PERRY RHODAN-Tagebuch, 5. Eintrag

Heute geht’s ein klein wenig um eine persönliche Schwäche – aber auch um allgemeine Schwierigkeiten mit dem Rhythmus beim Schreiben.

Ich habe ein Problem, naja, fast eine Neurose: Ich hasse es, etwas fertig zum machen bzw. es fertig zu sehen. So habe ich zum Beispiel die Renovierung meiner Wohnung, die 1999 geschah, niemals vollendet. Da hängen in zwei Zimmern noch immer die nackten Glühbirnen von der Decke, Streicharbeiten hab ich zum Ende hin abgebrochen, Bilder sind nicht aufgehängt etc. Es würde mich tatsächlich anwidern, hätte ich diese Arbeiten beendet. Das mag seltsam klingen, ist aber so – und diese seltsame Eigenheit schlägt sich ganz gewaltig mit meiner Arbeit, deren Erfolg sehr wohl davon abhängt, daß ich sie fertigbekomme.

Nun hab ich mittlerweile etwa zwei Drittel des Textes geschrieben, und ich nähere mich jenem Punkt, da ich irgendwie angewidert vor meinem eigenen Manuskript sitze und es eigentlich gar nicht so richtig beenden möchte. Dazu kommt natürlich der Fluch des Abgabetermins. Der erscheint noch sooo weit weg, da könnte ich’s ruhig noch ein klein wenig schleifen lassen, Olympiade schauen und nicht ganz so sehr aufs Tempo drücken. Bis das große Erwachen kommt und man feststellt daß dieses „sooo weit weg“ eigentlich schon übermorgen wäre und man nicht einmal mehr Zeit für eine Panikattacke oder einen Ohnmachtsanfall hätte. Man muß schreiben, schreiben, schreiben, seufz, ohne Rücksicht auf Verluste.

Damit komm ich zu einer anderen Schwierigkeit des Schreibberufs. Es ist der Wunsch, stets möglichst originell zu sein. So ist ein PERRY RHODAN-Manuskript nicht sonderlich lang, und viele Dinge sind durch das Serien-Exposé vorgegeben – könnte man meinen. In Wirklichkeit aber hat man das Bedürfnis, selbst die kleinsten Kleinigkeiten so zu formen, daß der Leser die persönliche Handschrift erkennt. Das bedeutet, daß man permanent Ideen entwickeln möchte. Daß einfache Handlungen wie z.B. Essensaufnahme exotisch wirken, daß Landschaftsbeschreibungen eine ungewöhnliche Perspektive, daß die Gedankengänge eines Unsterblichen eine ebenso ungewöhnliche Note erhalten sollen.  Das alles hält auf. Zehrt. Ermüdet. Läßt einen ewig lange im Internet, in Büchern oder Schriften recherchieren. Ohne auch nur die kleinste Garantie zu haben, daß sich die Mühe lohnt. Denn oft genug bekommt man Kritik um die Ohren gepfeffert, daß man doch gefälligst einfacher schreiben und die Handlung in den Vordergrund stehen solle …

Nun, das sind Schwierigkeiten, die gerne mit „die Mühen der Ebene“ umschrieben werden. Zu Beginn eines Manuskripts ist man, nachdem man erst mal begonnen hat, oft enthusiastisch, zum Ende hin sowieso – aber der Mittelteil zieht sich trotz einiger Zwischenhochs ganz schön hin.  Eine anstrengende Bergetappe der Tour de France hat womöglich ein ähnliches Profil …

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