Interview mit … Hans Greis (Teil 1)

Hans Greis ist Gründer und Geschäftsführer der Eins A Medien GmbH, die sich seit vielen Jahren mit den Hörbuch-Umsetzungen der PERRY RHODAN-Romane beschäftigt. Hier findet sich der erste Teil des Interviews, der zweite Teil folgt morgen.

Viel Spaß beim Lesen!

prod_1172502_2418139_2F: Hans, Eins A Medien, Deine Firma, ist ein Betrieb, an dem man als PERRY RHODAN-Fan nicht mehr vorbeikommt. Du vertreibst Hörbücher der Erstauflage, die aktuell und damit parallel zu den Heftromanen erscheinen, Hörbücher der Silberbände, Hörbücher mancher ATLAN-Serien, Hörbücher der NEO-Bände … Das alles gibt’s in Form von CD-Silberlingen, aber auch als Download. Seit kurzem hast Du auch Ebooks ins Programm genommen, und dann gibt’s noch die Sammelbild-Alben.

Zuallererst möchte ich ein wenig über Dich persönlich wissen. Wo kommst Du her, was hat Dich auf die Idee gebracht, einen Hörbuchverlag zu gründen? Wie sieht es mit Deiner persönlichen Verbundenheit zur PERRY RHODAN-Serie aus?

A: Wie ich zu Perry kam – oder er zu mir: Was soll ich sagen, ohne einen Roman schreiben zu müssen …

Mein Leben begann mit einem Abenteuer und ich durfte den Thrill sozusagen mit der Muttermilch einsaugen… Meine Eltern stammen aus Köln (Vater) und aus Süddeutschland (Mutter). Mein Vater wurde zu Kriegsbeginn verletzt und blieb durch die Reha in Erfurt hängen, was dann bekanntlich nach dem Krieg sowjetisch besetzte/verwaltete Zone wurde. Meine Eltern wollten allerdings zurück  in den Westen und gingen über die ‚grüne Grenze‘ (die Mauer kam erst später).

Aber sie gingen getrennt, um nicht (Achtung: Flüchtling) aufzufallen. Mein Vater und mein älterer Bruder besuchten offiziell nur die Familie in Köln, meine Mutter blieb – quasi als Geisel – brav mit mir in Erfurt. Um dann zwei Wochen später mit mir nachts über die grüne Grenze zu schleichen – die gesamte Habe blieb bis auf eine Tasche im Osten zurück. In dieser Nacht infizierte ich mich wohl mit dem Thrill-Virus …

Ich bin am Stadtrand von Köln (das letzte Haus vor dem großen Wald) und neben dem Friedhof wild aufgewachsen – ohne schwere gesundheitliche Schäden davonzutragen …

Ungefähr im Alter von zehn Jahren kam dann ein bewusstseinsverändernder Tabubruch: Seit dem ersten Schuljahr fand ich den erwähnten Thrill schon in und auf bedrucktem Papier. (Der Anbau der katholischen Pfarrbibliothek kam wohl nur durch den andauernden Druck meiner massiven wöchentlichen Ausleihaktionen zustande.) Aber zum Tabu: Mein bester Freund zwei Häuser weiter schleppte mich eines Tages (holla!) ins Schlafzimmer seiner Eltern (gruselig!). Dann öffnete er den Kleiderschrank (Hilfe!) und zog eine große Plastiktüte heraus (wenn jetzt einer kommt!?). Darin befand sich ein riesiger Stapel Heftchen (Scheiß drauf, sagte die Neugier, her damit!) mit sowohl faszinierenden wie auch verwirrenden Bildern: Menschen mit Helmen auf den Köpfen tummelten sich, mit monströsen Waffen in den Händen, in ebenso monströsen Mond-Landschaften Da gab’s noch mehr Hefte mit Riesen-Raketen und Robotern (ein neues Wort für mich) und Aliens (ein noch späteres neues Wort) und und und …

Mein ausschließliches Lebensziel war in diesem Moment, möglichst viel aus der Tüte abzuschleppen.  Was auch gelang und … Nun ja, die nächsten Wochen sind in der Erinnerung etwas verschwommen.

Ich hatte den Beginn des Meister der Insel-Zyklus in der Hand (unterm Kopfkissen, im Kopf etc.). Dies war ein kleiner Schritt für einen zehnjährigen Pfadfinderlehrling (Wölfling), aber ein großer Schritt für eine im besten Sinne open-minded gestimmte Fantasie-Startrampe namens Gehirn … Und so fing alles an.

F: Wie muß man sich Deine Firma Eins A Medien denn vorstellen?

A: Eins A Medien GmbH ist entstanden aus der älteren Firma Tonstudio Eins A GmbH. Während meines Studiums hatte ich nebenbei beim WDR in Köln gearbeitet – hauptsächlich für den Hörfunk. Durch diese Tätigkeit hatte ich das für den WDR tätige Tonstudio kennen gelernt und dort ebenfalls nebenbei gearbeitet. Mitte der 90er Jahre habe ich das Tonstudio übernommen und eine Zeitlang als Dienstleister für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk sowie Privatkunden gearbeitet.

prod_1156119_2367609_2F: Und wie hat die Zusammenarbeit von Eins A Medien mit den Leuten des PERRY RHODAN-Verlags angefangen? Wie lange ist das nun schon her? Wie groß ist der Betrieb? Bist Du aktiv auf den Chefredakteur Klaus Frick zugegangen und hast ihm vorgeschlagen, Hörbücher zu machen?

A: Die reine Dienstleistung fand ich langweilig und habe mir 2001 überlegt, einen  Hörbuchverlag zu gründen.Ich hatte Literaturwissenschaft studiert und mich in meiner Abschlussarbeit mit unterhaltender Literatur auseinander gesetzt. So entstand bei den Überlegungen für ein Verlagskonzept die Idee, eine Serie als Grundlage des Verlagsprogramms zu nehmen.

Wie schon erwähnt, hatte ich die Serie PERRY RHODAN  in guter Erinnerung und wusste natürlich, dass sie noch existierte. Ein guter Freund kannte zufällig Klaus Frick persönlich und vermittelte ein Gespräch bei Pabel-Moewig vor Ort. Meine Idee und mein Vorschlag waren damals, Hörspiele mit/aus PERRY zu machen.

Wir wurden uns einig, diese Idee umzusetzen – und am 1. Januar 2002 startete Eins A Medien mit dem PERRY-Hörspiel Die Zone des Schreckens.prod_6767_175197_2

F: Die Erstauflagen-Romane werden von mehreren Sprechern eingelesen, ab und zu wechselt das Personal. Hältst Du persönlichen Kontakt zu den Leuten? Sprich: Kennst Du auch die Gesichter hinter den Stimmen? Und nach welchen Kriterien suchst Du die Sprecher aus?

A: Natürlich kenne ich diese Leute persönlich – ich caste ja jeden Sprecher, bevor er (oder sie) bei uns einsteigt. Das heißt, dass wir mal Probeaufnahmen mit genau dem ‚Stoff‘ machen, den wir später in den Handel und zu den Fans bringen wollen.

Eine wichtige, nicht zu unterschätzende Eigenschaft ist übrigens das Durchhaltevermögen. Der Sprecher (bei PERRY haben wir ja ausschließlich männliche Sprecher) muss sich klar darüber sein und damit einverstanden, dass er regelmäßig und über einen langen Zeitraum (mindestens ein Jahr, eher mehr) diese Serie einsprechen muss. Er muss auch eine Affinität zu dieser Serie haben oder zumindest entwickeln, sonst kann er das nicht mit Lust und Liebe über längere Zeiträume durchhalten.

Das kann bedeuten, dass sich vielleicht schon beim Casting herausstellt, dass der Sprecher Schwierigkeiten hat, sich in diese PERRY-Welt hineinzudenken. Oder die Vorstellung, sich in diesen fiktiven Welten orientieren zu müssen und die zahlreichen Figuren mit ihren speziellen Problemen zu begleiten, ist ihm unangenehm beziehungsweise fremd. Ein Sprecher muss die Neugier aufbringen, diese ihm meist so fremde Welt auch kennenlernen zu wollen. Eine Eigenschaft, die jeder Fan der Serie mitbringt – vielleicht weil er sich diese kindliche Eigenschaft hat bewahren können. Trotz oder weil manche Eltern diese Wissbegier häufig (und manchmal dauerhaft) deckeln mit der Aussage: „Frag nicht soviel!“

Nun ja, zusätzlich zu der Einstellung müssen die Sprecher beziehungsweise ihre Stimmen auch einen ‚guten‘ Klang haben. Jede Stimme hat eine spezielle Ausstrahlung allein durch ihren Klang. Es ist nicht nur wichtig, ob sie hoch oder tief ist, sondern auch, welche Assoziationen sie beim Hörer allein durch ihre jeweilige Stimmlage weckt. Eine dünne, hohe, vielleicht piepsige Stimme wird eher mit einem schwachen, hilflosen, unselbstständigen Menschen verbunden als mit einem Macher, Abenteurer, Weltraumfahrer, Weltenentdecker.

Es gibt noch weitere Kriterien, die einen guten Sprecher oder einen zur Serie passenden Sprecher ausmachen … Das ist wirklich ein sehr vielfältiges Thema.

F: Du wirst mir wohl nicht die Verkaufszahlen für die Hörbücher nennen; aber meinst Du, daß Du das Kundenpotential bereits voll ausgeschöpft hast? Oder glaubst Du, daß in Zukunft noch mehr Leute aufs gesprochene Buch zugreifen werden?

A: Man könnte sagen, das Hörbuch ist der Schatten des gedruckten Buches.

Anders formuliert: Normalerweise kann ein Hörbuch nur entstehen, wenn es schon ein Printbook, eine gedruckte Vorlage gibt. Und die Auflage des entsprechenden Hörbuchs wird wie der Schatten immer deutlich kleiner als das gedruckte Buch sein, weniger ‚Masse‘ haben.

Das bedeutet, die Auflage eines Hörbuches bewegt sich – sehr häufig – wie ein Schatten in einem bestimmten Größenbereich. Sie ist immer deutlich kleiner in der Menge als die Buchvorlage, so gut wie nie größer, manchmal aber auch nur der Schatten eines Schattens. Also lassen sich nur schlecht Prognosen abgeben, was die zukünftige Menge an Hörbuchrezipienten angeht – ob die Menge wächst oder schwindet. Ausschlaggebend dafür ist die Qualität der Vorlagen, der Bücher.

Sogenannte Bestseller werden zumeist auch als Hörbuch zahlreicher verkauft als schlecht laufende Bücher. Nur in Ausnahmefällen übersteigt die Anzahl der Hörbücher, gemessen an der Buchverkaufszahl, die Zehn-Prozent-Schranke. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen, aber dann eher bei einem schwach verkauften Buch, dessen Umsetzung im Hörbuch aufgrund seiner speziellen Machart andere, weitere Käufer für diesen Buchstoff aktivieren konnte.

Insofern werden die Auflagen auch in Zukunft mal größer, mal kleiner sein – aber eben zahlenmäßig immer in einem bestimmten Abhängigkeitsverhältnis zu der Vorlage stehen. Der Schatten wächst (nein: nicht mit seinen Aufgaben, sondern) mit seinem Vorbild.

 

Das Copyright der Abbildungen liegt bei Eins A Medien GmbH.

 

 

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