Inspiration! (Teil 2)

Ich hab heute einen Artikel gelesen, der sinngemäß „Warum Schwierigkeiten nützlich sind“ betitelt war. Da ging es eigentlich um ganz andere Dinge als ums Schreiben, und dennoch hab ich den Aufsatz sehr interessiert durchgearbeitet.

Wiederum hört sich’s nach völlig banalen Erkenntnissen an:

– Ein zu leichtes Leben mit zu wenigen Hindernissen führt zu Bequemlichkeit, zu Trägheit. – Geld und Glück hängen ab einer bestimmten Vermögenshöhe nicht mehr unbedingt zusammen. – Die Arbeit mit bedienungsleichten Maschinen verringert die Bereitschaft, sein Bestes zu geben. – Das Schreiben am PC erlaubt zwar schnelleres und erleichtertes Arbeiten, macht Texte aber auch unbestimmter und vager.

Der Fabriksarbeiter mit Mindestlohn wird mir wegen solcher Aussagen wahrscheinlich einige deftige Ohrfeigen verpassen. Aber für mich als „Kreativen“ steckt da schon mehr als ein Fünkchen Wahrheit dahinter. Das Schreiben mit der Hand, so hab ich oft genug festgestellt, verdichtet Texte. Man spart bewußt Füllwörter aus, man möchte eine Geschichte ja zu Ende erzählen und nicht nur dumm vor sich hinlabern. Und dann ergibt sich auch noch dieser seltsame Effekt, daß die Gedanken im Kopf rasen, die Geschichte fortschreitet und man alles auf Papier bekommen möchte, bevor man’s vergessen hat. Man nimmt deshalb Abkürzungen, schreibt mit der Hand prägnanter und präziser.

Nun, ich werde den Großteil meiner Arbeitszeit weiterhin am Netbook verbringen und tippen und möglichst rasch arbeiten. Handgeschriebene Texte machen sich bei Redakteuren auch nicht sonderlich gut, das kann ich Euch sagen. Also muß ich mich anderen Reizen aussetzen, anderen Schwierigkeiten und Herausforderungen.

Gebt mir also etwas, an dem ich mich reiben kann! Laßt mich als Autor mit dem Text kämpfen! Legt mir Hindernisse  in den Weg, die so hoch sind, daß man sie auf erstem Blick nicht überwinden kann!

Ich erwähne immer wieder, daß ich mich in Geschichten liebend gerne  in die Ecke schreibe, ohne zu wissen, wie ich da wieder rauskommen könnte. Es bereitet mir immenses Vergnügen, den Helden durch ein Raumschiff stolpern zu lassen, ohne Hilfsmittel, ohne Aussicht auf Rettung, verfolgt von blutrünstigen Monstern, und ich ihm zur Verteidigung gerade mal einen gut durchgekauten Kaugummi in die Hand drücke. Oh ja, das liebe ich heiß!

Ich dachte immer, daß ich an einer seltsamen Form geistigen Masochismus leiden würde. Doch in Wirklichkeit ist dies meine – intuitive – Art, Schmerz zu erzeugen, der meine Figur und mich zwingt, das Beste aus uns rauszuholen. Mag sein, daß ich stundenlang recherchieren muß, ob und wie man einen Kaugummi zum schockgefrorenen Spieß umfunktionieren kann. Mag sein, daß ich mir diese Arbeit umsonst antue. Mag sein, daß die Lösung schlecht ist und ich mit meinen Überlegungen völlig von vorne beginnen muß. Aber das Unterbewußtsein hilft einem bei dieser Arbeit gehörig, die Erfahrung, das Allgemeinwissen, das Er-Lesene. Um irgendwas, das man irgendwo aufgeschnappt hat, in eine Lösung umzuwandeln.

Womöglich funktioniert dieser Wahn, sich in die Ecke zu manövrieren, nur bei mir. Aber ich rate jedem, der sich mit dem Schreiben von Spannungsromanen intensiver auseinandersetzt, es sich nur ja nicht zu leicht zu machen und vielleicht mal bewußt die Arbeitsbedingungen zu erschweren.

Gib Dir selbst und Deinen Figuren unbedingt die Chance, verletzt zu werden. Geh ins Freie und zittere, setz Dich ins Bahnhofsgebäude und laß Dich von Lautsprecherdurchsagen volldröhnen, setz Dich ungewohnten Reizen aus  … Es ist vielleicht den Versuch wert. Und wenn’s nicht funktioniert, dann weißt Du danach wenigstens die Ruhe und Bequemlichkeit in den eigenen vier Wänden zu schätzen.

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3 thoughts on “Inspiration! (Teil 2)

  1. Haha – der Kaugummi-Teil war amüsant und „Bilder-im-Kopf“erzeugend zugleich 🙂
    Ein kleiner Tipp: für solche Lösungs-Fälle brauchst nicht stundenlang recherchieren…. frag einfach McGyver 😉

    • Seas,

      McGyver hab ich nie gesehen, weiß aber natürlich, wer und was er war. Aber im Prinzip läuft jede Spannungsgeschichte auf einen McGyver-Trick hinaus.

      Schöne Grüße, danke für den Kommentar,

      Michael

      Gesendet: Donnerstag, 04. April 2013 um 10:34 Uhr

  2. Ist bei mir Lebenserfahrung – Unter Druck , selbst unter selbsterzeugtem, arbeite ich am besten – und mit den besten Ergenissen…………..
    Selbst auf Gebieten, in denen ich mich kaum auskenne………..
    Ich erzeuge so eine Art „Prüfungsangst“……………….
    Das zwingt mein Gehirn, unterbewußt nach der „bestmöglichen“ Lösung der
    „Situation“ zu suchen, und Sie auch zu finden……………
    So eine Art „Walty Klackton“-Effekt…………………
    Klappt selbst „in meinem Alter“ – Du hast mich ja schon getroffen (Dort-Con) –
    hervorragend…………….
    Und man kann das „trainieren“………………..

    Grüße
    Heinz-Ulrich „overhead“

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