Ein Abschied

Vor einigen Tagen habe ich das Manuskript zu MADDRAX Nummer 362 bei Mike Schönenbröcher abgeliefert – und damit eine zehnjährige Zusammenarbeit zu einem Ende gebracht.  MX 362 würde mein letzter Beitrag zur Serie sein, hab ich Mike vor einiger Zeit mitgeteilt.

Warum dieser Schritt? Nun – es gab keine Differenzen, Streitigkeiten oder Probleme mit der Redaktion. Ganz im Gegenteil: Die Zusammenarbeit war immer höchst angenehm. Ich konnte mich mit Ideen einbringen, konnte oft frei schalten und walten und war lange Zeit gut im Autorenteam integriert. Doch während der letzten Jahre fiel es mir zunehmend schwerer, Zeit für MADDRAX zu finden. Romane zu PERRY RHODAN und die Arbeit an eigenen Manuskripten bestimmen heutzutage meinen Schreib-Alltag. Also beschloss ich, mit der Nummer 362 die Reißleine zu ziehen. Ich bin nicht mehr tief genug in der Materie drin und finde kaum die Zeit, die Exposés zu MADDRAX zu lesen, geschweige denn mich um die Manuskripte zu kümmern.

Der „Abschied“ fällt mir nicht leicht. Immerhin war Mike einer der ersten Redakteure, der mir eine Chance zur Veröffentlichung gab. Nun – vielleicht findet sich irgendwann die Gelegenheit zu einem „Gastroman“ – aber vorerst ist das Kapitel MADDRAX für mich abgeschlossen.

Bevor ich geh, möcht ich noch einen kurzen und sehr subjektiv gefärbten Rückblick auf meine insgesamt siebzehn Beiträge zur Serie machen.

Alles hat mit der Nummer 91 begonnen, die in Polen angesiedelt war. Mei, war ich aufgeregt damals! Es war vielleicht der vierte oder fünfte Heftroman insgesamt, den ich geschrieben hatte. Mike mußte den Schluß des Textes ordentlich umarbeiten, da war mir die Unerfahrenheit noch ziemlich stark anzumerken.

Als nächstes kam Nummer 112, ein Roman, der in Italien spielte. Ich durfte frei von der Leber weg fabulieren, Mike half mir bei der Ausformulierung der Auflösung. Es ging um Riesenschnecken und um Bier, wenn ich mich recht erinnere.

115 war „mein“ Wien-Roman. Ich hatte das Heft erst vor kurzem wieder in der Hand und mußte feststellen, daß stilistische Schwächen nicht zu übersehen waren. Aber damals war ich voll Enthusiasmus, hatte auch einige recht nette Ideen. Mein Lieblings-Fußballverein war reingepackt, ein bekannter österreichischer Sänger, meine Meinung zur damaligen politischen Parteienlandschaft – das war schon eine spannende Gschicht. Und ich bin stolz drauf, daß ich meiner Heimatstadt eine Zukunft im MADDRAX-Universum geben durfte.

Die Romane 128 und 137 folgten. Sie sind mir weniger in Erinnerung geblieben – mit Ausnahme der verwendeten Figuren. Ich machte meine ersten Bekanntschaft mit Rulfan – und ich führte Eve Neuf-Deville, eine Bunkerbewohnerin, in die Serie ein. Mit ihr setzte ich einer lieben Freundin ein literarisches Denkmal.

Es folgte „Der Bluttempel“, die Nummer 142. Ein Roman mit einem tollen Titelbild von Royo und mit viel Recherchearbeit, die ich im Vorfeld leistete. Die Handlung war in Rußland angesiedelt, ich bekam es mit Nosfera zu tun. Alles in allem eine spannende Arbeit, die mir viel Freude bereitete.

Nummer 145, „Die Suche nach Aiko“, war dann das pure Gegenteil. Ich hatte wenig Zeit, das Setting und die Figuren sagten mir auch nicht sonderlich zu. Telepathenkreise, Lesh’ye, Kratersee, Barbarenvölker – das war alles nicht meines.

153 hingegen liebte ich. Ich hatte wieder ein inspirierendes Titelbild von Royo als Vorlage und Bunkerbewohner, die ich in eine spannende Handlung einbinden konnte. Oh ja – dieser Roman machte Spaß.

Dann kam 159. Das war zu der Zeit, in der ich am intensivsten ins MX-Team eingebunden war und ich eine Menge Ideen verwirklichen konnte. Eine davon war, Aruula mal ein Handicap aufzuerlegen. Ich hatte heiße Diskussionen mit Autorenkollegen, ob man der Dame denn einen Finger abnehmen könnte. Draus geworden ist schließlich bloß das vorderste Glied des kleinen Fingers – und dennoch war die Empörung bei Teilen der Leserschaft groß.

Für die Nummer 176 mußte ich wieder ziemlich viel recherchieren. Über die Geschichte Indonesiens, über einige Inseln und Völker. Das war vielleicht nicht meine beste Arbeit, aber es war doch schön, über einen Flecken auf der Weltkarte zu lernen, den ich sonst niemals kennengelernt hätte. Ach ja, zum Titelbild gibt’s was zu sagen: Eigentlich ist es sehr schön geworden, aber der Lichteinfall kommt von zwei Seiten, ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Nummer 185: Ich hatte einige Ideen zum laufenden Zyklus beigesteuert, kam aber selbst nicht so richtig mit dem Thema zurecht. Was den Roman für mich rettete, war, daß das Grundkonzept zur Story auf einem Film basierte, den ich vor langer Zeit gesehen hatte, der den Titel „Frühstück am St. Valentinstag“ trug. Auch ein bißl griechische Mythologie hab ich reingeschummelt, und ich hätte zu dem Thema liebend gerne eine Fortsetzung geschrieben. Es hat sich halt leider nicht ergeben.

„Der Mann aus der Vergangenheit“, Nummer 214, halte ich persönlich für meinen besten Beitrag zur Serie. Die Figur war meine Idee und auch, sie via Zeitstrahl in die MADDRAX-Zeit zu versetzen. Die Recherchearbeit war ziemlich intensiv – doch wenn ich einen Roman zwischen allen anderen rauszupfen dürfte, würde ich diesen da nehmen.

Nummer 235 hatte wieder ein Royo-Titelbild, das ich mir aussuchen durfte. Und eine Monster-von-Frankenstein-Handlung. Ich hab eine sehr bekannte literarische Figur verwurstet, was nicht unbedingt leicht war. Aber ich liebte es, mein Monster an der Leine spazieren zu führen.

MX Nummer 246: Nein, den hab ich nicht geschrieben – aber ich hätte sollen und wollen. Eine Reise in eine fernste Zukunft, abgesetzt von der herkömmlichen Handlung, war ein Thema, das ich mir gewünscht und auch schon in einem Expo gemeinsam mit Mike Schönenbröcher ausgearbeitet hatte. Aber dann wurde ich von anderen Terminen überrollt, dankenswerterweise ist Michelle Stern für mich eingesprungen. Sie hat dann ihr eigenes Ding draus gemacht, die Ursprungsidee ist aber gleich geblieben.

263 spielte in Aruulas Heimatdorf, es gab ein bißl nordische Mythologie, einen Daa’muren, Intrigen – und was fürs Herz. Naja, so richtig konnte ich mich nicht mit dem Thema anfreunden. Leider.

Nummer 271 bleibt mir vor allem wegen des Hin und Her ums Titelbild in Erinnerung. Irgendwie funktionierte die Koordination nicht. Das Thema selbst, Monte Carlo, die Stadt der Reichen und Schönen, sagte mir doch recht zu, da hatte ich richtig Freude dran.

290, „Die Gärten von Sha’mar“, war eine eher durchschnittliche Angelegenheit, und obwohl ich das Thema zu einem Großteil selbst bestimmen konnte, gelang es mir für meinen Geschmack nicht so recht, das richtige MADDRAX-Feeling aufkommen zu lassen.

Und dann ist da noch die Nummer 362, die im Herbst 2013 erscheinen wird. 362 ist kein Schlüsselroman, kein „großes“ Thema. Die Erinnerung ist noch zu frisch, als daß ich jetzt schon sagen könnte, ob ich gute Arbeit abgeliefert habe. Das sollen dann die Leser entscheiden.

So, das war’s auch schon mit dem kleinen Rückblick. Vieles, was ich geschrieben hab, spiegelt persönliche Befindlichkeiten wider und hat nicht unbedingt etwas mit der Qualität des jeweiligen Romans zu tun. Aber das ist eh so eine Sache: Romane werden geschmäcklerisch beurteilt, Kritik hat immer auch mit dem Kritiker zu tun. Das gilt auch für Selbstkritik.

Ich wünsche Mike Schönenbröcher und den aktiven Autoren jedenfalls ein möglichst langes Leben der Serie MADDRAX – und den Lesern noch viele spannende Stunden in dieser postapokalyptischen Welt.

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5 thoughts on “Ein Abschied

  1. Tja, dann sag ich als MX-Leser der ersten Stunde einfach mal danke für die Romane. Eigentlich ist es ja schade, wenn man so wie ich als Leser Unmengen Hefte hinterherhängt, aber so habe ich zumindest noch vier deiner Werke auf dem Lesestapel. 😉

  2. Von mir auch vielen Dank für Deine Arbeit. Auch ich fand, dass „Der Mann aus der Vergangenheit“ Dein bisher bester MX-Roman war. Vielen Dank auch, dass Du auch das Maddraxikon unterstützt hat, das bedeutet uns viel!

  3. Auch von mir als Leser der ersten Stunde ein Herzliches Dankeschön für deine Tollen Romane Michael.
    Als Perry Rhodan Leser kann ich wenigstens da noch weiter deine Romane Lesen.

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