfen wir den Helden, es mit halbwegs heilen Knochen zu überstehen.

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One thought on “Interview mit … Michael Schönenbröcher

  1. Da muss man einfach gratulieren. Bin zwar nie mit dem Thema warm geworden, da zu wenig SF, dafür habe ich das Spinoff Mission Mars gelesen.

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