Interview mit … Sophie Bonnet

Ich hab die Krimi-Autorin Sophie Bonnet im Rahmen eines Workshops kennengelernt, eben, als ihr Buch „Provenzalische Verwicklungen“ auf dem Buchmarkt die Bestsellerlisten hochzuklettern begann. Es lag nahe, sie zu ihrem Erfolg zu befragen …

Sophie, reden wir zuallererst über den Erfolg Deines Buchs »Provenzalische Verwicklungen«: Du warst wochenlang in den Spiegel-Bestsellerlisten, dazu gratuliere ich recht herzlich! Wie gehst Du denn mit Ruhm, Ehre und Dagobert Duckschem Reichtum um?

IMG_2080Herzlichen Dank für die Gratulation!

Dagobertscher Reichtum? Klingt gut. Aber dafür braucht es mehr als einen Bestseller. Neu ist, dass ich jetzt endlich vom Schreiben leben kann, und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Ansonsten hat sich eigentlich nicht viel verändert. Nur die Messlatte ist höher geworden.

Du hattest ein recht buntes Vorleben, bevor Du Autorin wurdest. Möchtest Du ein bißl was darüber erzählen?

Zwar habe ich schon als Kind geschrieben, bin aber seltsamerweise nicht darauf gekommen, dass ich damit irgendwann einmal meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. So habe ich mit einem Studium der Germanistik und Sinologie begonnen und bin über einen Nebenjob in der Modebranche gelandet. Die Beschäftigung mit schönen Stoffen und Schnitten, das Quirlige und leicht Verrückte dieser Branche hat mir sehr gefallen. Doch irgendwann wurde es mir zu oberflächlich und ich wurde Heilpraktikerin mit Schwerpunkt klassischer Homöopathie. Meine Erfahrungen schrieb ich in einem Fachbuch nieder, das von einem renommierten Verlag veröffentlicht wurde. Und plötzlich wusste ich, wo meine Berufung lag: im Schreiben! Das war vor fünfzehn Jahren. Seitdem habe ich in unterschiedlichen Genres veröffentlicht. Aber der Durchbruch kam erst als Sophie Bonnet.

Die Abenteuer um Deinen Pariser Kommissar Pierre Durand, der in der Provence eine neue Heimat gefunden hat, gehen weiter. Du sitzt bereits an Recherchen für ein weiteres Buch. War es denn von vorneherein geplant, dass Durand mehrere Fälle löst, oder hat sich das erst dank des Erfolges des ersten Buchs ergeben?

Ich habe es von Beginn an als Serie konzipiert, und der Verlag hat das auch so übernommen. Ein großer Vertrauensvorschuss, denn wir hatten bislang noch nicht zusammengearbeitet!

Du recherchierst sehr intensiv vor Ort. Anhand Deines Facebook-Auftritts hab ich bemerkt, daß Du großen Wert auf visuelle Eindrücke legst. Du photographierst viel und konzentrierst Dich dabei auf kleine, mitunter nebensächlich wirkende Aspekte. Solche, die Atmosphäre schaffen. Das können Steinmauern sein, Essens-Arrangements, ein Pflanzenmeer, enge Gassen und Wege … Ist das Deine Herangehensweise beim Ideensammeln, fließen diese Eindrücke direkt ins Manuskript ein?

Ja. Ich bin von Natur aus ein sehr visueller Mensch, sitze oft in Cafés oder anderen öffentlichen Plätzen und beobachte Menschen, ihre Gesten und Eigenarten. Meine Umgebung nehme ich sehr intensiv wahr: die Natur, Einrichtungsgegenstände, Frisuren, Gesichter, einfach alles.

Bei meiner Recherche in der Provence waren die Eindrücke überwältigend. Ich hatte Sorge, mir nicht alles merken zu können und habe jedes Detail festgehalten, das mich interessiert. Vieles davon wird der Leser in meinen Büchern wiederfinden.

Du schreibst mit sehr viel Liebe und Begeisterung über das provencalische Dorfleben. Was macht für Dich den besonderen Reiz der Provence aus?

Eine Reise durch die Provence spricht sämtliche Sinne an. Man sieht die vielfältigsten Landschaften: Zedernwälder, Weinberge, Olivenbäume und Lavendelfelder bis hin zu smaragdgrünen Flüssen und zerklüfteten Felsketten. Auf den Märkten gibt es Salamistände mit mehr als zwanzig verschiedenen Sorten und Gewürze in den buntesten Farben. Überall duftet es nach Thymian oder Rosmarin, die in den Wäldern wie Unkraut wuchern. Dazu der unberechenbare Wind, das milchige Licht, die vielen charmanten Dörfer. (Du siehst, ich kann mit Adjektiven kaum an mich halten …) Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich dort bin. Das einzige, auf das ich manchmal verzichten könnte, ist das ständige Sirren der Zikaden!

Reden wir über Pierre Durand: Magst Du Deinen Kommissar? Würdest Du Dich gerne auf einen Café oder mehr mit ihm zusammensetzen? Oder hat er auch Seiten an sich, die Dir nicht so gefallen?

Pierre Durand hat viele Anteile von mir, die ich gerne mal rauslassen würde, denn ich neige zu beschwichtigender Freundlichkeit. Er kann aber auch knurrig sein, gerät rasch in Rage und ist dabei vielleicht auch ein wenig unausstehlich.

Seine bindungsscheue, machohafte Art würde mich sicher des Öfteren auf die Palme bringen, und an der häuslichen Unordnung wäre ich längst verzweifelt. Aber ansonsten mag ich ihn sehr gerne. Denn er ist tolerant, feinfühlig, hat einen großen Gerechtigkeitssinn. Und er hat keine Scheu, sich für seine Prinzipien einzusetzen.

Ja, ich würde mich sehr gerne mit ihm auf einen Café zusammensetzen oder zu einem leckeren Essen auf der Außenterrasse des Chez Albert.

Ich bemerke es immer wieder bei meinen Figuren, daß sie mir entgleiten und ein Eigenleben entwickeln. Was ja auch oft was Gutes hat. Kennst Du dieses Phänomen, und wenn ja, bei welcher Figur hast du das besonders bemerkt? Wie gehst Du damit um?

Ja, sicher, das geht mir bei den meisten Figuren so. Beim alten Uhrmacher Carbonne beispielsweise war es besonders auffällig. Dass er sich nur bei Charlottes Kochkurs einschreibt, weil er die Essensreste in Frischhaltedosen nach Hause nehmen darf, war seine Idee.

Während des Schreibprozesses führe ich meine Figuren in Situationen oder Gespräche und sehe mir an, wie sie reagieren. Das gehört, finde ich, zu einer authentischen Charakterdarstellung dazu. Solange man die Fäden in der Hand behält und die Darsteller rechtzeitig wieder einfängt, ist das vollkommen in Ordnung.

Wir haben vor einigen Monaten gemeinsam ein Seminar besucht, in dem es um Autoren und Selbstvermarktung über Social Medias ging. Welche sind denn Deiner Meinung nach die Kardinalstugenden eines Autors/einer Autorin? Geht es denn wirklich noch um Qualität oder darum, sich so gut wie möglich zu verkaufen?

Ein guter Autor muss authentisch sein und seine Leser mit Worten fesseln, berühren und/oder begeistern können. Sie während des Lesens in eine andere Welt mitnehmen und die eigene für ein paar Stunden vergessen lassen. Das kann je nach Genre ganz unterschiedlich ausfallen. Der eine besticht mit einer schönen Sprache, der andere mit Spannung, ein dritter mit Fantasie.

Das alleine ist aber inmitten der vielen Neuerscheinungen leider nicht ausreichend. Wenn ein Verlag kein Geld für Werbung übrig hat, dann sind die Möglichkeiten des Social Media oft der einzige Weg, überhaupt wahrgenommen zu werden. Es gibt viele wunderbare Bücher, die ohne dies komplett untergehen würden. Eine Entwicklung, die für Autoren, die lieber im stillen Kämmerlein schreiben, fatal sein kann.

Die reichhaltige provencalische Küche spielt eine große Rolle in Deinem Buch. Ich vermute, daß genußvolles Essen auch Teil Deiner eigenen Lebenskultur ist? Was ist denn Deine persönliche Lieblingsspeise?

IMG_2261Ich habe keine richtige Lieblingsspeise, dafür mag ich zu sehr die Abwechslung. Zum Wochenende blättere ich in Kochbüchern oder lasse mich von Rezepten aus Zeitschriften oder Fernsehsendungen inspirieren. Was gut ist, kommt öfter auf den Tisch. Dabei steht der simple Salade au chèvre chaud (in allen möglichen Variationen) momentan ganz weit oben. Ach ja, von Tartes kann ich auch nie genug bekommen. Leider sind diese so gehaltvoll.

Nachdem mir Dein Buch jetzt großen Geschmack auf Frankreich und die Provence im Speziellen gemacht hat: Gib mir einen Rat, was ich unbedingt sehen und kennenlernen sollte.

Den Markt in Uzès oder in Apt. Die Fontaine-de-Vaucluse – aber besser außerhalb der Saison, ansonsten sieht man mehr Touristen als Wasser. Lourmarin, wenn Du gerne hübsche Fassaden und Geschäfte magst (aber nicht am Freitag, da ist Markt und der Ort überfüllt) oder Saint-Paul de Vence (nahe der Côte d’Azur) mit seinen pittoresken Gässchen und unzähligen Ateliers. Beeindruckend sind die Weinberge von Châteauneuf-du-Pape, der Blick von Gordes auf die Ebene vor dem Luberongebirge und die Lavendelfelder auf dem Plateau von Valensole. Auf dem Weg dorthin gibt es Melonen und Sonnenblumen und eine Platanenallee wie im Bilderbuch, ein paar Kilometer weiter den Canon du Verdon. Aber nachdem du mit einer Karriere als Sportlehrer geliebäugelt hast, wirst Du vielleicht eine Kanufahrt auf der Sorgue oder unter der Pont du Gard hindurch machen wollen, oder eine Radtour hinauf nach Gourdon.

 

 

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