Arrgl!, Seufz! und Zabadoing!

Was Comics betrifft, bin ich ein klein wenig verhaltensauffällig. Sobald irgendwo irgendwer irgendwas zeichnet, interessiere ich mich dafür. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, beneide ich Zeichner um ihre Begabungen, und wenn ich nur ein Äutzerl Talent hätte, würde ich wohl versuchen, in diesem Genre Fuß zu fassen.

Ist aber nicht. Ich bin unbegabt wie ein Stück Holz und darüber hinaus auch noch zu faul, um mir zumindest das handwerkliche zeichnerische Knowhow anzueignen. Also belasse ich’s beim Lesen – und bei der Hoffnung, vielleicht irgendwann einmal als Szenarist die Bilder, die in meinem Kopf entstehen, zu Papier bringen zu lassen.

Gewisse Erinnerungen bleiben einem für alle Zeiten im Kopf. Bei mir ist’s sicherlich der erste Kuß – mjam! -, der erste Sex – wow! – und das erste Comic-Heft, das ich in die Finger bekam – woosh! (Verdammt! Selbst jetzt verwende ich Onomatopöien, Lautmalereien, wie sie in Bilderheftln zur Anwendung kommen, und um meinen Wahnsinn noch deutlicher zu machen: Vor vielen Jahren spielte ich sogar bei einer Hobbymannschaft namens „Zabadoing! Frey-Bier“ nur wegen ihres Namens Fußball. )

Jedenfalls war dieses erste Comic ein Micky Maus-Heft gewesen, das ich im Sommer 1966 vorgelesen bekam, von einer deutschen Studentin, die mich während des familiären Italien-Urlaubs babysittete. Die Hexe Hicksi spielte eine bedeutende Rolle  im Heft, die Panzerknacker hatten ebenfalls eine Geschichte, und es kam das geflügelte Wort: „Der hat nicht alle Tassen im Schrank“ vor, das ich bis dahin nicht gekannt hatte. Der Name der Studentin ist mir bezeichnenderweise nicht im Kopf geblieben, auch wenn sie aus der Perspektive meines vierjährigen Ichs verdammt hübsch gewesen war.

So begann es also. Es fand seine Fortsetzung, als zwei Jahre später mein Meerschweinchen die bis dahin angesammelten Micky-Hefte anknabberte und ich es mit Mordlust in den Augen verfolgte, so daß meine Mutter es vor mir in Sicherheit bringen und weiterschenken mußte. Ich kann bis zum heutigen Tag keine Meerschweine riechen.

Ich blieb der Micky Maus lange treu, hatte niemals Augen für Fix & Foxi, Wastl & Co. Bis ich auf Superman-Hefte stieß und auf andere „Heldengestalten“. Batman und Grüner Pfeil beeindruckten mich, ebenso das Monster von Frankenstein und Dracula aus den kurzlebigen Williams-Serien. Dann die Frankobelgier, allen voran, eh klar, die Klassiker Lucky Luke, Pit und Pikkolo sowie Asterix. Clever & Smart mochte ich wegen des Brachialhumors,  Conan wegen der Brachialgewalt, Druuna wegen, naja, wegen des monumentalen Hinterns der Titelheldin. Prinz Eisenherz wegen allem, Jojo/Gaston wegen seines Anarchistentums, Leutnant Blueberry wegen des Western-Settings  … Jeremiah. Valérian und Veronique. Luc Orient. Albert Enzian. Inspektor Canardo … Seufz. Diese Liste ließe sich lange, lange fortsetzen.

Mein gezeichnetes Universum wurde immer breiter, größer, tiefer. Es gab so viel zu entdecken, so viel zu sehen, und jedesmal, wenn ich glaubte, nun endlich alles durchzuhaben und mich recht gut in diesem Wunderland gestrichelter Welten auszukennen,  öffnete sich ein neues Tor.

Fast ein Jahrzehnt lang faszinierten mich die Heldenfiguren des DC-Universums, allen voran Batman und seine „Familie“. Ich mochte diese Gestalt, die dunkler und dunkler gezeichnet und charakterisiert wurde. Die mehrmals gebrochen wurde, um sie immer wieder neu zusammenzusetzen. Watchmen habe ich mittlerweile 20mal gelesen, manche Hefte der Sandman-Serie wohl genauso oft.  Die „Vertigo“-Erwachsenenserie von DC erwischte mich bei den Eiern. Es war, als wären diese meist ausgezeichnet geschriebenen und gezeichneten Serien auf meinen persönlichen Geschmack zugeschnitten worden. Namen von weiteren Geschichten und Serien schwirren mir grad durch den Kopf, während ich diese Zeilen niederschreibe. Es gäbe so viel zu nennen, so viel darüber zu sagen …

Und heute? Bin ich endlich durch? Ist das Thema Comics aufgearbeitet, erledigt, durchgekaut? – Schmarrn! Irgendwie hab ich das Gefühl, daß ich grad mal wieder am Anfang stehe. Schuld daran ist der Splitter-Verlag, in dem mit Dirk Schulz und Horst Gotta zwei Leute mit starkem PERRY RHODAN-Bezug sitzen. Sie haben vor einigen Jahren dafür gesorgt, daß ich mich für die unglaublich guten neueren Comics aus dem französischen Raum zu interessieren begann. „Ythaq“ und „Universal War“ sind nur zwei Serien, die ich stellvertretend für viele andere hier nennen möchte. Mittlerweile bin ich so weit, daß ich meine bescheidenen Französisch-Kenntnisse aufpoliere, um irgendwann in der Lage zu sein, die in Frankreich erscheinenden Serien im Original lesen zu können. Arrgl!

Ich bin trotz allem ein Laie geblieben. Ich vermag kaum zu sagen, warum mich eine Geschichte interessiert und eine andere nicht. Ich entscheide das oftmals aus dem Bauch heraus, und ich kann kaum objektive Kriterien anwenden. Dennoch werd ich in nächster Zeit und in loser Folge über Comics plaudern, und wenn ich nur einen einzigen Menschen davon überzeuge, daß die sogenannte „Neunte Kunst“ ihren Platz locker neben all den anderen behaupten kann, dann bin ich’s zufrieden.

Sollte der eine oder andere comicerfahrene Leser nun die Augen verdrehen und sich denken: „Noch so ein Blogger, der meint, seine Nullachtfünfzehn-Weisheiten unters Volk bringen zu müssen!“ – Dem sei entgegengehalten, daß ich doch eine sehr persönliche Note einbringen und Geschichten erzählen werd, die in dieser Form womöglich noch nicht zu hören waren. Und um neugierig zu machen, druck ich hier gleich mal das Cover des ersten Comics ab, über das ich in einigen Tagen reden werd.

Damit verabschiede ich mich für heute eiligen Fußes und mit einem lautmalenden:  „Zawusch!“

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