Interview mit … Stefanie Jahnke

Steffi Jahnke gehört seit neuestem zum PERRY RHODAN-Autorenteam. Im Folgenden findet sich ein Interview, das ich vor einigen Wochen mit ihr führen durfte. Es findet sich gleichlautend auch auf der Verlags-Homepage; als Goodie möchte ich einige Photos aus dem Privatarchiv der Autorin anbieten.

Also: Viel Spaß beim Lesen und Ansehen!

 

Frage: Erst einmal: Herzlich willkommen bei der PERRY RHODAN Erstauflage! Wie geht’s dir denn so mit dieser neuen Herausforderung?

Antwort: Noch geht es mir damit schwankend. Einerseits freue ich mich irrsinnig, andererseits möchte ich das Vertrauen der Redaktion rechtfertigen, indem ich tolle Romane für die Leser abliefere. Ich muss mir weniger Druck machen, sonst stehe ich mir selbst im Weg.

F: Ein paar Worte zu deinem bisherigen Werdensgang: Du hast zu Beginn deiner Karriere erotische Frauenliteratur geschrieben, hast Fantasy für die Serie ELFENZEIT verfasst, warst bei »Sternenfaust« und »Maddrax« aktiv und hast nun den Bogen zu PERRY RHODAN geschlagen. Das ist ein ziemlich buntes Potpourri. Fällt dir der Umstieg von einem zum nächsten Genre leicht, wie gehst du damit um?

Es gibt ein Haushaltsmitglied, das mit Steffis Berufswahl nicht ganz einverstanden ist.

Hier gibt’s jemanden, der mit Steffis Berufswahl nicht ganz einverstanden ist.

A: Solche Umstiege fielen mir schon immer leicht. Zum Abitur habe ich einen Landespreis für fingierte Goethe-Briefe erhalten. Es macht mir Spaß, mich in ganz verschiedene Bereiche einzuarbeiten.

F: Du hast vor zwei, drei Jahren den Schritt von der Teilzeit- zur Vollzeit-Autorin gewagt. Eine schwere Entscheidung, wie ich weiß. War das eine bewusste Hopp- oder Topp-Entscheidung, oder hat es sich aufgrund der Auftragslage so ergeben?

A: Ende 2011 hat der Verein, bei dem ich nebenberuflich gearbeitet habe, Insolvenz angemeldet und brauchte meine Arbeitskraft nicht mehr. Ich habe das als Chance gesehen, ganztägig zu schreiben. Ich wusste, dass ich gut war und Aufträge bekommen würde. Wenn alles schief gegangen wäre, hätte ich wieder einen Nebenjob annehmen können. Zu meinem Glück kam dann der Einstieg bei PERRY RHODAN NEO.

F: Du bist seit einigen Jahren verheiratet; wie geht dein Mann mit Deinem doch ungewöhnlichen Beruf eines Autors um?

A: Er ist manchmal empört wegen meines genervten Blicks, wenn meine Arbeitszimmertür mal wieder geschlossen ist und er meint, mir trotzdem Kaffee oder Nahrung bringen zu müssen. Ansonsten ist er sehr aufgeschlossen und hätte nichts dagegen, wenn ich so viel verdienen würde, dass er zu Hause bleiben kann.

F: Ich frag mal ganz blauäugig: Bist du bereits fix im Autorenteam aufgenommen, oder handelt sich’s bei PERRY RHODAN 2727 sowie 2728 um deine Meisterprüfung?

A: Mal ganz blauäugig zurück: Wüsste ich selbst gern. Ich fühl mich wie eine Elfmeterschützin vor dem Anpfiff, von der alle schon zu wissen meinen, dass das Ding reingeht.

F: Du bist meines Wissens relativ spät mit PERRY RHODAN in Berührung gekommen. Wie gut kennst du die Serie, wie hast du dich in die Materie eingelesen?

A: Meine erste intensivere Berührung mit RHODAN kam über Uschi Zietsch (Susan Schwartz) zustande, weil ich ihre Romane gelesen habe. Dann fragte mich mal ein gewisser Herr Thurner, ein ganz netter »Maddrax«-Kollege, vor gefühlten zehn Jahren: »Wäre Perry nicht auch was für dich?« Woraufhin ich ein bisserl was gelesen habe und wusste, ja, es ist was für mich, aber im Moment schaffe ich das noch nicht. Was ich dann auch versucht habe, dem Herrn Thurner zu signalisieren.

Das lag daran, dass ich mich zu dieser Zeit eben erst in »Maddrax« eingearbeitet hatte und immer ein Serien-Fan war. Ich wollte mich »Maddrax« ganz und gar widmen.

Rhodan war und ist für viele Menschen, vor denen ich großen Respekt habe, eine Lebensaufgabe. Ich habe immer wieder vereinzelt Romane gelesen und mir einige der Silberbände im Hörbuch angehört, um mich langfristig einzuarbeiten. Seit dem WeltCon habe ich die Serie abonniert und bekomme jede Woche ein Heft.

Vom neuen Zyklus hatte ich, als das Angebot zum Doppelband kam, alles gelesen, was bis dahin in meinem Briefkasten lag.

F: Du hast bereits einige Manuskripte für PERRY RHODAN NEO abgeliefert, eine Serie, die sich nach und nach von der Erstauflage emanzipiert. Wie ist es denn für dich, nun »zweigleisig« zu arbeiten?

A: So viel Erfahrung habe ich da noch nicht. Bis auf die Frage, wie nun die Akustikfelder in der Erstauflage heißen, läuft es eigentlich ganz gut.

F: Ich kann mich gut dran erinnern, dass ich zu Beginn meiner Mitarbeit bei PERRY RHODAN von der Faktenlage ziemlich erschlagen wurde. Als ich erstmals mit den Exposés arbeiten musste – puh! Die Perrypedia ist zwar oft bei der Recherche hilfreich, aber es gibt halt auch Unmengen an wichtigem internen Datenmaterial. Wie siehst du das?

A: Die Faktenlage ist nach wie vor erschlagend, doch das Exposé von Christian Montillon hat schon einiges geliefert und mir viel Recherchearbeit in Form des Suchens in der Perrypedia sowie älteren Romanen erspart. Das Schreiben ging mir bezüglich der Hintergründe weit besser von der Hand als beim PERRY RHODAN-EXTRA Nummer 13.

F: Wie geht’s/ging es dir denn mit dem Format des Doppelbands? Das ist ja doch eine recht ungewöhnliche Länge für einen Autor. Ein Doppelband hat eigene Gesetze; einerseits ist die Handlung durchgängig, andererseits gibt es mit dem Ende des ersten Bandes einen Höhepunkt, den es zu zelebrieren gilt. Das kann schon ein recht komplizierter Balanceakt sein …

A: Eben damit kämpfe ich. Der erste Band ist jetzt fertig, und es gibt trotz des Übergangs einen klaren inhaltlichen Schnitt. Ich mag es eigentlich lieber, wenn sämtliche Themen in einem Zweiteiler fließend übergehen. Das ist in meinem Doppelband nicht der Fall. Zwar habe ich einiges im ersten Band vorbereitet, dass erst im zweiten eine Rolle spielen wird, aber als hundertprozentig geschlossen sehe ich diesen Doppelband nicht.

F: Du hast einen Doppelband zum Einstand bekommen, der auf Luna spielt. Ich sag’s ganz ehrlich: Mir erschien das Thema doch recht sperrig und nicht gerade leicht für einen neuen Autor, zumal einiges technisches Hintergrundwissen in den Roman einfließt. Wie kommst du mit den Anforderungen zurecht?

A: Der Vorteil an Luna ist die Kompaktheit des Themas. Die Bände, die im Zyklus auf Luna spielen, sind übersichtlich und von daher ist ein Einarbeiten einfacher.

Was das technische Hintergrundwissen betrifft, hat mir das Expo einiges geliefert, und ich versuche, die Daten nicht zu langweilig zu bringen.

F: In den beiden Romanen spielen astrophysikalische Elemente eine große Rolle (Anm: Neutronensterne). Wie intensiv hast du dich da in die Materie einlesen müssen?

A: Auch hier habe ich bereits einiges von Christian Montillon erhalten. Was ich darüber hinaus lese, bleibt noch abzuwarten. Wichtig ist mir zu vermitteln, wie es sich für die Figuren anfühlt, mit den astrophysikalischen Elementen konfrontiert zu werden.

F: Eine Frage zu deiner Arbeitsweise: Manche Kollegen arbeiten ihr Expo strikt ab, andere schreiben es für ihre Bedürfnisse um, wiederum andere folgen obskuren Chaos-Theorien. J Wie gehst du an die Sache ran?

A: In der Erstauflage bin ich noch vorsichtig. Ich bleibe erst mal nah an den Expos, wenn ich auch schon eigene Szenarien ergänze. Wenn der Elfmeter tatsächlich versenkt ist, kann ich mir vorstellen, dass ich lockerer bin und auch hier wie bei PERRY RHODAN NEO noch freier werde.

F: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Expokraten? Konntest du in die sehr komplexe Handlung auch eigene Ideen einbringen?

A: Die Zusammenarbeit ist großartig. Eigene Ideen habe ich eingebracht und durfte das auch. Welche will ich aber nicht verraten, dann können die Leser es auf das Exposé schieben, wenn sie die Ideen nicht mögen. J

F: Ist PERRY RHODAN das Ziel deiner Träume als Autorin? Was hast du für Pläne für die Zukunft, in welchen Genres möchtest du dich noch versuchen?

A: Mein erster Traum war, etwas zu veröffentlichen und einen Roman von mir in der Hand zu halten. Darauf hatte ich Jahre lang hingearbeitet. Ich bin damit seit meinem zwölften Lebensjahr schwanger gegangen. Als das funktioniert hat, bin ich in ein ziemliches Loch gestürzt, weil mein Lebensziel, auf das ich so viel Kraft und Energie gerichtet hatte, plötzlich weg war.

Ich musste erst mal neue Perspektiven finden. Also kam der Wunsch, vom Schreiben nicht nur irgendwie als hungernde Künstlerin zu leben, sondern gut bis sehr gut. Was das betrifft, ist es ein Traum, für Rhodan zu schreiben.

Außerdem liebe ich Serien und habe mir seit etwa drei Jahren gewünscht, in die Erstauflage einsteigen zu dürfen, wenn die Zeit gekommen ist. Wobei ich wegen NEO hin und her gerissen war, denn NEO liebe ich auch. Das will ich weiterschreiben.

Da sind wir wieder beim Thema Lebensaufgabe. Wenn ich so schreibe, wie ich das möchte – und der bereits so oft erwähnte Elfmeter gelingt –, kann ich mir vorstellen, in den nächsten Jahren mehr Zeit unter der Woche mit RHODAN zu verbringen als mit meinem Mann.

Wenn dann noch Luft sein sollte, würde ich gern eines Tages einen Phantastikroman in der Schreibtradition von Stephen King verfassen. Aber im Moment habe ich es damit nicht eilig.

F: Nun eine Frage, die unweigerlich kommen muss: Gibt es deiner Meinung nach weibliche SF? Glaubst du, eine andere Herangehensweise an die Materie PERRY RHODAN und an die einzelnen Figuren zu haben als männliche Autoren?

A: Puh. Ich hasse diese Fragen. Es ist so entsetzlich trennend für mich. Es gibt sehr viele männliche Autoren, die es ganz großartig schaffen, Frauen auch im Roman ernst zu nehmen und sie deshalb glaubwürdig darzustellen. Genauso können auch Frauen Männer ernst nehmen, sich in sie hineinversetzen und aus ihrer Warte schreiben.

Eine weibliche SF in dem Sinn gibt es meiner Meinung nach nicht. Was jedoch ein Punkt ist, ist die Sensibilität eines Menschen, der in seinem Leben angefeindet wird oder sich immer wieder mit für ihn ätzenden Klischees herumschlagen muss.

Eigentlich jede Frau, die sensibel ist, hat irgendwann in ihrem Leben auf die eine oder andere Weise mitbekommen, dass es »man macht etwas« heißt und nicht »frau macht etwas«. Das gesellschaftliche Leitbild unserer Zeit ist nach wie vor männlich und weiß, der Präsident der Vereinigten Staaten eher schwarz und männlich als eine Frau, was ich wertfrei meine.

Alle, die abweichen, spüren diese Abweichung besonders.

Eine Schriftstellerin kann deshalb bemüht sein, gerade in der SF und Fantasie, mit facettenreichen, vielschichtigen Figuren ein aufgeschlossenes, differenziertes Weltbild zu zeigen, in dem nicht Wertigkeit und Trennung, sondern das gemeinsame Menschliche im Vordergrund steht.

F: Kommen wir abschließend zur privaten Steffi Jahnke: Du hast ein etwas ungewöhnliches Hobby, den mittelalterlichen Schwertkampf. Wie ist es dazu gekommen, interessierst du dich generell für mittelalterliches Reenactment bzw. für LARP (Live Action Role Playing)? Was machst du sonst noch, wenn du nicht grad vor dem Laptop sitzt?“

A: Der Schwertkampf entschwindet zur Zeit eher aus meinem Leben. Früher war ich hin und wieder auf Live-Rollenspielen und bin als Kriegerin oder Hobbit durch den Wald gerannt, doch meine Interessen haben sich verlagert. Auch Rollenspiele wie DSA mache ich kaum mehr. Ich gehe gern spazieren, einmal in der Woche reiten, spiele mit unserem Hund und genieße die Zeit mit meinem Mann.

 

 

 

Die Photos sind Copyright Stefanie Jahnke.

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