Interview mit … Oliver Fröhlich

Oliver Fröhlich ist ein vielseitiger Autor, der im SF-Genre ebenso zu Hause ist wie auch in anderen Bereichen der Phantastik. Er hat seine Spuren bei diversen Heftroman- und Buchserien hinterlassen, auch ein ATLAN-Taschenbuch stammt von ihm. Seit einiger Zeit wirkt er nun bei PERRY RHODAN NEO mit und vor kurzem erhielt er die Gelegenheit, einen Beweis seines Könnens bei der PERRY RHODAN-Erstauflage abzuliefern.

Der Roman mit der Nummer 2730 stammt aus seiner Feder. Also hab ich ihm Fragen zu seiner Arbeit daran – und zu einigen anderen Dingen – gestellt. Viel Spaß beim Lesen!

IMG_1609 (1280x960)F: Oliver, du hast eine Karriere als Autor durchgemacht, die Dich vom Online-Fanzine »Zauberspiegel« über Bastei-Serien bis zum Gastspiel bei der PERRY RHODAN-Erstauflage geführt hat. Erzähl doch bitte mal, wie das beim »Zauberspiegel« war und für welche Serien du danach geschrieben hast.

A: Beim »Zauberspiegel« habe ich für die Online-Serie »Der Hüter« geschrieben. Gleichzeitig habe ich Artikel und Rezensionen verfasst und Autoren aus dem Heftromanbereich interviewt. So lernte ich ein paar von ihnen besser kennen. Dadurch ergab es sich eines Tages, dass der leider viel zu früh verstorbene Volker Krämer mich fragte, ob ich nicht mal einen Band zu »Professor Zamorra« beisteuern wolle. Natürlich wollte ich.

Danach kamen »Dorian Hunter«, »Maddrax«, »2012 – Jahr der Apokalypse« und PERRY RHODAN NEO. Außerdem habe ich für ATLAN und »Bad Earth« jeweils einen Roman beigesteuert. Demnächst werde ich erstmalig einen Beitrag für »Das Haus Zamis« schreiben. Na ja, und dann ist da natürlich der Roman für die PERRY RHODAN-Erstauflage, den du erwähnt hast.

F: Du bist – noch – kein hauptberuflicher Autor. Hast du Ambitionen, Deinen (sicheren) Arbeitsplatz irgendwann mal aufzugeben und zur Gänze in die Selbständigkeit zu rutschen?

A: Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Denn dann würde das, was ich jetzt als Hobby mache, plötzlich zum Beruf – und ich müsste mir ein neues Hobby suchen.

F: Wir beide hatten vor einigen Jahren schon mal miteinander zu tun. Ich habe dir ein Expo für ein ATLAN-Taschenbuch geschrieben, das großteils auf einer Lavawelt spielte. Wenn du möchtest, kannst du bei dieser Gelegenheit mal über den Expo-Autoren schimpfen.

A: Dieses Angebot kommt ein paar Jahre zu spät. Inzwischen habe ich mich nämlich längst wieder beruhigt. 🙂 Im Ernst: Als ich das Expo gelesen habe, war ich erst mal entsetzt, weil es gemessen am Umfang des Romans, der daraus entstehen sollte, so verdammt kurz war. Also habe ich es wieder und wieder und wieder gelesen und dann gleich noch einmal. Allmählich sind ein paar Nebenideen aufgetaucht.

Als ich den Band dann schrieb, haben sich plötzlich Verbindungen und Verwicklungen ergeben, die das Expo so gar nicht vorgesehen hatte. In dieser Phase war ich begeistert von dem Expo, weil es mir so viele Freiheiten ließ. Als der Roman sich dann dem geforderten Umfang näherte und ich noch immer viele Handlungsfäden offen hatte (eigene und vorgegebene), habe ich das Expo wieder verflucht, weil es mich nicht besser gezügelt hat.

Im Nachhinein bin ich aber froh, dass es so war, wie es war, und ich mir ein paar verschrobene Sachen ausdenken konnte.

F: Bei PERRY RHODAN NEO kristallisiert sich allmählich eine Stamm-Autorenschaft heraus, zu der ich dich auch zählen möchte. Wie funktioniert da die Zusammenarbeit, wie intensiv ist der Gedankenaustausch mit den Kollegen bzw. mit Frank Borsch?

A: Frank achtet darauf, dass man sich mit einem Expo wohlfühlt. Deshalb ist der Gedankenaustausch von den ersten Handlungsideen bis zum fertigen Expo sehr intensiv. Auch danach kann man mit Fragen oder Anregungen jederzeit zu ihm kommen. Nach der Fertigstellung der ersten Fassung wird es dann noch mal intensiver, weil Frank einem sehr viele Anregungen gibt, wo und wie man den Text verbessern kann.

Der Gedankenaustausch mit den Kollegen fällt naturgemäß nicht so intensiv aus, aber auch da ist natürlich der Kontakt vor allem mit den Autoren des Vor- oder des Folgebandes stets da.

F: Die Manuskriptlänge bei NEO ist recht ungewöhnlich. Kommst du damit zurecht?

A: Nein. Das liegt aber nicht an NEO, sondern daran, dass sich bei mir irgendwie jede Manuskriptlänge aufs Ende zu als zu kurz erweist. Selbst wenn 1.000.000 Anschläge gefordert wären, würde ich bei 950.000 zu jammern beginnen, dass noch so viel Handlung übrig ist.

F: Nun hattest du die Möglichkeit, mit Band Nummer 2730 einmal in die PERRY RHODAN-Erstauflage reinzuschnuppern. Wie ist denn so dein Eindruck? Wie beurteilst du die Expos, wie kommst du mit dem ganzen Drumherum zurecht? Das ist doch anders als bei anderen Serien, bei denen du sonst mitarbeitest …

A: Die Expos kenne ich ja schon länger, weil ich einer der geheimnisumwitterten Testleser der Expokraten bin. Insofern war zumindest das nichts Neues für mich. Verrate ich zu viel, wenn ich sage, dass das Expo etwas länger war als das, das ich einst für ein ATLAN-Taschenbuch bekommen habe – und das, obwohl der Roman nur ein Drittel der Länge haben sollte? Ja? Na, dann verschweig ich es lieber.

Grundsätzlich gefallen mir die Expos aber sehr gut, weil selbst in ihnen schon häufig die Spannung zu spüren ist, die dann später auch im Roman vorherrscht. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass sich mir diese Chance geboten hat, denn einen Roman für die PR-Erstauflage schreiben zu dürfen, ist schon so etwas wie eine Adelung.

F: Kommen wir zum eigentlichen Inhalt des Romans. Du hattest einige sehr bekannte Persönlichkeiten aus dem PERRY RHODAN-Kosmos zur Verfügung, aber auch welche, die neu waren (nennen wir diese Leute mal »das Eliteteam«). Welche der beiden Gruppen waren für dich schwerer zu handhaben?

A: Das kam auf die jeweiligen Szenen an. Grundsätzlich sind neue Figuren natürlich leichter zu handhaben, weil niemand sie bisher kennt. Andererseits kennt man sie auch selbst noch nicht, kann also nicht auf Altwissen zurückgreifen. Hinzu kommt, dass ich das Eliteteam erst mal nicht so getroffen habe, wie es gewünscht gewesen wäre.

Also musste ich hier noch mal tüchtig nacharbeiten, und nun finde ich den Trupp richtig klasse. Lass es mich andersherum beantworten: Die Szene, die mir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht hat, ist mit bekanntem Personal besetzt.

F: Auch die Venus, auf der deine Geschichte spielt, ist von früheren Autoren vordefiniert worden. Du bewegst dich sozusagen auf geschichtsträchtigem Terrain. War das für dich eine Belastung oder warst du froh, dich auf diese Beschreibungen »draufsetzen« zu können?

A: Ich fand es schön, einen bereits bekannten Schauplatz für mich selbst erforschen zu dürfen. Allerdings gab es von der Venus nur zwei oder drei Außenansichten. Der Rest spielt »drinnen«, also in Häusern oder Raumschiffen, wodurch es auf das Terrain selbst gar nicht mehr so ankam. Es hätte also genauso gut der Planet Yramollaronia sein können (und jetzt sag nicht, den gibt’s im Perry-Kosmos schon!).

F: Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß es nicht leicht ist, den typischen RHODAN-Ton zu treffen. Wie bist du mit Deiner Arbeit zufrieden? Gab es Schwierigkeiten, gab es besondere Knackpunkte?

A: Das Angebot, den Band schreiben zu dürfen, kam leider in einer Zeit, in der ich ohnehin schon im Stress steckte. Trotzdem hätte ich es mir nie verziehen, wenn ich abgelehnt hätte. Deshalb gab es durchaus Schwierigkeiten beim Schreiben. In der Hektik sind mir ein paar Szenen nicht so gut gelungen und folgerichtig um die Ohren geflogen.

Glücklicherweise gibt es genug offene Augen im Verlag, deren Besitzer einen darauf aufmerksam machen, wenn Passagen nicht funktionieren. Nachdem ich den Roman noch einmal überarbeitet habe, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Wie sehr ich zufrieden sein darf, entscheiden aber die Leser.

F: Du warst bei meinem Schreibcamp, wir haben dort auch viel über Kritik und Selbstreflektion diskutiert. Kritisiert zu werden ist mitunter eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Wie kommst du persönlich mit diesem Thema zurecht?

A: Wie kann man das am besten beantworten? Ich könnte sagen, dass mich Kritik kalt lässt. Denn wenn ich sie für nicht gerechtfertigt halte, braucht sie mich nicht zu jucken, und wenn sie gerechtfertigt ist, kann ich daraus nur lernen. Ich muss aber gestehen, das wäre gelogen. Tatsächlich ärgere ich mich jedes Mal, wenn ich Kritik erhalte. Wenn ich sie für nicht gerechtfertigt halte, dann deshalb, weil ich sie für nicht gerechtfertigt halte. 🙂 Wenn sie aber gerechtfertigt ist, ärgere ich mich über mich selbst, weil ich Anlass zu gerechtfertigter Kritik gegeben habe.

Je nachdem, wie heftig die Kritik ausfällt, bin ich unterschiedlich lange geknickt. Wenn diese (zwischen fünf Minuten und fünf Tagen liegende) Zeitspanne aber vorüber ist, bin ich dankbar für die Kritik und versuche, etwas daraus zu lernen. Man muss es einfach so hart sagen: Nur durch Kritik können wir lernen, weil wir uns bemühen, diesen Schmerz nicht wieder spüren zu müssen.

F: Du arbeitest mit einem Schreibprogramm, das für die Bedürfnisse von Autoren zurechtgeschneidert wurde, mit »papyrus«, in das unter anderem Ideen sowie Vorschläge von Andreas Eschbach integriert wurden und werden. Du scheinst begeistert davon zu sein. Erzähl bitte ein bissl was über die Vorteile und die Möglichkeiten des Programms …

A: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich das Programm in der Breite ausnutze, in der es möglich wäre. Nein, lass mich das korrigieren: Ich weiß, dass ich es nicht tue! Aber selbst die Funktionen, die ich nutze, begeistern mich. Ich finde beispielsweise die Rechtschreibkontrolle hervorragend, weil hier der Duden-Korrektor integriert ist und nicht erst draufinstalliert werden muss. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber mir kommt es vor, als führe das zu einem Geschwindigkeitsgewinn. Außerdem ist das Synonymwörterbuch sehr umfangreich.

Dann gibt es aber auch kleinere Funktionen, die in der Summe überzeugen. Zum Beispiel öffnen sich pap-Dateien immer an der Stelle, an der man sie verlassen hat. Dann gibt es da noch die Klemmbretter neben dem Schreibblatt, auf die man wunderbar Notizzettel kleben kann, die man dann immer im Blick hat. Früher habe ich noch echte Notizzettel benutzt, die hatten aber die schlechte Angewohnheit, zu verschwinden und erst wieder aufzutauchen, wenn das Manuskript bereits abgegeben war. Außerdem kann man sich Schreibziele setzen. Papyrus zeigt einem dann stets an, wie viel man noch bis zu seinem Ziel schreiben muss.

F: Soweit ich es überblicken kann, handelt es sich mit PR 2730 vorerst einmal um einen Gastroman, den du für die Erstauflage abgeliefert hast, bei PR NEO hast du, wie gesagt, deinen Stammplatz. Wo soll dich denn deine schriftstellerische Entwicklung hinbringen? Möchtest du auch mal serienunabhängig schreiben, eigene Bücher veröffentlichen?

A: Das sind Fragen, auf die ich die Antworten selbst gerne kennen würde. Ich mache mir da vorsichtshalber gar nicht so viele Gedanken. Im Augenblick genieße ich den Luxus, so viele Angebote zu haben, dass ich auch immer mal was ablehnen muss (es aber leider noch nicht gut genug kann … da arbeite ich noch dran). Ich lass mich einfach überraschen, was ich noch alles machen darf. Oder wie mein Opa schon immer sagte: »Wie es kommt, so wird es gefressen.«

Serienunabhängig schreiben wäre auch mal was. Wie du dank des Schreibcamps weißt, gibt es da auch die eine oder andere Idee. Ob ich sie jemals umsetze, ist aber wohl auch eine Zeitfrage. Auch hier lasse ich mich überraschen, was die Zukunft so bringt.

 

Die Bilder sind Copyright Oliver Fröhlich und Hans Zebinger.

 

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One thought on “Interview mit … Oliver Fröhlich

  1. Scheinbar schreibt der Fröhlich alles…bin gespannt, wann wir den ersten Bergroman von ihm vorgesetzt bekommen. 😉

    Unter allen seinen Werken ist natürlich der Hüter als herausragend zu betrachten…ähem, ähem… 😉

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